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„Krawattenzwang“

Mit einem zweiten Velo näher zur US-Präsidentschaft

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, Chefredaktor „Bieler Tagblatt“, wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Mit einem zweiten Velo näher zur US-Präsidentschaft.

Bernhard Rentsch: Krawattenzwang
  • Dossier

Ich gebs zu: Durch die Netflix-Serie «House of Cards» inspiriert, hat mich an der präsidialen Stippvisite von Donald Trump in Davos das ganze Drum und Dran fast mehr interessiert, als mit wem sich der amerikanische Präsident traf und was er sagte.

Claire und Frank Underwood zeigen am Bildschirm auf, wie aufgeblasen der Apparat rund um die amerikanische Präsidentschaft ist – und genau so scheint es zu sein. Es übernehmen der amerikanische Geheimdienst und die Entourage des Präsidenten bei allen Kleinigkeiten das Kommando. In einer SRF-Dokumentation war sogar zu erkennen, wie 2018 die persönliche Mitarbeiterin von Donald Trump die Anwesenden mit deutlichen Worten hinter eine am Boden befestige Markierung befahl.

Auch die eingesetzten präsidialen Verkehrsmittel beeindrucken: Ein Chef der USA reist nie in anderen Fahrzeugen als den eigenen. Und zwar zu Luft, zu Wasser und zu Boden. Entsprechend müssen Helikopter und Limousinen eingeflogen werden. Auch wenn die Fahrzeuge dann wie in Davos nur für Strecken von wenigen hundert Metern eingesetzt werden. Die der Tarnung dienende Menge ist ein nächster Grund, das Ganze als absurd zu bezeichnen: Damit niemand weiss, in welchem Fahrzeug der Präsident transportiert wird, wird ein ganzer Konvoi eingesetzt. In der Luft sind es dann insgesamt sechs und mehr Helikopter...

Aus den USA kommt Donald Trump mit der präsidialen Maschine angeflogen. Endlich lernten wir «Air Force One» in Fotos auch von innen kennen. Die zahlreichen sogenannten «Planespotter» (Menschen, die gerne Flugzeuge fotografieren) kamen in Zürich auf die Rechnung. Aber, man lernt: Auch die «Air Force One» ist kein Unikat. Es landen kurz nacheinander zwei identische Flugzeuge...

Der Fan fühlt sich verschaukelt, der Normaldenkende bringt nicht zuletzt ökologische und ökonomische Zweifel an, der Befürworter solcher Massnahmen weist auf die nötigen Vorsichtsmassnahmen hin: Schlicht alle sind erstaunt und überfordert. Und wenn die Form eines Besuches über den Inhalten steht, ist sowieso Zweifel angebracht.

Es gilt einmal mehr festzuhalten, wie bemerkenswert unsere Form des gefahrenlosen Zusammenlebens ist. Dennoch prüfe auch ich jetzt eine Vorsichtsmassnahme: die Anschaffung eines zweiten identischen Velos. So kann das Umfeld mit persönlichen Verkehrsmitteln irritiert werden. Und man fühlt sich dem US-Präsidenten grad sofort viel näher...


brentsch@bielertagblatt.ch

Twitter: @BernhardRentsch

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