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„Krawattenzwang“

Mein Maserati

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Mein Maserati.

Krawattenzwang: Bernhard Rentsch
  • Dossier

Buben spielen – Mädchen auch. Als Vertreter des männlichen Geschlechts erinnere ich mich aber vor allem an Bubenspiele. Da gehören irgendwann schnelle Autos dazu. Diesen bin ich insbesondere in Form von Quartettspielen begegnet. Es ging aber nicht in erster Linie darum, die vier gleichen Symbole zu ergattern (was ja eigentlich der Sinn des Spiels ist), sondern die Mehrzahl der teuren und schnellen Autos zu besitzen. Bei der Fragestellung gegenüber dem Bruder ging es darum, Höchstgeschwindigkeiten, PS oder Preis miteinander zu vergleichen – und die Karte des Gegners zu übertreffen und einzukassieren. Wir waren also „Besitzer“ von vielerlei edlen Karossen. Dazu gehörte auch die legendäre Marke Maserati.

Maserati war ein gutes Stichwort, um bei einer Einladung hellhörig zu werden. Da wurde doch tatsächlich der Mythos Maserati mit der Eröffnung einer entsprechenden Vertretung bei der Orpundgarage in Biel auch in unserer Region zum Leben erweckt. Es gibt sie also noch, die edlen Dreizack-Autos aus Italien, die auf einer über 100-jährigen Familiengeschichte basieren. Maserati sollte man heissen, ein ganz edler Familienname. Die Einweihung der neuen Räumlichkeiten letzte Woche war wie erwartet pompös und exklusiv. Thomas Eichelberger und sein Team, bisher als Peugeot-Könige bekannt, lassen sich da auf ein neues Abenteuer ein. Wobei: Ein Abenteuer wird’s nicht sein, hinter dem Engagement stecken detailliert ausgearbeitete Businesspläne und Marktstrategien.

Nun, für mich wie für viele andere Anwesende ging’s zurück in die Kindheit: Ein Maserati vor sich zu haben, wirkt tatsächlich wie ein Mythos. Ähnlich wie viele reagieren, wenn sie einen Ferrari oder einen Lamborghini live sehen. Allerdings, so richtig den Ärmel hereingezogen hat es mir nicht. Mir gefallen zwar die Modellnamen wie Quattroporte oder Levante unheimlich gut. Aber ein Maserati-Fan werde ich definitiv nicht. Auch kein Fan von andern Automarken. Das sagt mir schlicht zu wenig.

Verständnis für die vielen grossen Buben, die sich einen Traum erfüllen wollen, habe ich. Der meistgehörte Spruch im Rahmen der Einweihung war denn auch: „Und, hast du schon bestellt?“ Nein. Ich selber bleibe beim Gedanken, dass ich mit „meinem“ Maserati im Quartettspiel den Bruder ausstechen konnte. Ist doch auch schon etwas, oder?


brentsch@bielertagblatt.ch

Twitter: @BernhardRentsch

 

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