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«Mehr bezahlbare Wohnungen»: BT-Leserinnen und -Leser haben eine stärkere Meinung

Am Sonntag, 9. Februar, stimmt die Schweizer Bevölkerung über die Initiative «Mehr bezahlbare Wohnungen» ab. Die Zustimmung der Schweizer Stimmberechtigten zu dieser Initiative ist nach wie vor hoch, auch wenn das Mitte-Rechts-Lager die Initiative gemeinsam bekämpft.

Symbolbild: Keystone

Die Initiative scheint echte Erfolgschancen zu haben, auch wenn die Mehrheit der politischen Elite dagegen ist. Um mehr über die Meinungsbildung bei der Abstimmung zu erfahren, haben wir eine Umfrage unter den BT-Leserinnen und -Lesern durchgeführt. Ausserdem haben wir exklusiven Zugang zu einer repräsentativen Umfrage, welche an der Universität Zürich unter der Leitung von Professor Oliver Strijbis durchgeführt wird, erhalten.

Die BT-Leser im Schnitt der Schweizer Bevölkerung
Die BT-Leserinnen und -Leser haben auf den ersten Blick eine sehr ähnliche Meinung wie die Schweizer Bevölkerung. Während 68 Prozent der Bieler Tagblatt-Leserinnen und -Leser, welche an der Umfrage teilgenommen haben, eine eher oder definitiv positive Wahlabsicht angeben, sind die Ergebnisse in der repräsentativen Umfrage mit 72 Prozent Zustimmung ähnlich.

Es scheint jedoch, dass die BT-Leserinnen und -Leser zwar eine Meinung haben, die mit der Schweizer Bevölkerung übereinstimmt, aber dass diese Meinung stärker verankert ist. Denn während 66 Prozent der Leserinnen und Leser angeben, dass sie «sicher» Ja oder Nein stimmen werden, geben in der Schweizer Bevölkerung nur 38 Prozent der Befragten an, dass sie eine definitive Entscheidung getroffen haben. Die folgende Abbildung zeigt, wie viel Prozent der BT-Leserinnen und -Leser der Schweizer Stimmberechtigten die einzelnen Antwortkategorien ausgewählt haben.



Abbildung 1: Stimmabsichten zur Initiative «Für bezahlbare Wohnungen».

Nur langsame Zunahme des Nein-Lagers
Obwohl die Unterstützung für diese Initiative auf der Grundlage der Ergebnisse der repräsentativen Stichprobenerhebung hoch ist, gilt es zu beachten, dass ein grosser Teil der Stimmberechtigten relativ unentschlossen ist. So geben fast 62 Prozent an, dass sie noch keine endgültige Entscheidung über die Initiative getroffen haben (siehe oben). Interessant ist nun zu beobachten, ob dies während der Kampagne zu einer starken Veränderung in den Stimmabsichten führt wie bei Initiativen üblich. Eine Möglichkeit, die Veränderung der öffentlichen Meinung zu beobachten, ist der Vergleich von Einstellungen zu verschiedenen Zeitpunkten. Die repräsentative Umfrage wurde während zwei Wellen erhoben, die erste vor Weihnachten und die zweite nach den Weihnachten. Dies erlaubt zu sehen, ob sich die Meinung der Schweizer Bevölkerung zwischen Beginn und Ende der Ferienzeit geändert hat. Abbildung 2 vergleicht die Antworten der Befragten der ersten Befragungswelle mit denen der Befragten der zweiten Welle.

 


Abbildung 2: Stimmabsichten zur Initiative «Für bezahlbare Wohnungen» über die Zeit.

Auf den ersten Blick scheint die öffentliche Meinung in der Schweiz während der Festtage eher stabil geblieben zu sein. Tatsächlich können wir feststellen, dass in beiden Wellen eine grosse Mehrheit der Bevölkerung die Initiative unterstützt. In der zweiten Welle sehen wir jedoch, dass die Befragten der Initiative eher ablehnend gegenüberstehen als in der ersten Welle. Während bei der ersten Welle etwas mehr als 23 Prozent der Befragten angaben, dass sie eher gegen oder definitiv gegen die Initiative sind, liegt dieser Prozentsatz bei der zweiten Welle bei über 31 Prozent. Daher können wir, auch wenn die Unterstützung für die Initiative immer noch deutlich über 50 Prozent liegt, sehen, dass sich die Meinung langsam in Richtung einer Ablehnung der Initiative bewegt. Die Gegner der Initiative haben jedoch noch einen langen Weg vor sich, bevor eine Mehrheit der Stimmbürgerinnen sich ihnen anschliesst und die Initiative ablehnt. Obwohl der Trend gegen die Initiative zu spielen scheint, ist also die Unterstützung für sie immer noch hoch und es bleibt der rechten Mehrheit wenig Zeit gegen die Initiative zu mobilisieren. Es scheint also möglich, dass wir bald ein seltenes Phänomen in der Schweizer Politik erleben, nämlich die Annahme einer Volksinitiative entgegen der Präferenzen der liberalen und konservativen Elite.

Methodologie
Die in diesem Artikel betrachteten Umfragen wurden bei der Schweizer Stimmbevölkerung durchgeführt. Bei den BT-Leserinnen und -Lesern handelt es sich entweder um Befragte, die die Umfrage direkt via bielertagblatt.ch ausgefüllt haben oder um Personen, die früher an einer Online-Umfrage teilgenommen haben und von den Umfrage-Machern per E-Mail kontaktiert wurden. Darunter kann es auch einige Personen haben, die keine BT-Leser sind sondern im Kanton Bern wohnen und via Facebook-Post an der Umfrage teilgenommen haben. Die Umfrage wurde zwischen dem 16. Dezember 2019 und dem 14. Januar 2020 durchgeführt. Die repräsentative Umfrage in der Schweizer Bevölkerung wurde im Auftrag des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Zürich durchgeführt. Die Gewichtung der einzelnen Befragten in der Befragung erfolgt nach den Merkmalen Geschlecht, Region, Beruf und Haushaltsgrösse. Die repräsentative Umfrage wurde in zwei Wellen durchgeführt. Die erste Welle fand vom 11. Dezember bis zum 17. Dezember 2019 statt, die zweite Welle vom 8. Januar bis zum 14. Januar 2020. mt

 

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