Sie sind hier

Abo

Biel

Mehr als die Hälfte hat keine berufliche Ausbildung

Die Sozialhilfequote ist im vergangenen Jahr in Biel leicht angestiegen, auf 11,8 Prozent. Das BT zeigt aufgrund der neuesten Zahlen aus dem Kennzahlenbericht die Struktur der Bieler Sozialhilfe – von der in der Stadt immerhin über 6000 Personen abhängig sind.

Grafik BT/ml

Lino Schaeren


Der Kanton Bern hat diese Woche die Zahlen zur Kosten- und Fallentwicklung in der individuellen Sozialhilfe im Jahr 2016 veröffentlicht. Es sind dies jene Zahlen, an denen sich die Stadt Biel künftig messen will. Denn im Mai des vergangenen Jahres, als der Gemeinderat für die Abteilung Soziales 14 neue Vollzeitstellen bewilligt hat, hat er diese Stellenschaffung an «messbare und überprüfbare Leistungsziele» geknüpft. Die Stadt hat nicht die Parole ausgegeben, dass die Sozialhilfequote, die im Jahr 2016 bei 11,8 Prozent lag, drastisch zu senken sei. Vielmehr hat sie der Abteilung Soziales die Vorgabe gemacht, bis Ende 2018 in wesentlichen Punkten bei der Entwicklung, wie etwa den Nettokosten pro Person, um fünf Prozent besser abzuschneiden als der kantonale Schnitt. Wie weit dieser Weg noch ist, zeigen die kantonalen Zahlen für das Jahr 2016.

Sie veranschaulichen, dass die Stadt Biel im vergangenen Jahr in praktisch allen Punkten schlechter abgeschnitten hat als der kantonale Schnitt. So hat sich die Sozialhilfequote in Biel erhöht, während sie im kantonalen Schnitt leicht gesunken ist. Bei der Quote erreichte Biel im Jahr 2016 gegenüber dem Schnitt des Kantons einen Wert von 259 Prozent, um die gemeinderätliche Vorgabe zu erreichen, müsste dieser Wert Ende 2018 bei 95 Prozent liegen.
Anzufügen ist: Der Kanton zählt die Sozialhilfefälle anders als das Bundesamt für Statistik, weshalb die Zahlen des Bundes im Kennzahlenbericht Sozialhilfe 2016 etwas von den kantonalen Zahlen abweichen (der Bund geht in Biel von einer Zunahme der Quote von 0,2 Prozent aus, der Kanton von 0,44 Prozent).


«Natürlich nicht zufrieden»
Thomas Michel, Leiter der städtischen Abteilung Soziales, sagt, dass das Jahr 2016 nun «unsere Basis» sei. Das, weil die neuen Stellen erst im ersten Halbjahr 2017 vollständig besetzt werden konnten und die Massnahmen, die mit der Reorganisation der Abteilung einhergingen (etwa eine neue Priorisierung bei der Fallbearbeitung), in den Zahlen für das Jahr 2016 noch nicht abgebildet sind. Insofern zeigt sich auch der politisch verantwortliche Sozialdirektor Beat Feurer (SVP) nicht überrascht vom schlechten Abschneiden der Stadt Biel gegenüber dem Kantons-Schnitt. Er verweist auf die Ecoplan-Studie aus dem Jahr 2013, die die strukturellen Probleme der Region aufgezeigt hatte, «Probleme, die es in den anderen Kantonsteilen nicht gibt». Trotzdem sei man mit den Zahlen «natürlich nicht zufrieden», sagt Feurer, wobei sich die Stadt bei den zu erreichenden Zielen nicht nur an den kürzlich veröffentlichten Kantons-Zahlen, sondern auch noch an weiteren Grössen orientiere.

Im kantonalen Bericht gibt es Bereiche, in denen eine Besserstellung der Stadt in der Entwicklung gegenüber dem Kanton laut Michel in den nächsten Jahren gar nicht realistisch ist. Etwa bei der Anzahl der unterstützten Personen, wo Biel nach kantonaler Rechnung ein Plus von 4,32 Prozent verzeichnete, während die Bezüger im kantonalen Schnitt um rund 0,5 Prozent zurückgingen. «Eine Besserstellung ist hier kaum erreichbar, solange der Ausländeranteil in Biel weiter steigt», sagt Michel. 57 Prozent der Sozialhilfebezüger waren in Biel 2016 Ausländer. Das Risiko, das zeigen die Zahlen, in der Sozialhilfe zu landen, ist für sie deutlich grösser als für Schweizer.


Voraussetzungen sind gut
Wichtige Punkte, bei denen man sich in Biel mit dem Rest des Kantons messen will, sind hingegen die Unterstützungsdauer und die Ablösung von Personen aus der Sozialhilfe. In den beiden Punkten ist die Entwicklung unterschiedlich: Die Unterstützungsdauer ist, isoliert für das Jahr 2016 betrachtet, leicht angestiegen. Bei den abgelösten Personen hingegen sieht die Veränderung positiv aus: Hier konnte sich Biel um einen Prozentpunkt verbessern, während der kantonale Schnitt ein Prozent einbüsste. Die Ablösungsquote liegt in Biel allerdings mit 17 Prozent immer noch unter jener des restlichen Kantons (19 Prozent).

 Michel sagt, dass die Anzeichen eigentlich gut seien, im Vergleich zu 2016 eine Verbesserung und die vom Gemeinderat gesetzten Ziele zu erreichen. Das etwa, weil die Arbeitslosenquote im Jahr 2017 deutlich rückläufig war. Lag der Schnitt im vergangenen Jahr in Biel noch bei sechs Prozent, erreichte sie im November 2017 noch 4,6 Prozent. Ob alle vorgegebenen Ziele bis Ende des kommenden Jahres erreicht werden können, kann Michel nicht abschätzen. Er sagt aber: Wolle man in Biel die Sozialhilfequote auch nur ein wenig senken, dann brauche es eine Entwicklung unter dem kantonalen Schnitt. Die Ziele müssten dafür ambitioniert sein.
 

Stichwörter: Sozialhilfe, Biel, Quote, Anstieg

Nachrichten zu Biel »