Sie sind hier

Biel

Jetzt rollen Köpfe

Sozialdirektor Beat Feurer (SVP) will sich von Sozialamtchefin Beatrice Reusser trennen. Doch nun muss er sich einer Administrativuntersuchung unterziehen. Zudem wurde Anzeige gegen Unbekannt wegen Amtsgeheimnisverletzung eingereicht.

Beim Kaminfeuergespräch im Dezember war die Welt vordergründig noch heil. Beat Feurer, Beatrice Reusser und Patrick Nyfeler schauten nach vorne. copyright:anita vozza/bielertagblatt

Patrick Furrer

Nun sind sämtliche Geduldsfäden in der Bieler Sozialdirektion gerissen. Noch im vergangenen Dezember demonstrierten Sozialdirektor Beat Feurer (SVP) und Beatrice Reusser, Leiterin Abteilung Soziales, eine nie dagewesene Einigkeit. Es war ein offenes Geheimnis, dass die beiden zuvor Mühe mit der Zusammenarbeit hatten – der unerfahrene Direktor und die beharrliche Sozialamtchefin. Dass es innerhalb der Direktion «Reibungen» gegeben hatte, verneinte damals keiner mehr. Man hatte sich schliesslich versöhnt. Doch der Frieden hielt nur kurz.

Reusser soll gehen

Wie das Wochenblatt «Biel Bienne» in seiner aktuellen Ausgabe schreibt, haben sich die Fronten wieder verhärtet. Eine Einschätzung, die dem «Bieler Tagblatt» gestern aus internen Kreisen der Sozialen Dienste bestätigt worden ist. Tatsächlich will sich der Sozialdirektor von der Chefbeamtin trennen. Gemäss «Biel Bienne», weil Reusser Aufträge sabotiert haben soll, die ihr nicht genehm waren. Darunter die umstrittene Fachstelle Arbeitsintegration (FAI), in der die Meinungen der beiden teilweise diametral auseinandergehen. Das BT weiss ausserdem, dass Reusser mangelnder Respekt gegenüber Vorgesetzten zur Last gelegt wird. Gegenüber Dritten hat sie sich mehrfach abschätzig über ihren Chef geäussert.

Anzeige gegen Unbekannt
Belegt sind diese Vorwürfe nicht oder nur teilweise. Reusser selbst sagt dazu nichts, es sei «alles ein bisschen schwierig gerade». Gestern, einen Tag nachdem bekannt wurde, dass eine Kündigung im Raum steht, informierte der Gemeinderat dann, dass er eine Anzeige gegen Unbekannt wegen Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung einreichen wird. Einen Zusammenhang zwischen der beabsichtigten Kündigung und dieser Anzeige bestätigte Stadtpräsident Erich Fehr (SP) – der als einziger Gemeinderat Auskunft geben darf – aber nicht. «Wir äussern uns aufgrund schützenswerter Persönlichkeitsrechte nicht zu einer angeblichen möglichen Kündigung. Das Einzige, was ich sagen kann, ist: Dem Gemeinderat wurde bis heute kein Dossier zu einer Kündigung von Beatrice Reusser vorgelegt.»

Eine Amtsgeheimnisverletzung allerdings ist für Fehr ein Ding der Unmöglichkeit. Zu allfälligen Verdächtigungen will er sich nicht äussern. Das will auch Sozialdirektor Feurer nicht. Weder die offene Kündigung wie auch die Amtsgeheimnisverletzung kommentiert er aus Gründen des Kollegialitätsprinzips. Man habe «Stillschweigen» vereinbart.

Untersuchung lanciert
Damit aber nicht genug: Wie das BT von mehreren voneinander unabhängigen Quellen weiss, wird gegen die Leitung der Sozialdirektion nun eine Administrativuntersuchung durch einen externen Berater lanciert. Diese richtet sich gegen Feurer selbst, aber auch seinen Sekretär Patrick Nyfeler, zu dem der Gemeinderat bislang die Meldung schuldig geblieben ist, dass er nach einjähriger Probezeit definitiv in seinem Posten bestätigt worden wäre.

Der Untersuchung voraus ging ein Brief des Personalverbands der Stadt Biel an den Gemeinderat, in dem Vorwürfe an die Leitung laut werden. Diese sind es, die überprüft werden müssen. Stadtpräsident Fehr reagierte auf die Recherchen gestern leicht irritiert. Er bestätigte nichts, dementierte nichts. Es sei aber tatsächlich so, dass «der Gemeinderat vom Personalverband der Stadt Biel einen Brief erhalten hat und am Donnerstag darüber informieren wird, wie er damit verfahren will». Offenbar will die Stadt heute über die Administrativuntersuchung informieren. Derweil werden Stimmen laut, die das Ganze als Schikane und taktisches Manöver gegen den Sozialdirektor werten. Leicht hat es Feurer in der Direktion wie auch im Gemeinderat von Beginn an nicht gehabt.

Personalverband beunruhigt
Im Zentrum der Administrativuntersuchung dürften die bekannten Vorwürfe stehen, wie beispielsweise mangelhafte Führungsqualität, fehlende Dossierkenntnis und die internen Querelen, die inzwischen aufs Personal abgefärbt haben dürften. Gemäss dem Schreiben des Personalverbands gibt es zwei dokumentierte Fälle, in denen sich eine genauere Betrachtung aufdrängt. Verbandspräsident Urs Stauffer will das bis zur offiziellen Medienmitteilung der Stadt nicht genauer kommentieren. Er zeigt sich aber besorgt. «Die Probleme in der Direktion verursachen Unruhe und verunsichern das Personal.» Das beschäftige den Verband stark und werfe natürlich – abgesehen von allfälligen Verfahren – Fragen nach der Führungsqualität auf.

Dass dem Gemeinderat wie von Fehr erwähnt bisher «kein Dossier zu einer Kündigung von Beatrice Reusser» vorliegt, hängt letztlich wohl auch mit dieser Untersuchung zusammen. Diese hat Vorrang und muss zuerst abgeschlossen werden. Noch sind sämtliche Vorwürfe – seien sie an Reusser oder an die Direktionsleitung gerichtet – nicht bewiesen. Eines aber scheint absehbar: Wie immer die Sache ausgeht – irgendjemand wird seinen Stuhl wohl räumen müssen. Zu verhärtet sind die Fronten. Eine erneute nie dagewesene Einigkeit ist vorerst nicht absehbar.   

 

Kommentar: ganz sicher ein Manöver – nur von wem?

E s ist nur konsequent vom Gemeinderat, eine Administrativuntersuchung einzuleiten. Immerhin stehen gravierende Vorwürfe gegen den Sozialdirektor Beat Feurer und seine rechte Hand, Sekretär Patrick Nyfeler, im Raum. Das darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn die Mitarbeiter der Verwaltung haben ein Recht auf faire Arbeitsbedingungen. Ohne Frage.
Allerdings ist der Entscheid lediglich zur Hälfte freiwillig. Der Personalverband hat sich eingeschaltet und spricht von «zwei dokumentierten Fällen», in denen es Probleme mit dem Umgang mit Mitarbeitern gegeben haben soll. Ob wahr oder nicht – dem Gemeinderat bleibt gar keine andere Wahl. Er muss die Kritik ernst nehmen und sich sputen, wenn er glaubwürdig bleiben will. Dass Feurer im Kollegium von Anfang an Mühe hatte, Boden gutzumachen, spielt da schon fast keine Rolle mehr.
Weil der Gemeinderat und allen voran Stadtpräsident Erich Fehr (SP) bis gestern noch nicht Stellung nehmen wollten, bleibt völlig offen, was genau zum Entscheid einer Administrativuntersuchung geführt hat. Ganz offensichtlich ist, dass alles miteinander zusammenhängt. Zwischen der vermeintlichen Kündigung, der Reaktion des Personalverbands, der Anzeige wegen Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung und der Administrativuntersuchung liegt nur sehr wenig Zeit. Und auch wenn die Vorwürfe an die Direktionsleitung stimmen sollten – normalerweise ist die Exekutive bemüht, kein Öl ins Feuer zu giessen. Eine derartige Bombe platzen zu lassen, wie die der Untersuchung, passt nicht dazu.
Es könnte also um mehr als eine nüchterne Betrachtung von nüchternen Vorwürfen gehen. Die Frage ist, was sich hinter den Kulissen abspielt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass es zwischen Beatrice Reusser und Feurer immer mal wieder kriselte. Trotzdem war von gravierenden Mängeln in der Personalführung nie die Rede – und von aussen betrachtet nie etwas zu spüren. Und man würde annehmen, dass Behörden und Verwaltung doch hätten reagieren müssen, wäre etwas Gravierendes vorgefallen.
Wer Reusser nahesteht, sagt, Feurer wolle sie «aushebeln», um eigene Schwächen zu kaschieren. Wer Feurer nahesteht, sagt, die Untersuchung gegen die Direktionsleitung sei ein taktisches Manöver mit politischem Kalkül. Es wäre nun zu einfach zu sagen, dass die Wahrheit wie so oft irgendwo in der Mitte liegt. Wahr ist vermutlich vielmehr beides. Wer immer die Untersuchung jetzt führen wird, muss sich der Hintergründe zuerst völlig bewusst werden. Allein um die Sache geht es in diesen heiklen Fragen längst nicht mehr.

Kommentare

stockam

Es ist an der Zeit, dass Hr. Fehr in seinem eigenen Stall einmal ausmistet. Raus mit den roten Sozi Chefbeamten die immer wieder intrigieren und unfrieden stiften. In dieser Genossen Hochburg Biel wird jeder vernichtet der nicht aus den eigenen Reihen kommt. Feurer würde in jedem Departement bekämpft. Der Rote Schuldenfilz erträgt keinen SVP- ler neben sich.


Georges

Ich weiss nicht wie die Verhältnisse und die Arbeitsweise in der Gemeinde sind. Aber eines war mir von vornherein klar: ein SVP-ler passt nicht in eine SP-Bastion. Alles wird gut sein, um Herrn Feurer zu… zerstückeln.


Boezinger

Im Intrigieren und Denunzieren sind die Linken Weltmeister !


Nachrichten zu Biel »