Sie sind hier

Abo

Biel

Jede Blume zählt

Seit Anfang März blühen in Biel die Stiefmütterchen, Gartenbürstchen und Vergissmeinnicht. 34 Mitarbeiter der Stadtgärtnerei sind dafür verantwortlich, dass 35000 Blumen den Weg vom Gewächshaus auf öffentlichen Plätzen der Stadt finden.

copyright:peter samuel jaggi/bieler tagblatt
  • Dossier

Deborah Balmer


Auch die Stadtgärtnerei Biel kennt Trends. Besonders gefragt sind derzeit Bidens und Euphorbia. Erstere heissen auch Goldmarie. Die Stadtgärtner pflanzen sie am liebsten in grosse Kisten, die sie an Brückengeländer hängen. So kommen die feinen gelben Blüten speziell zur Geltung. Letztere nennen sich Zauberschnee,  sie gehören zu den Wolfsmilchgewächsen. Auch sie werden von den Gärtnern gerne als Brückenpflanzen verwendet. Ihre Blüten sind zartweiss und feingliederig. Im grossen Gewächshaus der Stadtgärtnerei wachsen sie derzeit zu hunderten in kleinen Töpfchen. Sie gehören wie die Dauerbrenner Begonien, Geranien und Fuchsien zu den Sommerpflanzen. Bis die Bielerinnen und Bieler sie zu Gesicht bekommen, dauert es also noch einen Moment.


Der Produktionsleiter der Stadtgärtnerei, Vincent Jeanrichard, führt die Besucher durch das Gewächshaus, das mit Fernwärme der nahen Kehrichtverbrennungsanlage gewärmt und in dem die Pflanzen mit gesammeltem Regenwasser gewässert werden. «Im Frühling bereiten wir den Sommer vor», sagt er und hebt ein Töpfchen hoch. Ins Freie gesetzt werden diese Blumen erst, wenn die Tage noch länger werden und die Temperaturen steigen. Startschuss ist Mitte Mai, wenn die Eisheiligen vorbei sind.


75000 Blumen
Dafür blühen draussen bereits die Stiefmütterchen, Gartenbürstchen und Vergissmeinnicht. Sie verschönern Biels Kreisel, die Balkonkisten am See und die städtischen Brunnen. Aber auch die Tulpen, die Narzissen und der Mohn zeigen den Frühling an. Bereits Anfang März haben die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei und des Friedhofs draussen 75000 Blumen gesetzt. 35000 wurden an öffentlichen Plätzen in der Stadt gepflanzt, 40000 auf dem Friedhof, dessen Pflege ebenfalls Aufgabe der Stadtgärtnerei ist.


«Schön, ihr pflanzt aus, jetzt kommt der Frühling.» Solche Rückmeldungen von Passanten lassen laut Stadtgärtner Andreas Mathys jeweils nicht lange auf sich warten. Er glaubt zu wissen, dass der Mensch farbenhungrig ist und sich deshalb nach den grauen Wintermonaten über die Blütenpracht so freut. Das geht übrigens auch den Gärtnern so. «Der Frühling ist für mich die schönste Jahreszeit», sagt Mathys.


Jeweils Mitte Oktober kommen die Setzlinge für den Frühling in der Stadtgärtnerei an. Bereits Wochen, bevor sie ausgesetzt werden, beginnen sie im warmen Treibhaus zu blühen. Für die 34 Mitarbeiter der Gärtnerei beginnt der Frühling also schon früher als für alle andern. Ist der Zeitpunkt für das Setzen in der Stadt gekommen, bereiten die Gärtner die Beete vor. Wenn nötig wird die Erde aufgefrischt, es kommt etwas Dünger und Kompost dazu, «dann werden die bereits blühenden Blumen ausgefahren und gesetzt». In diesem Frühling hat man zuerst im Stadtpark gepflanzt. Der Ablauf kann sich allerdings je nach Wetter jedes Jahr ändern.  


Positive Rückmeldungen
Die Arbeit der Stadtgärtnerei wird genau beobachtet: Manche Bieler bedanken sich per E-Mail oder schreiben den Stadtgärtnern einen Brief aus Freude über die Blütenpracht. «Eine negative Rückmeldung habe ich noch nie bekommen», sagt Mathys. Dabei überlässt die Stadtgärtnerei nichts dem Zufall: Jedes Jahr überlegt sie sich spezielle Ornamente, die sie mit unterschiedlich farbigen Blumen formt. Die Gärtner planen bereits im Herbst akribisch genau, wie viele Pflanzen es für die Muster braucht und kauft entsprechend ein. Schliesslich sollen am Ende keine Pflanzen weggeworfen werden.


Möglichst wenig Chemie
Dieses Jahr ist noch etwas neu: Die Stadtgärtnerei setzt auf biologische Schädlingsbekämpfung. Mit Erfolg. «Wir sind sehr zufrieden, wie es funktioniert», sagt Vincent Jeanrichard, der betont, dass man schon immer die Tendenz hatte, möglichst wenig zu spritzen. «Neu arbeiten wir nun aber mit Nützlingen, um gegen Schädlinge vorzugehen», sagt er (siehe Infobox).


Während Mathys und Jeanrichard erzählen, prasselt plötzlich Schneeregen auf das Glasdach des 1300 Quadratmeter grossen Gewächshauses. Es klingt wie die lautstarke Rückmeldung des Winters, der in den letzten Tagen plötzlich wieder Einzug hielt. Doch die beiden Stadtgärtner geben Entwarnung. Die Kälte sei für die bereits draussen gesetzten Pflanzen kein Problem. «Den Tulpen, Narzissen und dem Mohn etwa war es während den sonnigen Tagen zuvor nämlich bereits zu warm», sagt Jeanrichard.


Zu den Aufgaben der Stadtgärtnerei gehört auch die Pflege des Stadtparks, der Schulanlagen, der Spiel- und Sportplätze und der Umgebung der Tissot Arena. Jeweils im Januar schneiden Mitarbeiter die Bäume. Manchmal entfernen sie Krähennester aus einer Baumkrone, weil diese Vögel an gewissen Orten in der Stadt Probleme machen.


Zum Schluss hat Gärtner Andreas Mathys noch eine Anregung bereit. Er finde es immer schön, wenn die Bielerinnen und Bieler ihre Balkone mit Pflanzen schmücken. «Auch wenn es nur eine einzige Blume ist, hilft sie, die Stadt zu verschönern», sagt er. 

 

Infobox: Biologische Schädlingsbekämpfung
Viele Schädlinge können mit biologischen Lösungen in Schacht gehalten werden. Etwabal mit Nützlingen, Nematoden (Fadenwürmern), Mikroorganismen, Verwirrungstechnik und Pflanzenextrakten. So steht es auf der Website von Andermatt Biocontrol, der Firma, mit der die Stadtgärtnerei zusammenarbeitet.
 Um etwa die Trauermücke zu bekämpfen, die der Euphorbia schadet, setzt die Gärtnerei Nematoden ein, die in der Erde die Larven der Mücken angreifen. So kann auf Gift verzichtet werden. bal

Kommentare

Boezinger

Biennensis, wie Sie sehen, wurde der andere Thread geschlossen weil Sie vermutlich das entscheidende Schlüsselwort verwendet haben. Das sollt Ihnen zu denken geben und Ansporn für eigene Recherchen geben. Es lohnt sich!


Biennensis

Dem Herrn Rindlisbacher kann ich nur beipflichten.


jost.rindlisbacher

Einfach nur ein grosses Dankeschön an die Stadtgärtnerei für diese wunderschönen Blumen überall in der Stadt, habe diese wunderbare Pracht diese Farben schon ein paar mal sehr bewundert. Es bleibt wircklich zu hoffen das man diese noch lange bewundern kann, ohne das irgend welche Leute das dumme Idee kommen und das Gefühl gaben alles kaputt zu machen. Schönes Weekend , und Danke nochmals .


Seiten

Nachrichten zu Biel »