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„Krawattenzwang“

Ja, im Winter gibt‘s Schnee

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Ja, im Winter gibt‘s Schnee.

Krawattenzwang: Bernhard Rentsch
  • Dossier

Sturm Evi war gestern im Anzug – beim Schreiben dieser Zeilen war nicht klar, was da genau auf uns zukommt. Burglind war es vor einigen Tagen. Mit bekannten Schäden. Die Natur schlägt zurück, ist man geneigt zu interpretieren. Aber nicht zu weit gedacht: Es ist kein Rachefeldzug, es ist schlicht Normalität.

Nein, natürlich nicht die übergrossen Stürme und die nachfolgenden Schadenmeldungen. Das sind Ausnahmen. Aber sie gehören durchaus in die statistischen Häufigkeiten. Von ihnen soll auch nicht die Rede sein.

Ich staune vielmehr über die Naivität, mit welcher wir der kalten Jahreszeit begegnen. Ein Wintereinbruch mit Eis- und Schneeglätte sorgt rasch einmal für genervte Reaktionen. Einigen geht es offenbar zu lange, bis Strassen, Trottoirs oder Eisenbahnlinien geräumt sind. Der Bahn- und Flugbetrieb hat unverzüglich so zu funktionieren, wie immer. Verzögerungen werden nicht (mehr) in Kauf genommen. Zur Erinnerung: Ja, im Winter gibt‘s Schnee. Das kann vorkommen. Und das ist gut so. „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur ungenügende Ausrüstung“ – pflegen die Outdoor-Sportler zu sagen. Das gilt für uns alle: Die Ausrüstung zählt. Freuen wir uns also über die aktuelle Jahreszeit.

Das möchte man auch den Touristen zurufen, die mit ungenügender Ausrüstung und mit falschen Erwartungen in unsere Alpengebiete eindringen. Eine Beobachtung aus den letzten Tagen in Grindelwald: Die anreisenden deutschen Touristen konnten das Stützli zum Hotel mit ihrem Bus unmöglich bewältigen. Nach ungefähr zehn zwecklosen Spulversuchen erbarmten sich die Schweizer Beobachter und boten die eigenen Schneeketten an. Sie passten. Die Gäste liessen die Ketten vom Anbieter montieren, meisterten die letzten Meter bis zum Parkplatz und entlöhnten die Helfer. Nicht mit einem netten Dankeschön oder anderen „Emotionen“, sondern mit einem achtlos angebotenen 10-Euro-Schein.

Auch hier: Ja, im Winter gibt‘s Schnee. Den Touristen sei eine angepasste Ausrüstung empfohlen. Und den trotz den merkwürdigen Erfahrungen auch beim nächsten Mal hilfsbereiten Anwohnern: Merci!


brentsch@bielertagblatt.ch

Twitter: @BernhardRentsch

 

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