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Magglingen

«Ich will jetzt durch Arbeit überzeugen»

Durch die Miss-Schweiz-Wahlen 2015 ist Morgane Schaller schweizweit bekannt geworden. 
Nun setzt sie nicht mehr auf ihr Aussehen, sondern schreibt in einem eigenen Blog bezahlte Reportagen.

Über der Altstadt von Dubrovnik: In ihrem Blog zeigt Morgane Schaller eher selten wie auf diesem Foto ihre Reize - im Vordergrund stehen jetzt die Reize ihrer Reiseziele. Bild: zvg

Interview: Beat Kuhn

Morgane Schaller, woher kommen Sie gerade?
Morgane Schaller: Ich war fünf Tage in Dubrovnik in Kroatien.

Und wo gehen Sie als Nächstes hin?
Für einen Monat in die USA. Aber das sind primär Ferien, nur am Rande knüpfe ich dort noch einige geschäftliche Kontakte.

Ist das Ihr neues Leben, sind Sie dauernd unterwegs?
Ja, in der Tat!

Sie haben Ihren Marketing-Job bei einer Bieler Uhrenfirma gekündigt und sind seit Anfang August vollzeitlich Reise-Bloggerin. Was tun Sie genau?
Ich unternehme Reisen und schreibe darüber in meinem Blog. Ich bin jetzt eine digitale Nomadin, arbeite mit meinem Laptop, wo ich gerade bin. Ich erzähle Geschichten, berichte über das, was mir beim Reisen auffällt, mit Vorliebe Kurioses.

Sie machen also Reportagen. Planen Sie die Reisen selbst?
Etwa 60 Prozent organisiere ich selbst, der Rest sind Touren, die mir Reisebüros, Hotels oder Tourismusbüros vorschlagen.

Sind Sie wirklich unabhängig?
Ja, ich bin völlig frei in dem, was ich schreibe.

Wie kommen Sie zu Ihren Aufträgen?
Man kennt mich inzwischen in der Branche. Denn hobbymässig blogge ich schon seit zwei Jahren auf Instagram und Facebook. Es gibt Firmen, die im Internet aktiv nach Leuten wie mir suchen, die schon Follower, eine Community haben. Das ist heute ein Business.

Neu ist also einfach, dass Sie das nun Vollzeit machen?
Genau.

Bekommen Sie über die Spesen hinaus Geld dafür?
Meine Partnerfirmen übernehmen primär sämtliche Reisekosten. Geld verdiene ich eher mit Werbung in meinem Blog, auf Instagram oder auf Facebook.

Welche Destinationen stehen in allernächster Zukunft an?
Bereits geplant sind für Oktober je eine Reise nach Tunesien und eine nach Belgien.

Machen Sie ausschliesslich Reisereportagen?
Nein, ich schreibe auch über Kulturelles, etwa über Kunst, Literatur oder Kino. Vor Dubrovnik war ich zum Beispiel drei Tage in der deutschen Stadt Münster, um über eine bekannte Skulpturenausstellung zu schreiben.

Wie steht es mit Mode und Schönheitspflege? Das würde doch zu Ihnen als Ex-Miss-Schweiz-Kandidatin passen.
Solche Blogs gibt es genug, darüber schreiben schon viele, auch etwa Xenia Tchoumitcheva (Vize-Miss-Schweiz 2006 hinter Chri- sta Rigozzi – Anm. d. Red.). Ich nöchte mich davon abheben, thematisiere das nur wenig.

Sie selbst sind auf den Fotos in Ihrem Blog nicht immer zu sehen. Warum?
Ein Blog ist ein anderes Gefäss als Instagram oder Facebook. Darauf möchte ich das, was ich erlebe, nicht mich selbst in den Vordergrund stellen. Das ist meine Strategie. Mein Zielpublikum sind die 25- bis 35-Jährigen.

Wenn Sie zu sehen sind, tragen Sie auf jedem Foto ein anderes Kleid. Die stammen vermutlich nicht aus Ihrem Schrank.
Nein, die meisten werden mir zur Verfügung gestellt. Die jeweilige Marke gebe ich bei den Fotos an.

Als Sie für die Miss-Schweiz-Wahlen kandidierten, nannten Sie es als Ziel, sich selbständig zu machen. Das setzen Sie bereits zwei Jahre später in die Tat um...
Ja, das habe ich immer gewollt, es ist super!

Machen Sie auch klassische Werbung auf Plakaten oder in Zeitschriften?
Nein, ich bin ausschliesslich in den Sozialen Medien aktiv, mit schönen Reisen, die man machen, oder schönen Kleidern, die man kaufen kann.

Modeln Sie noch?
Nein. Ich möchte generell nichts mehr à la Miss-Schweiz-Wahlen machen, nicht mehr nur mich präsentieren. Ich bin jetzt eine richtige Frau, will durch meine Arbeit überzeugen.

Aber den Miss-Schweiz-Wahlen haben Sie Ihre Bekanntheit zu verdanken...
Für mich war das eine gute Plattform, um bekanntzuwerden, das war so etwa die Strategie (lacht).

Wie viele Follower haben Sie?
Ich habe 18 000 Follower auf Instagram, und meinen Blog lesen etwa 5000 Leute pro Monat.

Bekommen Sie Feedbacks?
In der Schweiz reagieren die Leser nicht gross auf Beiträge in den Sozialen Medien, sie sind eher Ghost-Reader. In anderen Ländern ist das ganz anders.

Sie sind in Moutier aufgewachsen und haben den «Mouxit» begrüsst. Sind Sie aus politischen Gründen von Magglingen nach Moutier gezügelt?
Nein, nein. Nach Moutier weggezogen bin ich aus persönlichen, privaten Gründen.

Warum sind Sie denn für den Kantonswechsel?
Alle meine Verwandten sind aus dem Jura. Und Bern ist weit weg. Beim Kanton Jura hat Moutier einen grösseren Stellenwert, da ist die Stadt ein regionales Zentrum. Der grösste Teil der Bevölkerung ist projurassisch.

Das Abstimmungsresultat war aber sehr knapp.
Ja, das hat mich total überrascht! In Moutier wohne ich übrigens nur vorübergehend. Im nächsten Jahr will ich nach Zürich ziehen. Ich miete aber nur ein Zimmer, denn ich bin ja meist unterwegs.

Info: Der Reiseblog ist zu finden unter www.morganeschaller.com

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Die erste Miss Schweiz wurde anno 1949 erkoren und war eine Bielerin
Für die Leser von «BT-Online» und «20 Minuten» war die damals in Magglingen lebende Morgane Schaller im Vorfeld der Miss-Schweiz-Wahlen 2015 die Favoritin. An den Wahlen selbst schied sie aber schnell aus.

Mehr Erfolg hatte die Bielerin Noëlle Jeannette Stern: Sie wurde 1949 zur ersten «Miss Swiss» gewählt, wie der Titel damals noch hiess. Im selben Jahr war die heute 81-Jährige, die in Ascona lebt, «Miss Bienne» und «Miss Braderie» geworden, wie sie kürzlich dem «Blick» verraten hat.

Beide Konkurrenzen existieren nicht mehr. Seit 2014 wird in Biel aber die «Miss Swiss Most Beautiful» gekürt. Da dürfen alle jungen Frauen, die in der Schweiz wohnhaft sind, mitmachen, ob sie dünn oder mollig, gross oder klein, schweizerischer oder ausländischer Nationalität sind.

Die Zukunft der Miss-Schweiz-Wahl steht auf wackligen Beinen: 2016 ist sie ausgefallen, 2017 wird es auch keine geben. 2018 will der Sender «3+» wieder eine durchführen, wie er Anfang August bekannt gab. 2013 hat SRF die Reihe fallen lassen. Sat.1 Schweiz übernahm, hielt aber nur 2014 und 2015 durch. Die letzte Wahl eines Mister Schweiz war gar 2012. bk

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