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Biel

Hier zeigen Mädchen, wie Fussball geht

Die Lehrerin Christine Walser möchte anlässlich der WM ihren Schülerinnen und Schülern beweisen, dass auch Mädchen Fussball spielen können. Dazu konnte sie fünf Nachwuchs-Spielerinnen gewinnen.

«Darf man einem Spieler vor die Beine rutschen?»: Die Fussballerinnen beantworten Fragen der Kleinen der Schule Wildermethmatte. copyright: Frank Nordmann
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Sarah Zurbuchen


Ein Bub sitzt am Rande der Turnhalle Rittermatte und schaut zu, während die anderen Knirpse hinter dem Ball herrennen. Er wisse schon alles über Fussball, liess er verlauten, er brauche kein Training mehr.
Andere spielen begeistert mit: Der Zweitklässler Aewte ist mit seinen neun Jahren bereits mit Leib und Seele Fussballer. Er ist bei den Junioren des FC Biel-Bienne. Auf die Frage, wie lange er denn schon Fussball spiele, sagt er: «Seit meiner Geburt.»


Kleines Fussballprojekt
Aewte und der Erstklässler Erdjan durften bei den Vorbereitungen des Projekts «Fussballtraining» mithelfen. Das Besondere: Dabei zeigen Mädchen der SKS Rittermatte – angehende Profispielerinnen – den Kindern, wie Fussballspielen geht. «Ich wollte den ausschliesslich aus Buben bestehenden Fussballgruppen auf unserem Pausenplatz eine neue Richtung geben», sagt die Lehrerin Christine Walser. Sie unterrichtet am Cycle élémentaire Wildermethmatte (siehe Infobox). Die WM zum Anlass nehmend, wolle sie die Mädchen mit weiblichen Vorbildern motivieren, auch beim Fussballspiel mitzumachen. «Und ich will den Buben zeigen, dass Frauen auch spitzenmässig Fussball spielen können.» Also hat Christine Walser den Lehrer Daniel Rincon von der SKS Rittermatte kontaktiert, der sofort Feuer und Flamme für die Idee war. Er fragte fünf Mädchen aus der Fussballklasse, ob sie mitmachen würden. Diese waren ebenso begeistert und stellten ein Programm für zwei Trainingsstunden im Abstand von zwei Wochen zusammen.

Jetzt ist Toreschiessen angesagt: Ein Mädchen steht im Goal, die anderen Kinder stehen in einer Reihe ein paar Meter davon entfernt. Die Torschützin hält einen Ball nach dem anderen. «Ich werde hier nie einen Ball reinlassen», sagt sie bestimmt. Und hält Wort. «Super Goalie!», rufen die SKS-Schülerinnen. Doch einen erwischt sie dann doch nicht. «Wo bleibt der Jubel?», ruft die angehende Profifussballerin Jenny Wyss den anderen zu. «Yeah!», schreien die Kinder.

Die meisten verlieren die Scheu vor dem Ball rasch, auch wenn der eine oder andere Schuss daneben geht oder die Beine noch zu wenig Kraft zum Kicken haben. Bei einem improvisierten kleinen Match rennt die ganze Meute hinter dem Ball her. Nur die Torhüter bleiben, wo sie hingehören, und ein scheues Mädchen bleibt in der Nähe ihres Goals wie angewurzelt stehen. Eine Verteidigerin? Als die Gruppe mit dem Ball auf sie zurennt und sie dem Ball ausweicht, wird rasch klar: Hier braucht jemand noch etwas Zeit, um sich in das Spiel einzubringen. Doch die Trainingsleiterinnen sind geduldig. Es gibt keine Kritik, nur Lob und Zuspruch.


Auch schon ausgegrenzt worden
Auch die Sportschülerinnen Jenny Wyss und Noemi Benz haben schon erfahren, wie es ist, von Jungs ausgegrenzt zu werden. «Komische Blicke oder die Tatsache, dass wir den Ball nicht zugespielt bekommen, das haben wir auch schon erlebt», sagt Jenny Wyss. Das dauere aber nur solange, bis sie ihr Können unter Beweis stellen würden. Die Sportlerinnen trainieren sieben Mal pro Woche und an den Wochenenden haben sie meistens noch Matchs. Das Projekt mit den Kleinen finden sie klasse: Noemi Benz: «Es macht Spass, sie haben gut mitgemacht.» Genau darum gehe es doch auch im Fussball: «Menschen zusammenbringen, im Team arbeiten, sich gegenseitig respektieren.»

Zum Schluss gibt es eine Fragerunde: «Wann gilt etwas als Foul?», «Was passiert bei einem Unfall?», «Darf man einem Spieler vor die Füsse rutschen?» Das Interesse ist gross.

Und Aewte ist beeindruckt. «Auch Frauen können Fussball spielen», lautet seine Erkenntnis. Er möchte sich künftig dafür einsetzen, dass auf dem Pausenplatz auch Mädchen mitspielen dürfen. Werden die Buben das akzeptieren und die Meitschi miteinbeziehen? Aewte überlegt: «Vielleicht ja, vielleicht nein.»

 

Cycle élémentaireund SKS
Im Cycle élémentaire wird klassenübergreifend gearbeitet. Der Unterricht für die Kindergartenkinder und diejenigen der zwei ersten Primarschuljahre findet dabei ganz oder teilweise gemeinsam statt. Der Cycle élémentaire ermöglicht es, den unterschiedlichen Lern- und Entwicklungsansprüchen der Schülerinnen und Schüler gerechter zu werden.

Das Sport-Kultur-Studium SKS Rittermatte integriert Sporttalente in den Regelunterricht und führt Sportklassen. Das Oberstufenzentrum sorgt mit einem flexiblen und koordinierten Schulangebot dafür, dass den Nachwuchsathletinnen genügend Freiräume für die sportliche Ausbildung zur Verfügung stehen. Zurzeit besuchen 33 Athletinnen und Athleten aus regionalen und nationalen Leistungszentren das 7. bis 9. Schuljahr an der Schule. sz

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