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„Krawattenzwang“

„Hier spricht der Bus-Chauffeur“

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: „Hier spricht der Bus-Chauffeur“.

Bernhard Rentsch: Krawattenzwang
  • Dossier

Persönliche Dinge zu verlieren oder zu vergessen ist ärgerlich. Umso schöner, wenn aufmerksame Mitmenschen die Finder sind und toll reagieren. So wie zuletzt ein (unbekannter) Buschauffeur, der einer jungen Frau mit viel Schalk aus einer unangenehmen Lage half.

Das Handy, unser Alles – blöd nur, wenn es auf dem Weg zu einer Verabredung nicht mehr auffindbar ist. Denn einerseits sind der Termin und der Treffpunkt gespeichert. Und wenn das Rendez-vous bereits vor längerer Zeit vereinbart wurde, ist die Erinnerung ohne Kalender oder eben ohne Handy ziemlich verblasst. Andererseits: Wie kann die Verabredung erreicht werden, wenn eben gerade das Mobiltelefon fehlt? Immer und überall erreichbar zu sein, ist ja grundsätzlich praktisch – aber eben: Das funktioniert nur mit besagtem Gerätli. Und sowieso: Wer kennt heute noch Nummern auswendig? Ein Anruf von einem andern Telefon aus war also auch kein Thema. Wie weiter in dieser Geschichte? Die junge Frau, bereits unterwegs, schob das Missgeschick vorerst auf die eigene Vergesslichkeit und kehrte nach Hause zurück. Die Gedanken an ein Verlieren unterwegs oder gar an einen Diebstahl waren noch weit weg. Das Handy muss irgendwo daheim liegen. Doch nein. Und jetzt? Die Kollegin in der WG half weiter: Ein Anruf und das genaue Hinhören, wo in der Wohnung der Klingelton ertönt. Aber oha: Am andern Ende meldete sich eine nette Männerstimme: «Hier ist der Bus-Chauffeur». Schreck, Überraschung und Freude zugleich. Das Handy war der jungen Frau während der Fahrt hin zum Rendez-vous aus der Tasche gefallen und wurde dem Chauffeur von einem andern Fahrgast überreicht. Der Unbekannte antwortete auf den Anruf mit Schalk und Humor – und die verkorkste Situation fand auf einfache Art ein Happyend. Die junge Frau erreichte den Bus bei einer der nächsten Haltestellen, nahm ihren Besitz dankend und lachend in Empfang und erreichte die Verabredung mit leichter Verspätung.

Höflichkeit den Mitmenschen gegenüber ist nicht nur in der Weihnachtszeit eine Tugend. Das gilt eben auch beim Finden von verlorenen Gegenständen. Das Portemonnaie zum Beispiel ist für viele nicht nur eine Geldbörse, sondern der Ort, wo Ausweise und diverse Kärtli aufbewahrt werden. Der Verlust ist also nicht nur ein finanzieller, sondern ein Ärgernis mit Sperren von (Bank)Karten und mit dem Neuerwerb – jedesmal mit Zeitaufwand und Gebühren verbunden.


brentsch@bielertagblatt.ch

Twitter: @BernhardRentsch

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