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„Krawattenzwang“

Gehen Sie wählen!

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Gehen Sie wählen!

Bernhard Rentsch: Krawattenzwang
  • Dossier

Aktuell gibt es für alle Wahlberechtigten in der ganzen Schweiz eine wunderbare Chance, mitzubestimmen, dass «die da oben in Bern nicht machen, was sie wollen»: Nehmen Sie an den Wahlen teil. Die Unterlagen haben Sie erhalten – zugegeben üppig mit Prospekten und mit Wahlempfehlungen ergänzt. Das kann und soll in Zukunft vermieden werden. Es sind nur noch die entscheidenden Unterlagen in Papierform zu verschicken, den Rest gibts elektronisch oder direkt von den Parteien. Die nostalgische Vorstellung, dass das ganze Werbematerial ausgebreitet und dann gewählt wird, ist dabei kein Argument für den Postversand des dicken Couverts mehr.

Seis drum, wir wurden bedient. Und wir werden zusätzlich mit viel Werbung, mit viel Präsenz und vielen Auftritten der Kandidierenden in der Öffentlichkeit sowie mit viel Medienarbeit berieselt. Am Stichtag 20. Oktober bestimmen wir, wer uns in den nächsten vier Jahren im nationalen Parlament vertritt. Auch wenn es nicht ganz einfach ist, man kann sich ohne grossen Aufwand für eine Partei oder für einzelne Kandidierende entscheiden. Sie können auch einen einzigen Namen auf die leere Liste schreiben, aber machen Sie mit!

Dass die Würfel in etwas mehr als einer Woche fallen, scheint allgemein bekannt. So erhaschte ich kürzlich bei einem Gespräch zwischen zwei mir ansonsten unbekannten Männern (einer um die 70, einer um die 60): «Wir dürfen gespannt sein, was da rauskommt.» Super, dachte ich, zwei interessierte Bürger. Und natürlich wurden die Ohren noch länger. Nicht überraschend die Themen, die am meisten beschäftigen: Finanzierung im Gesundheitswesen, persönliche Altersvorsorge, Klima und das Verhältnis der Schweiz zu Europa.

Es war kein Klagen, es war keine Kritik – es kamen aber auch keine konstruktiven Ideen oder Vorschläge. «Die da oben werden es schon richten», war eher die Bilanz. Welche aus welcher Partei, das war dann allerdings nicht klar. So, wie es in unserem Politsystem sein soll: Jede und jeder entscheidet für sich und nimmt teil am politischen Prozess in unserer direkten Demokratie.

Der Hammer kam erst zum Schluss. «Wählst Du?», so die Frage des Älteren. «Sicher nicht. Die Unterlagen gingen sofort ins Altpapier. Was soll ich mit so vielen Bildli? Die machen sowieso, was sie wollen.» – «Genau meine Meinung.» Zwei weniger. Schade.


brentsch@bielertagblatt.ch

Twitter: @BernhardRentsch

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