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Ostast

Expo inspiriert Bieler Verkehrspolitiker

Der Ostast wird in anderthalb Jahren in Betrieb genommen. Vom Brüggmoos her werden dann mehr Autos in Richtung Bielersee fahren – was auch die Velofahrer und Fussgänger betrifft. Nun kommt eine alte Idee wieder auf.

Heute warten Fussgänger an der Aarbergstrasse oft lange, bis die Ampel auf grün schaltet. Eine Brücke soll das Problem lösen. copyright: Patrick Weyeneth/bielertagblatt

von Jacqueline Lipp

2017 wird der Ostast der A5-Autobahnumfahrung eröffnet. Die Strassen in Richtung Solothurn werden dadurch voraussichtlich stark entlastet, da viele Autofahrer neu auf die Autobahn ausweichen können. Anders die Achse zwischen der Verzweigung Brüggmoos und dem rechten und dem linken Bielerseeufer. Bis der Westast offen ist – frühestens 2030 – wird dieser Abschnitt stärker befahren werden (siehe Zweittext).

Das bedeutet nicht nur für Autofahrer längere Wartezeiten, sondern auch für Velofahrer und Fussgänger, die in Richtung Nidau oder an den See wollen, glaubt der Bieler Stadtrat Dennis Briechle (GLP). «Wir werden in anderthalb Jahren eine Autobahn haben, die im Brüggmoos endet. Die Achse von dort bis zum Seefelskreisel wird bis zur Eröffnung des Westastes stärker befahren und deshalb noch stärker trennend wirken als heute schon.»

Er bringt deshalb eine alte Idee wieder auf den Tisch: eine Brücke zwischen Biel und Nidau. In einem Postulat fordert er, zusammen mit Stadträten von SP, Grüne und Passerelle, bis zur Eröffnung des Westastes eine Fussgänger- und Velo-Passerelle zu bauen. Diese soll auf der Höhe der Dr.Schneider-Strasse und Marcelin-Chipot-Strasse über die Aarbergstrasse führen.

Keine Expo-Nostalgie

Manche dürften sich erinnern: Eine solche Brücke gab es während der Expo.02. Es ist aber nicht Expo-Nostalgie, die Briechles Vorstoss veranlasste, sondern es sind «praktische Gründe». Könnten die Fussgänger über die Brücke, müssten sie nicht mehr vor der Ampel warten – so kämen auch die Autos besser vorwärts.

Unterstützung erhält Briechle nicht nur von linker Seite. Denn die Idee der «Expo-Brücke» ist keineswegs neu. Der Bieler Stadtrat Peter Moser (FDP) hat den Vorschlag bereits vor sieben Jahren gemacht. Der Gemeinderat argumentierte damals, eine solche Brücke zu bauen, sei aufgrund der Platzverhältnisse kaum möglich und wäre zudem teuer. Mosers Vorschlag wurde zwar zur Prüfung überwiesen – ist aber später in einer Schublade verschwunden.

Moser ist nach wie vor überzeugt, dass eine Brücke eine gute Lösung wäre – trotz der Einwände. «Alle Leute haben die Expo-Brücke im Kopf. Aber das ist eine falsche Vorstellung.» Eine Fussgänger-Brücke könne man deutlich schmaler gestalten. Anders als während der Landesausstellung müssten heute nicht tausende Menschen und keine Ambulanz oder Feuerwehr über die Brücke. Moser denkt aber nicht nur an Nidauer, die in Biel den Zug nehmen, sondern auch an Touristen, die an den See oder aufs Schiff wollen und manchmal in Gruppen auf dem schmalen Bereich beim Fussgängerstreifen warten. Zudem würden mit der Überbauung Agglolac noch mehr Menschen die Verbindung zum Bahnhof nutzen.

Kosten sind unklar

Welche Kosten Biel tragen könnte, lassen sowohl Moser als auch Briechle zurzeit noch offen. Angesichts der Milliarden, die in und um Biel in den Strassenverkehr investiert werden, ist es laut Briechle aber opportun, auch etwas für den Langsamverkehr zu machen. Da die Brücke 2002 von der Expo finanziert und gebaut wurde, sind der Stadt die damaligen Kosten nicht bekannt. Biels Baudirektorin Barbara Schwickert (Grüne) will zur Idee noch keine Stellung nehmen, da der Gemeinderat das Geschäft noch nicht behandelt hat.

 

Ampelsteuerung statt mehr Spuren

Der Ostast wird viele Strassen in Biel entlasten, an einigen Stellen bis zur Eröffnung des Westastes aber auch zu Mehrverkehr führen. «Vor allem die Bernstrasse als direkter Zubringer zur Autobahn wird im Vergleich zu heute stärker befahren sein», sagt Stefan Graf, Projektleiter Westast beim kantonalen Tiefbauamt. Auf der Aarberg- und Ländtestrasse rechnet Graf hingegen eher mit einer Entlastung, weil der Durchgangsverkehr vom Jura her Richtung Bern ab 2017 über den Ostast verläuft.

«Problematisch wird es höchstens bei zwei Knotenpunkten», sagt er. Eine modernere Ampelsteuerung soll das abfedern. Beim Guido-Müller-Platz sind die Ampeln bereits auf die Inbetriebnahme des Ostastes abgestimmt worden. Im Moment läuft ein Projekt, um auch jene bei der BTI-Kreuzung an der Keltenstrasse zu erneuern. Das neue System berechnet laufend, wie lange welche Ampel grün sein muss, um den aufgestauten Verkehr zu «entleeren», ohne die anderen Äste zu blockieren.

Zusätzliche Fahrspuren zu bauen, wäre gemäss Kanton weder zielführend noch verhältnismässig. «Morgens um 7 Uhr und zu anderen Spitzenzeiten muss man halt auf der Bernstrasse mit einer etwas längeren Fahrzeit rechnen, wenn der Ostast in Betrieb ist», sagt Graf. Ein Verkehrschaos werde es nicht geben. Die Situation an den heiklen Knotenpunkten wird laufend beobachtet. (jl)

 

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Kommentare

stockam

Jeder der die Situation an diesem neuralgischen Punkt kennt kann die Idee der Expo Brücke nur begrüssen. Das ist ein guter Vorschlag und sollte so rasch als möglich umgesetzt werden. Setzt man die Kosten die der rollende Verkehr verursacht ins Verhältniss zu dieser Fussgänger Brücke dann wäre das Geld dafür gut angelegt.


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