Sie sind hier

Kafipause

“Er ist ein flotter Typ” - nein danke

Im persönlichen Blog berichten Bernhard Rentsch und Parzival Meister, Mitglied der publizistischen Leitung, abwechslungsweise wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen und gesellschaftlichen Leben – immer mit einem Augenzwinkern. Heute: “Er ist ein flotter Typ” - nein danke.

Bernhard Rentsch
  • Dossier
Positiv und ermunternd starten und erst dann berechtigte Kritik anbringen – am besten in Kombination mit konkreten Verbesserungsvorschlägen. So oder ähnlich lauten die gut gemeinten Lehrsätze für konstruktives Kritisieren. Dass die Wortwahl dabei eine entscheidende Rolle spielt, ist klar.
 
Bei zu schwülstiger Ausdrucksweise entwickeln sich zuweilen allerdings fast spürbare Allergien. Ein «ganz netter Kerl» oder ein «flotter Typ» zu sein, ist kein Ziel. Synonyme wie lieb, liebenswürdig, angenehm, freundlich oder sympathisch treffen da schon eher ins Ziel. Das österreichische «fesch» für die gleichen Eigenschaften ist als Wort zwar witzig, wird hierzulande aber wohl kaum sinnvoll eingesetzt.
 
Flott sein umschreibt gemäss Wörterbuch die Eigenschaften schnell, flink und zügig – also alles durchaus positive Beschreibungen. Das möchte man zweifellos alles vereinen, ohne als «flott» bezeichnet zu werden. Das kommt halt schon zu stark als grossmütterliches Lob für den folgsamen Bub rüber. «Brav» reiht sich bei den «nein danke» ein. Auch so ein Ausdruck, den man eher zweideutig und unvorteilhaft interpretieren kann.
 
Die Wortwahl für das eingangs erwähnte konstruktive Kritisieren ist gar nicht so einfach. Zwischen «hervorragend» und «ungenügend» öffnet sich eine grosse Palette an Grauschattierungen. «Brauchbar» ist dabei ein Ausdruck, den man oft schwerlich einordnen kann. Denn positiv interpretiert ist eine brauchbare Arbeit in der Tat genügend. Der Ausdruck hat aber auch einen fahlen Nachgeschmack. Entsprechend wird «brauchbar» eher in der unteren Hälfte der Bewertungsskala verordet.
 
Im Laufe des Lebens oder der Karriere lernt man sein Gegenüber laufend besser verstehen. Da bekommt eine an sich undifferenzierte Wortwahl bisweilen eine ganz eindeutige Bedeutung. Da war zum Beispiel einmal ein Chef, der hat ihm präsentierte Konzepte regelmässig mit dem Prädikat «interessant» beurteilt. Als junger Mitarbeiter war man stolz auf eine solche Bewertung. Allerdings nur bis zum Augenblick, als erfahrenere Mitarbeitende im Detail erklärten, dass eine solche Beurteilung codiert nichts anderes als «zurück an den Anfang» bedeutet. Seither ist klar, dass ein ungenügend wesentlich blumiger umschrieben werden kann und so der Stachel der Enttäuschung wesentlich weniger tief sitzt – eine für Führungspersonen recht clevere Art, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trotz klarer Kritik bei Laune zu halten.
 

Nachrichten zu Biel »