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Biel

Eine Leuchtreklame sträubt sich

Zuerst hat der Buchstabe M gestreikt, dann verschwand der R unter mysteriösen Umständen, und jetzt bleibt gleich alles dunkel: Die rote Campari-Leuchtschrift am Zentralplatz will nicht mehr.

Immer was los beim «Campari» am Zentralplatz. copyright: zvg/Franziska wildhaber

Sarah Zurbuchen

 

«Ich nimme no en Campari Soda»

Die Davide Campari-Milano AG verdankt der Schweizer Band Taxi einen unvergänglichen Schweizer Werbeauftritt. Mit ihrem Song «Campari Soda» aus dem Jahr 1977, der später unter anderem auch von Span und Stephan Eicher interpretiert wurde, erhielt das rote Bittergetränk eine hymnen-ähnliche Reminiszenz.
Auch Biel steht ein bisschen für Campari. In den 50er- und 60er-Jahren stellte das italienische Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz von über einer Milliarde Euro an die 50 Leuchtreklamen auf. Nach der Jahrtausendwende verschwanden die meisten, acht Standorte blieben, darunter auch der Zentralplatz in Biel. Die Bielerinnen und Bieler sind denn auch stolz auf ihr «CAMPARI». Die Reklame sei «ein stilbildendes Element des Zentralplatzes», sagte etwa Florence Schmoll, die Leiterin der Stadtplanung, gegenüber dem «Journal du Jura».
Die Schrift ist zwar nicht geschützt, aber auch der Heimatzschutz sieht darin einen wichtigen Zeitzeugen.

«Wiit under mir liit’s Wolkemeer»

Erste Wolken zogen im März 2017 auf. Der Buchstabe M blieb nachts dunkel, wie das BT am 7.3.2017 schrieb. Aus Altersgründen sei die Reparatur komplex, liess die Medienstelle von Campari Schweiz damals verlauten. Trotzdem war man gewillt, die sieben Buchstaben bald wieder komplett aufleuchten zu lassen.
«De Ventilator summet liisli»

Als die stürmischen Winde des Tiefs «Zubin» im Dezember 2017 über das Seeland fegten, war der M längst repariert. Doch ein anderer Buchstabe fiel dem Wind zum Opfer: Der R wurde aus seiner Verankerung gerissen und musste aus Sicherheitsgründen von der Feuerwehr abmontiert werden.
Der Rest der Geschichte ist bekannt: Der Buchstabe wurde kurzzeitig in einem Treppenhaus gelagert, von wo er entwendet wurde. Campari liess den R durch einen neuen ersetzen und montierte diesen. Kurz vor Weihnachten tauchte das verloren geglaubte Original im Regenove-Brockenhaus in Tramelan wieder auf. Ein Spender hatte den Buchstaben bei der Räumung einer Wohnung gefunden und dem Brockenhaus überlassen. Das Stück befindet sich nun im Neuen Museum Biel.

«Es isch als gäb’s mich nüme meh»

So ist die Leuchtreklame nun wieder vollständig. Doch nachts ist trotzdem nichts davon zu sehen. Denn seit ein paar Wochen hat nun gleich der ganze Schriftzug den Geist aufgegeben. «Die Elektrik ist kaputt», informiert Silvio Kunz, Brand Manager von Campari Schweiz AG. Der Elektriker sei avisiert, doch könne es wegen der veralteten Technik eine Weile dauern.
Und wer nun denkt, dass um diese Leuchtschrift in letzter Zeit gar viel Aufhebens gemacht wurde, der könnte recht haben. Dann lehnen Sie sich doch einfach zurück, schauen aus dem Fenster und nehmen noch einen Campari Soda. 

 

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