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Biel

Eine leere Hülle bleibt zurück

Es ist das definitive Aus: Die Bieler Messe 2017 fällt ins Wasser, zudem wurde gestern die Messeleitung aufgelöst. Zwar bleibt die Messen Biel AG mit einem reduzierten Verwaltungsrat bestehen, alle Aktivitäten sind aber eingestellt.

Leiter Jürg Michel (rechts) konnte 2015 einen Mittelaltermarkt für die Bieler Messe gewinnen. 2016 fand dann nur noch der Mittelaltermarkt statt. jl/a
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Lino Schaeren

«Die Bieler Messe 2017 wird stattfinden – und es wird der Hammer, davon bin ich felsenfest überzeugt.» Das hat Jürg Michel, Leiter der Bieler Messe und Verwaltungsratspräsident der Messen Biel AG, im Mai des letzten Jahres gesagt. Damals musste er die Absage der Messe 2016 wegen zu wenig Ausstellern rechtfertigen. Nun: Die Messe im Bieler Strandbad findet auch 2017 nicht statt.

Wie bereits vor einem Jahr geht es mit der Absage darum, mit zu wenigen Ausstellern ein finanzielles Fiasko für die Messen Biel AG zu verhindern, die hinter der Gewerbeausstellung steht. Diesmal allerdings gehen weitere Entscheide mit der Absage einher: Die Aktionärsversammlung hat gestern die Auflösung der Messe-Geschäftsleitung rund um Michel beschlossen und die Aktivitäten der Aktiengesellschaft bis auf Weiteres auf Eis gelegt. Konkret heisst das, dass die Bieler Messe in ihrer bekannten Form gestorben ist. Was zurückbleibt, ist eine leere Hülle in Form eines Verwaltungsrates der über kein operatives Organ mehr verfügt.

 

Beschworenes Potenzial

Michel, der zwar nun nicht mehr Messeleiter, aber weiterhin Verwaltungsratspräsident ist, sagte gestern nach der Versammlung, dass die Massnahmen ergriffen worden seien, um die Aktiengesellschaft zu schützen. Weil sich die Messe nie wirklich zur Erfolgsveranstaltung hat aufschwingen können, gibt es auch keine Reserven. Es seien finanzielle Gründe, die zur Absage und zur Einstellung der VR-Aktivitäten geführt hätten, sagt denn auch Michel. «Die Organisation war nicht fehlerhaft.»

Michel hatte das Ruder 2008 übernommen und die Bieler Messe erstmals 2010 durchgeführt. Er hatte grosse Ziele: Der Lysser Michel wollte nach einer schwierigen Zeit für die Bieler Gewerbeausstellung auf Anhieb mindestens 250 Aussteller akquirieren und 70 000 Besucher anlocken. Vor seiner ersten Messe sagte er sogar, dass diese Veranstaltung das Potenzial für 500 Aussteller habe.

An dieser Aussage hält Michel noch heute fest. Nur hat die Messe unter seiner Leitung dieses beschworene Potenzial nicht annähernd ausschöpfen können. Die Bieler Messe «la foire» wollte Plattform sein für Unternehmer und Dienstleister. Allerdings hat diese Plattform unter dem Zielpublikum keinen grossen Anklang gefunden. Das beklagte Michel denn auch immer wieder: Das Bieler Gewerbe habe sich nie mit der Messe identifiziert, sagt er. Mehr noch, Michel behauptet, dass es in Biel mehr als eine graue Eminenz gebe, die schlecht über die Bieler Messe spreche und dieser so schaden würde.

Hört man sich in Biel um, wird hinter vorgehaltener Hand tatsächlich immer wieder erwähnt, dass die Messeleitung mit ein Problem dafür sei, dass die Bieler KMU nicht wie gewünscht mitziehen würden, um der Bieler Messe zum Erfolg zu verhelfen. Davon weiss auch Michel: «Mir wurde gesagt, dass viele Aussteller nicht kommen, weil ich an der Spitze stehe.» Nur kennt er die Absender nicht. Seine Reaktion: Michel liess im vergangenen Jahr den Kritikern ausrichten, dass er ihnen die Aktien und damit die tragende AG zum Verkauf anbiete. Im Sinne von: Wenn ihr es besser könnt, bitte sehr.

Aus dem Jahresbericht 2016 der Messen Biel AG geht hervor, dass Vize-Verwaltungsratspräsident Marc Dörflinger den Verkaufsvorschlag überbracht hat. Im Bericht steht auch, dass Dörflinger später mit der Mitteilung zurückkam, dass niemand ein Angebot machen wollte. Im Februar dieses Jahres hat der Verwaltungsrat dann gar die Liquidation der AG diskutiert. Eine solche wurde aber vorläufig als nicht sinnvoll betrachtet.

 

Rücktritt der KMU-Präsidentin

Zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr im Verwaltungsrat der Messen Biel AG dabei waren Bauunternehmer Roberto de Luca als Vertreter des Handels- und Industrievereins (HIV) und Miriam Stebler, Präsidentin der Bieler KMU. Sie traten im vergangenen Januar zurück. Die Aktionäre haben deshalb gestern eine Reduktion des Verwaltungsrates auf fünf Mitglieder beschlossen. Während de Luca angibt, in erster Linie aus zeitlichen Gründen demissioniert zu haben, macht Stebler keinen Hehl daraus, dass sie wegen unterschiedlicher Auffassungen nach nur einem halben Jahr im Verwaltungsrat den Hut genommen habe. «Obwohl eine Basis vorhanden ist: Das Messekonzept ist nicht mehr zeitgemäss», sagt sie.

Es hätte neue Impulse gebraucht, sagt Miriam Stebler. Deshalb habe sie nach ihrem VR-Eintritt die Initiative ergriffen und nach Sitzungen des Verwaltungsrates gefragt. «Wenn ich etwas mache, dann mit einer gesunden Portion Ehrgeiz.» Und Stebler sagt, sie habe Informationen gebraucht, um diese schnellstmöglichst an das lokale Gewerbe weitergeben zu können, um dieses zu einer Teilnahme an der Bieler Messe zu bewegen. «Informationen, hinter denen ich stehen kann.»

Geschehen ist aus der Sicht von Stebler: nichts. «Es kam zu wenig, ich konnte nicht hinter dieser Messe stehen, ich konnte mich nicht mit den Plänen identifizieren.» Stebler betont zwar, dass sie kein persönliches Problem habe mit einem Verwaltungsratsmitglied. Auch sagt sie, dass die Fähigkeiten bei den Verantwortlichen durchaus vorhanden seien, um eine gute Messe auf die Beine zu stellen. Aber die Motivation, etwas zu ändern, sei für sie nicht ausreichend gewesen.

Was Stebler versucht, diplomatisch auszudrücken, heisst im Grunde nichts anderes, als dass sie in dieser Zusammensetzung keine Zukunft für die Gewerbeausstellung mehr sah. Sie sagt, dass nahezu 90 Prozent der Bieler Gewerbler sagen würden, dass sie unter der bestehenden Führung bei der Bieler Messe nicht mehr mitmachen würden.

 

«Das ist eine Kreativpause»

Auch der abgetretene Roberto de Luca sagt, dass es ein neues Konzept für die Zukunft brauche. Eine Messe als Plattform müsse «sexy» sein und das sei sie heute nur noch mit einem entsprechenden Rahmenprogramm. Er glaube aber durchaus daran, dass etwas Neues Erfolg haben könne. Michel sei ein Macher, sagt er. Marc Zahnd, eines der verbleibenden fünf VR-Mitglieder der Messen Biel AG, sagt: «Das ist eine Kreativpause.» Auch Zahnd ist überzeugt, dass dies nicht der Untergang ist, sondern die Möglichkeit, über die Bücher zu gehen.

Und Präsident Michel betont, dass man den Aktionären in einem Jahr eine Lösung präsentieren werde. «Der Michel schmeisst den Bettel nicht hin», sagt er. Wie diese Lösung aussehen wird, lasse sich heute aber unmöglich sagen. Sie könnte auch die aufgeschobene Liquidation der AG sein. Michel jedenfalls sagt, er habe Ideen. Auch solche, die sich ohne die KMU, den HIV und die Stadt Biel realisieren lassen würden. Also ohne jene Partner, von denen er sich in den vergangenen Jahren immer wieder im Stich gelassen fühlte. Vorerst aber gilt Jürg Michels Aufmerksamkeit der kommenden Woche stattfindenden Lysspo. Die Lysser Handels-, Gewerbe- und Industrieausstellung leitet Jürg Michel seit Jahren mit grossem Erfolg.

Stichwörter: Bieler Messe, Aufhebung, Biel, Messe

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