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Schüss

Ein gezähmter Stadtfluss

Die Schüss prägt die Stadt Biel bis heute. Obwohl der Fluss während der Industrialisierung ein wichtiger Wirtschaftsfaktor war, bereitete er auch Probleme: Er trat regelmässig über die Ufer.

Das Schüss-Kraftwerk in der Taubenlochschlucht hat sich seit seinem Bau äusserlich nicht stark verändert. Bilder: memreg/Matthias Käser
  • Dossier

Sabine Kronenberg


Die Schüss in Biel entspringt im Jura, ganz hinten im St.Immer-Tal, oberhalb des Weilers Le Cerf. Sie folgt dem Tal bis zur Klus bei Frinvillier, wo die Schüss durch die Taubenlochschlucht nach Biel tost. Im St.Immer-Tal ist die Schüss stellenweise etwas wilder zu erleben. Bis heute gibt es Abschnitte, die daran erinnern, wie es dazu kam, dass dieser Fluss jahrzehntelang in Biel für Überschwemmungen sorgte: Die Schüss mäandrierte sehr stark und trat insbesondere bei Schneeschmelze regelmässig über die Ufer.


Massive Überschwemmungen
In den Ebenen des Tals, wo Siedlungsgebiet den Flusslauf nicht beengte, waren die grossen Wassermassen kein Problem. Der Fluss breitete sich einfach aus, wogegen in der Stadt die Wassermassen – zudem oftmals angereichert mit viel Geschiebe und Gestein – zeitweise für massive Überschwemmungen sorgten. Und das war schon in der Neuzeit für Biel eine Schwierigkeit: Viele Ablassgräben, Walken und zahlreiche Verbauungen für ökonomische Nutzungen wurden durch Überflutungen ausser Betrieb gesetzt oder durch Schwemmkegel verstopft. Aus diesem Grund verlegten die Bieler den Verlauf der Schüss 1546 in die Nidaumatten und nahmen Dammverbauungen vor.
Auch in der Zeit der Industrialisierung, in der die Schüss durch ihre mechanische Nutzung zunehmend ein bedeutender Wirtschaftsfaktor wurde, kam es immer wieder zu massiven Überschwemmungen, bisweilen schon nach starkem Niederschlag. Und da die Schüss zugleich Transportweg für Waren und Güter sowie Antrieb von Mühlen, Radwerken, Drahtzügen und Eisengiessereien war, kamen die Bielerinnen und Bieler zum Schluss, zusätzliche Massnahmen zu ergreifen.
1776 wurden die Walken beim Pasquart entfernt und massive Dämme entlang des Nordufers der Madretschschüss gebaut, um das  Weideland zu schützen. Dennoch kam es im Winter 1821/22 durch die Schneemelze erneut zu derartigen Überschwemmungen, dass die auf der Südseite der Stadt Biel liegende Ebene wochenlang unter Wasser stand. Die Idee für den Kanal kam auf, welcher auch heute noch das Stadtbild stark prägt. Ab 1825 wurde dieser Kanal errichtet und bis 1829 die Schleuse, die Schwelle nahe des Güterbahnhofs und die drei Arme mit Biel-Schüss, Madretsch-Schüss sowie der Schüsskanal fertiggestellt.
Bis heute teilt der Schüss-Kanal die Stadt in einen nordwestlichen und südöstlichen Teil auf. Die Ansichtskarten des Kanals von damals unterscheiden sich nicht von heutigen Flugaufnahmen. Jedoch werden in einzelnen Bereichen kleine und grössere Abschnitte renaturiert (wie die Metter Insel, in einem früheren Teil dieser Serie schon mal beschrieben), oder die Natur nimmt sich ihren Platz zurück wie am oberen Holunderweg.


Nur technisch verändert
Nach dem Kanalbau und dem Schleusenbau im 19. Jahrhundert baute man dann auch das kleine Kraftwerk in der Taubenlochschlucht. Dies geschah zunächst auf Initiative der Drahtwerke, welche den Strom benötigten, um ihre Produktion weiter zu modernisieren. Das Kraftwerk ist äusserlich weitgehend unverändert und hat sich lediglich technisch stark verändert. Heute produziert das Taubenloch-Kraftwerk Strom für den durchschnittlichen Bedarf von 5100 Haushalten.

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