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„Krawattenzwang“

Ein einfacher Satz, zwei Fehler – neiaberau

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Ein einfacher Satz, zwei Fehler – neiaberau.

Bernhard Rentsch: Krawattenzwang
  • Dossier

Ab 1972 hat mir Fräulein Gindrat an der Primarschule in Pieterlen das Lesen und das Schreiben beigebracht. Mit dem Schönschreiben war sie nicht immer ganz zufrieden, die Rechtschreibung klappte aber recht bald gut. Es gab noch keine Autokorrektur und es gab auch noch keine grosszügige Interpretation vom «richtigen» Schreiben. Das Diktat kam blau zurück oder dann eben rot.

Die Mühen mit der Rechtschreibung haben allgemein nachgelassen – leider, wie ich persönlich feststelle. Auch bei eigenen Texten. So ging vor Kurzem im privaten Bereich ein E-Mail raus, das in einem einfachen Satz sage und schreibe zwei grobe Sprachschnitzer beinhaltete. Ich finde das schwach und irgendwie auch eine Geringschätzung der Empfängerinnen und Empfänger. Den Eindruck, die Nachricht unter Zeitdruck hingejuflet und dann nicht nochmals durchgelesen zu haben, konnte ich nicht korrigieren.

Viele Programme helfen uns heute beim Schreiben mit PC oder Smartphone, die gröbsten Rechtschreibfehler zu vermeiden. Aber bei aller Technik: Das Hirn vor dem Senden kurz einzuschalten, hilft häufig. Es gibt Formulierungen, Sätze, Namen oder Wiederholungen, die beim besten Controlling durch das System rutschen. Ärgerlich, aber ja eigentlich nicht weiter schlimm, werden Sie jetzt sagen. Ein Detail. Ja, ausser der automatische Korrekturmodus erkennt ein Wort als völlig lätz und schiebt eine komische oder gar zweideutige Alternative ein. Merci, wenn Sie mir Ihre peinlichsten Beispiele mitteilen. Ich erstelle gerne eine persönliche Best-of-Liste.

Immer wieder werde ich auf strube Rechtschreibfehler im «Bieler Tagblatt» hingewiesen – seien dies Akkusativfehler, fehlende oder falsch geschriebene Worte oder unbekannte Namen. Ja, alles richtig, alles korrekt. Ich gebe zu, dass da wirklich der eine oder andere durchrutscht. Nicht, dass dies gut ist – dennoch die Bitte um Verständnis: Im Rahmen von Ressourcen-Abbau wird eher auf die jetzt klar fehlende Funktion von Korrektoren als auf Redaktorenstellen verzichtet. Ein Entscheid, den man diskutieren kann, zu dem ich aber stehe.

Nehmen wir uns also selber an der Nase. Das geschilderte Beispiel mit dem privaten E-Mail zeigt, wie schnell so etwas passieren kann. Vor dem Reklamieren prüfe man also, ob man selber perfekter ist. Und auf die Schnelle nur noch in Mundart zu schreiben, weil diese ja sowieso kaum Regeln kennt, zählt da auch nicht.


brentsch@bielertagblatt.ch

Twitter: @BernhardRentsch

Kommentare

EstherCH

Hmmm .... aber auch ein Redaktor sollte in der Lage sein, einen fehlerfreien Text zu schreiben, auch wenn ihm mal kein Korrektor im Nacken sitzt. ;-)


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