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Ehemaliger Schulleiter vor Gericht

Der frühere Co-Leiter der Schule Grentschel und ehemalige Lysser SP-Gemeinderat Martin Kuster muss sich am Freitag vor Gericht verantworten. Er hatte Ende 2006 Geld aus der Schulkasse veruntreut.

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bjg. Ein schweres Erschöpfungssyndrom (Burnout) zwang Martin Kuster Anfang 2007 zu Boden. Ihn, der als Vorsteher der Lysser Bauabteilung für die SP im Gemeinderat sass. Kuster, der immer gut gelaunte Hüne, der als harter Arbeiter, Strahlemann und potentieller Nachfolger für das Lysser Gemeindepräsidium galt. Martin Kuster war fast ganz oben, als er fiel. Und er fiel tief.<br><br>Ende 2006 kamen Ungereimtheiten in der Kasse der Schule Grentschel ans Tageslicht. Kuster, zu dieser Zeit Co-Schulleiter, geriet unter Verdacht. Nach einer Überprüfung sämtlicher Schulkonten, die die Schulkommission damals als Sofortmassnahme einleitete, brach Kuster zusammen.<br><br><span style="font-weight: bold;">An der Belastungsgrenze</span><br><br>Er zeigte sich selber bei der Polizei an und trat daraufhin als Gemeinderat zurück. Am nächsten Freitag, etwas mehr als zwei Jahre nach dem Ereignis, muss Kuster sich wegen seiner Vergehungen vor dem Einzelrichter im Amtshaus in Aarberg verantworten. Im Januar 2007 sagte Kuster: «So tief unten wie heute war ich noch nie in meinem Leben.»<br><br>Seit Jahren habe er als Lehrer, Schulleiter und Gemeinderat an vielen Fronten gekämpft. «Weil ich das alles so gerne gemacht habe, habe ich völlig versäumt, auf meinen Körper zu hören», sagte er damals gegenüber dem «Bieler Tagblatt». Er hätte viel früher merken sollen, dass er an seine Belastungsgrenzen gestossen sei, sagte Kuster weiter, «aber ich habe stattdessen weiter Vollgas gegeben».<br><br><span style="font-weight: bold;">Mit Vollgas weiter</span><br><br>Kuster hatte mit Vollgas weitergemacht, bis er «in dieser totalen Überforderung» Fehler begangen habe, die er auch nicht beschönigen wolle. Kuster zeigte damals Stärke, indem er bereit war, über den Vorfall zu reden: «Ich habe meine Kompetenzen überschritten, indem ich ohne Belege Gelder aus der Schulkasse genommen und andere wieder hineingetan habe.» Die Fehlbeträge hat Kuster gleich nach Beginn der Ermittlungen zurückbezahlt. Über die Gründe, die dazu führten, dass er die Gelder für sich abgezweigt hatte, wurde wild spekuliert. Bis heute hat Kuster dazu geschwiegen.<br><br>Der Vorfall wirbelte damals in Lyss viel Staub auf und war wochenlang Gesprächsthema Nummer eins. Die Gefühle der Politiker Kuster gegenüber waren gespalten.<br><br><span style="font-weight: bold;">«Es verträgt nichts»</span><br><br>Gemeindepräsident Hermann Moser sagte, einerseits sei Kuster ein guter Kollege. «Andererseits bin ich wütend. Uns Politikern schaut man doch genau auf die Finger. Da erträgts einfach nichts.» Der FDP-Gemeinderat Andreas Hegg über die Stimmung im Gemeinderat: «Die Vorkommnisse belasten uns alle.» Und Adrian Dennler, damals Mitglied des Grossen Gemeinderats für die FDP: «Mich dauert er sehr.» Kusters Fall zeige, wie sehr einen das Politisieren auf dieser Ebene verbrauche. «So etwas wirkt natürlich abschreckend.»<br><br><span style="font-weight: bold;">Konsequenzen gezogen</span><br><br>Nachdem Kuster einige Wochen krankgeschrieben war, kehrte er als Lehrer zu einem Halbtagspensum an die Schule Grentschel zurück. Doch die veränderte Situation und der Vertrauensverlust verursachten Spannungen im Kollegium.<br><br>Kuster zog die Konsequenzen und kündigte im November 2007 seine Stellung als Lehrer und Co-Schulleiter auf Ende des Schuljahres. Brigitte Hürzeler, Schulkommissionspräsidentin, sagte dazu: «Die Kündigung ermöglicht Martin Kuster einen unbelasteten Neuanfang.»<br><br><span style="font-weight: bold;">Schwere Zeit</span><br><br>Er stehe auch heute nach wie vor zu seinen Vergehungen, sagte Martin Kuster kürzlich dem BT. Er habe eine schwere Zeit durchgemacht, von der er sich langsam erhole. Er habe sehr viel daraus gelernt, auch über sich selber, habe erkannt, wo seine Grenzen liegen. Nach dem Prozess kann er endlich einen Schlussstrich ziehen.<br><br>

Stichwörter: Lyss

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