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„Krawattenzwang“

Die Kehrseite von "Fabienne"

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Die Kehrseite von Fabienne.

Krawattenzwang: Bernhard Rentsch
  • Dossier

Eine Erinnerung an Fabienne: Zu Gymerzeiten wurden die Schulunterlagen im „Schäftli“ im ersten Stock des Schulhauses am See verstaut. In jeder Pause war der kurze Spurt dorthin nötig, um die richtigen Unterlagen in der nächsten Lektion griffbereit zu haben. Neben unserer schulischen Homebase befanden sich die Klassenzimmer der ersten Klassen – die jüngsten Gymeler profitierten damals noch von fix zugeteilten Klassenzimmern und wanderten nicht von Fachzimmer zu Fachzimmer.

In den Pausen sass sie mit ihren Kolleginnen vor ihrem Klassenzimmer und schaute den in den (zu) kurzen Pausen hin- und herhetzenden Schulkollegen mit stets leicht schadenfreudigem Lächeln zu: Fabienne.

Dies die erste Erinnerung an eine Fabienne. Am Sonntag nun lernten wir Fabienne noch von einer ganz andern Seite kennen. Für Sonntagabend waren Sturmwinde angesagt. Und wie: Wie auf Knopfdruck starteten die sehr starken Böen und hinterliessen mit herunterstürzenden Ästen übersäte Strassen, herumfliegende Strassenschilder, umgestürzte Baustellenabgrenzungen und vieles mehr. Kurz und heftig – das war die aktuelle Fabienne.

Weshalb tragen solche Stürme aber überhaupt Namen? Um sie unterscheiden und zuordnen zu können, werden die Tief- und Hochdrucksysteme getauft. Zu Beginn bekamen die Tiefs einen Frauennamen, die Hochs einen männlichen Vornamen zugeteilt. Das System der Namensvergabe wurde später geschlechter-gerecht angepasst: In geraden Jahren tragen Tiefdruckgebiete weibliche und Hochdruckgebiete männliche Namen, in ungeraden Jahren ist es umgekehrt.

Also: Die Erinnerungen an die erste Fabienne sind positiv – diejenigen an die am Sonntag kennengelernte etwas weniger. Sie hinterliess in grossen Teilen der Region ziemliche Verwüstungen.

Es sind aber nicht nur mit negativen Erinnerungen behaftete Vornamen, die sich zu heftigen Stürmen aufbäumen können. Auch Ihr Name kann uns um die Ohren blasen: Die Sturmnamen sind käuflich, alle können Wetterpaten werden. Wunderbar, nicht?


brentsch@bielertagblatt.ch

Twitter: @BernhardRentsch

 

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