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Kommentar

Die Arbeit war nicht umsonst

Unsere Regionalressortleiterin gewinnt aus der Publilac-Initiative trotz dessen Ungültigkeit viel Positives.

copyright: julie lovens/bielertagblatt

Für das Initiativ-Komitee von Publilac ist es frustrierend: Mit einem Satz kann einleuchtend begründet werden, warum die Initiative ungültig ist. Einen bisherigen Zustand kann man nicht per Initiative erhalten, so sieht es das Gemeindegesetz des Kantons Bern vor. Das würde die nächste Instanz, das Verwaltungsgericht, kaum anders einschätzen. Ein Weiterzug ist unter diesen Voraussetzungen wenig erfolgsversprechend. Es scheint, als sei das Komitee im Vorfeld juristisch schlecht beraten worden. Dafür kann es nichts, das muss es so hinnehmen.

Für den Papierkorb war die Arbeit des Komitees von Publilac aber keineswegs. Per Unterschrift haben rund 3700 Bieler und Nidauer gezeigt, dass sie im Perimeter für die Überbauung Agglolac ein unverbautes Seeufer und Grünflächen erhalten wollen. Das ist ein starkes Zeichen und dürfte auch den Jury-Entscheid für «Citélac» beeinflusst haben. Das Siegerprojekt sieht eine Freifläche hinter dem Strandbad vor. Zwar ist diese nur halb so gross wie jene, die Publilac fordert, doch der Wille, das Seeufer für alle zugänglich zu erhalten und nicht mit Wohnbunkern zuzubetonieren, ist da. Das hat vor dem Entscheid des Regierungsstatthalters auch der Publilac-Komitee-Präsident, Max Wiher, zur Kenntnis genommen. Die Verantwortlichen von Publilac wissen, dass es für sie auch hätte schlimmer kommen können.

Bis «Citélac» spruchreif ist, dauert es noch Jahre. Wegen den archäologischen Funden im Untergrund ist nicht abschliessend geklärt, wo überhaupt was und wie hoch gebaut werden darf. Die Resultate aus den laufenden Untersuchungen könnten das Projekt beeinflussen. Zudem wird ab Mitte Jahr eine Mitwirkung durchgeführt. Hier dürfte die Beteiligung hoch sein, denn neben den Publilac-Initianten haben auch andere Parteien ihre Anliegen: So wollen die Grünen weniger Parkplätze, als die Modelle bisher zeigen, und die Wohnbaugenossenschaften setzen sich dafür ein, dass ein Teil der Fläche für Genossenschaftswohnungen vorgesehen wird. Realistisch ist auch, dass die Befürworter des verdichteten Bauens eher noch weniger Wiesenfläche unbebaut lassen wollen, denn es besteht eine klare Tendenz zum «Bauen nach innen». Ein grosses Areal an attraktiver Lage und mitten im Siedlungsgebiet liegend, freizuhalten, widerspricht diesem Trend klar.

Vor allem aber schuldet das Publilac-Komitee nach dem Scheitern der Initiative seinen Unterstützern, dass es im Rahmen der Mitwirkung deren Anliegen nach mehr Grünflächen unbeirrt weiter vertritt und bekräftigt.

Auch die Städte Biel und Nidau sowie der Investor Mobimo sind in der Pflicht. Sie dürfen nicht vergessen, dass viele hinter Publilac gestanden sind – und zwar Stimmbürger, die am Schluss über das Projekt «Citélac» an der Urne entscheiden werden. Kommt man ihnen zu wenig entgegen, könnte sich das bei der Abstimmung rächen. Es wäre daher sicher am effizientesten, wenn nach der Mitwirkung schnell eine mehrheitsfähige Lösung gefunden wird.

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