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Sozialhilfe

Die Anstrengungen in Biel tragen Früchte

Die Sozialhilfe-Zahlen 2017 sind auf nationaler Ebene analysiert. Im Vergleich steht Biel punkto Entwicklung der Zahlen etwas besser da als der Schnitt der Kennzahlen-Städte. Biel hat eine aufwändige und umfassende Reorganisation der Abteilung Soziales eingeleitet und betreibt zusehends Innovation im Sozialbereich.

Symbolbild: Keystone
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Hat sich die Situation in Biel verbessert? Die Arbeitslosenquote ist gesunken, es gibt wieder mehr Arbeitsstellen in der Region, was für die Vermeidung von Sozialhilfebezug hilfreich ist. Bei genauerem Hinsehen zeigt es sich jedoch, dass die strukturellen Herausforderungen* nach wie vor gross bleiben. Diese sind grösser als in den meisten Städten der Schweiz. Trotzdem konnte Biel seine Sozialhilfequote um 0.3 Punkte senken, während sie in anderen Städten im Schnitt um 0.4 Punkte gestiegen ist. Dies bedeutet eine um 2.5 Prozent tiefere Quote von 11.5 Prozent. Die Fallzahlen sanken in Biel um 1.06 Prozent, während sie in den anderen Städten im Schnitt um 1.6 Prozent gestiegen sind, heisst es in der Medienmitteilung.


Aussteuerungsquoten nahmen weiter zu
Die im Jahr 2017 rückläufigen Arbeitslosenzahlen reichen als Begründung für die tieferen Quoten nicht aus, denn effektiv nahm auch im Jahr 2017 die Aussteuerungsquoten weiter zu (kontinuierlicher Anstieg seit 2012). Zusammen mit Lausanne belegt diesbezüglich die Stadt Biel gar den Spitzenplatz. Hilfreich ist trotz allem, dass sich die wirtschaftliche Ausgangslage verbessert hat, was allerdings für die ganze Schweiz gilt.


Ziel ist es, die Sozialhilfequote zu senken
Kommt dazu, dass im Rahmen der «sozialpolitischen Perspektiven 2020» sowie der sogenannten Ecoplan-Massnahmen der Kanton Bern und die Stadt Biel eine breite Palette an Massnahmen ergriffen haben mit der klaren Zielsetzung, die Sozialhilfequote zu senken. Diese Massnahmen beginnen ihre Wirkung zu zeigen. So wird in Biel seit Jahren eine nachhaltige frühe Förderung betrieben und die kantonalen Massnahmen rund um das Case Management Berufsbildung oder die Stipendiengesetzgebung werden auch durch die Sozialhilfe immer konsequenter genutzt.


Umsichtige Stadtplanung und Entwicklungsprojekte
Hinzu kommen eine umsichtige Stadtplanung und Entwicklungsprojekte, welche die bessere Durchmischung der Bevölkerung zum Ziel haben. Die Direktion Soziales und Sicherheit hat 2016 zudem die Ziele der Reorganisation der Abteilung Soziales dargelegt. Für deren Umsetzung wurden zusätzliche Stellen bewilligt. Die Zahlen 2017 stehen dafür, dass die vielen ineinandergreifenden Massnahmen rund um die Reorganisation beginnen, ihre Wirkung zu entfalten: Die Arbeitsintegration wurde ausgebaut, die zusätzlichen Personalressourcen entlasten in der Fallarbeit von administrativen Aufgaben, auch die Mietfachstelle, das Interne Revisorat oder die Sozial- und Krankenversicherungs-Spezialeinheiten entlasten die fallführenden Sozialarbeitenden und lassen diesen mehr Zeit, um intensiver mit den Sozialhilfebeziehenden zu arbeiten, heisst es weiter.


Sozialhilfe wirkt positiv: zum Beispiel bei den jungen Erwachsenen
Das Schwerpunkt-Kapitel im diesjährigen Kennzahlenbericht widmet sich den 18-25jährigen. Der Anteil an dieser Gruppe im Vergleich zu den anderen Altersgruppen in der Sozialhilfe ist in Biel kleiner als in anderen Städten. Dies verwundert, denn Biel weist gleichzeitig mit 33 Prozent den höchsten Kinderanteil aus. Der Kennzahlenbericht hat erstmals untersucht, wie sich die Sozialhilfeabhängigkeit bei den jungen Erwachsenen verändert, indem konkrete Fälle nachverfolgt wurden. Folgende Zahlen haben sich daraus ergeben:

Liegt mit 15 Jahren die Sozialhilfequote noch bei 10.2 Prozent, sinkt sie bis 25 auf 4.9 Prozent. Nimmt man als Basis die jungen Erwachsenen, die 2010 Sozialhilfe bezogen haben (100%), sind es 2011 nur noch 56 Prozent (CH) oder 60 Prozent (Ausländer), die noch oder wieder Sozialhilfe beziehen. Dieser Anteil sinkt bis 2016 auf 23 prozent (CH) oder 24 Prozent (Ausländer). Von diesen 24 Prozent haben nur gerade ein Drittel durchgängig Sozialhilfe bezogen. Die Lebenssituation von Sozialhilfebeziehenden unterscheidet sich zwischen 18 und 25 massiv: Sind die 18-jährigen zu 47 Prozent in Ausbildung und 12 Prozent alleinlebend, sind mit 25 Jahren nur noch 8 Prozent in Ausbildung und 32 Prozent alleinlebend. 1 Prozent der 18-jährigen haben eigene Kinder, mit 25 Jahren sind es 24 Prozent. 5 Prozent der 18-jährigen sind arbeitsunfähig, mit 25 Jahren sind es 13 Prozent. So lassen sich langjährig sozialhilfeabhängige junge Erwachsene von den Zahlen her recht aufschlussreich erklären (Alleinerziehende, Kranke, spätere Ausbildung).

Was nachgewiesen wird, ist wichtig: Denn es zeigt, dass es für die grosse Mehrzahl von sozialhilfeabhängigen jungen Erwachsenen möglich ist, dank der Stabilität in der Sozialhilfe eine Ausbildung zu absolvieren und sich von der Sozialhilfe ganz zu lösen. Die Sozialhilfe wirkt positiv und erreicht die in sie gesetzten Ziele bei dieser Zielgruppe, heisst es in der Pressemitteilung. mt


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*Erläuterungen zu den Gründen für die nach wie vor hohen Sozialhilfequoten in Biel:

- Biel ist von den Vergleichsstädten im Kennzahlenbericht jene, die den höchsten Industrie-Anteil aufweist.

- Zudem verfügt Biel im Vergleich mit den anderen ausgewerteten Städten nach wie vor über einen sehr günstigen Wohnungsmarkt, was Menschen in prekären Situationen anzieht. Verlieren diese den Job, landen sie allzu oft in der Sozialhilfe.

- Auch der Anteil an Niedrigqualifizierten ist in Biel überdurchschnittlich hoch. Diese Menschen sind länger arbeitslos und so auf Sozialhilfe angewiesen. Automatisation und Digitalisierung heizen diesen Prozess noch an.

- Biel hat von den Vergleichsstädten den höchsten Zuwachs im Ausländeranteil und kommt heute auf einen Anteil von 33.2 Prozent.

- Auch bei den Anerkannten Flüchtlingen hat Biel den grössten Zuwachs seit 2013. In Biel kommt diese Gruppe 2017 auf 2.3 Prozent, während in den anderen Städten nur auf 0.9 Prozent der Gesamtbevölkerung. Oft verfügen Flüchtlinge nicht über anerkannte Bildungsabschlüsse oder es mangelt an Sprachkenntnissen.

- Biel hat in Bezug auf die Kennzahlenstädte den höchsten Kinderanteil: 33 Prozent der Sozialhilfebeziehenden sind unter 18-jährig – das entspricht einer Sozialhilfequote von 21.9 Prozent.

- Biel hat aufgrund der tiefen Steuerkraft kaum Mittel zur Verfügung, um zusätzliche Integrationsprojekte zu finanzieren, was andere Städte tun, heisst es weiter. mt

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