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Kolumne

Der Fragebogen

Alle dürfen ihre Meinung sagen. Zum Projekt Agglolac diesmal, denn es ist Mitwirkungszeit. Damit das etwas einfacher geht, gibt es als Eselsbrücke einen Fragebogen. Da weiss der Stadtwanderer, auf welche Fragen er antworten darf oder soll. Achtung, fertig, los!

Benedikt Loderer. Bild: Adrian Streun

Alle dürfen ihre Meinung sagen. Zum Projekt Agglolac diesmal, denn es ist Mitwirkungszeit. Damit das etwas einfacher geht, gibt es als Eselsbrücke einen Fragebogen. Da weiss der Stadtwanderer, auf welche Fragen er antworten darf oder soll. Achtung, fertig, los!

Was ist ihre Meinung zu den präsentierten Lösungsvorschlägen?

Da kann ich von überhaupt nicht bis voll und ganz zustimmen, Zutreffendes ankreuzen. Gut, für die Überbauung des Expo-Geländes bin ich und für die Konzentration der Baumassen sowieso, denn nur so bleibt das Ufer frei und nur so gewinnen Nidau, Biel und Mobimo die Volksabstimmung. Gegen ein Hochhaus habe ich auch nichts und autofreie Aussenräume befürworte ich auch. Also achtmal ein Kreuzlein bei stimme eher zu.

Wo setzen Sie die grössere Priorität?

Ja, ist mir eine parkartige Gestaltung lieber oder ein reiches Angebot an Freizeitnutzungen? Oder will ich gleich beides? Ich will keines von beiden, ich will Stadt. Mit Zähneknirschen erinnere ich mich an Kleinvenedig, als offiziell noch galt: Wir bauen Stadt, nicht Agglomeration. Kein Kreuz für Frage zwei.

Was ist für Sie besonders wichtig an einem Hochhaus?

Dass es hoch genug ist und nicht banal. Ich setzte mein Kreuz im Feld Gestaltung/Architektur. Auch das Feld Mietwohnungen kriegt eins. Dann hat’s noch Platz für eigene Vorschläge, da schreibe ich: Wenn ihr einen Turm baut, dann denkt an die Säule. Macht eine Basis, einen Schaft und ein Kapitäl. Anders herum, ich will weder einen Kühlschrank noch einen Radiator.

Welchen Umgang mit den öffentlichen Parkplätzen bevorzugen Sie?

Ja, will ich weniger, gleichviel oder mehr öffentliche? Da stutze ich. Offensichtlich ist der Parkplatz die Seele des Projekts. Nicht etwa der Städtebau oder der Wohnungsbau, nein es geht im Kern um den öffentlichen Parkplatz. Da muss ich dem Fragebogen noch ein Feld anfügen: Gar keine öffentlichen Parkplätze.

Wo setzen Sie persönlich die Priorität bei den verschiedenen Verkehrsträgern?

Zur Auswahl stehen: öffentlicher, Auto, Fahrrad, zu Fuss. Ich darf von gering bis sehr hoch wählen. Da setzte ich ein kräftiges Kreuz im Feld sehr hoch auf der Linie zu Fuss und lasse die anderen leer. Dem sagt man aktiver Fatalismus. Denn es wird viele Leute geben, die auf dem Fragebogen dick den öffentlichen Verkehr ankreuzen und später mit dem Auto im Quartier herumkurven wollen.

Welche Angebote würden Sie am verlängerten Barkenhafen nutzen?

Alli dänk! Allerdings je nach Wetter, Jahreszeit und Laune. Wer glaubt, man könne sich das Angebot herbeiwünschen, hat die Marktwirtschaft nicht kapiert. Man müsste eher fragen: Welches Angebot kann am Barkenhafen überleben? Aber vermutlich ist die Frage ja auch so gemeint.

Welche Vorbehalte haben Sie gegenüber einer Überbauung des Expo.02-Areals?

Die Gretchenfrage kommt erst am Schluss. Ich habe oder habe nicht, kann ich ankreuzen. Es ist wie das Ja oder Nein bei der Volksabstimmung. Etwas dazwischen gibt es nicht. Ich habe Ja gestimmt.
Dann waren da noch freie Linien, und in die habe ich noch hinein geschrieben: Bitte keine Bauausstellung, wo die Architekten «Schnäbizeigen» dürfen. Macht eine verbindliche Materialvorschrift für die Fassaden, Sichtbackstein oder horizontale Stülpschalung zum Beispiel. Damit wird das schon auf dem Plan heterogene Quartier zu einer verwandtschaftlichen Einheit. Baumusterzentralen gibt’s schon genug.
Info: Benedikt Loderer ist Journalist, Architekt und Stadtwanderer.

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