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„Krawattenzwang“

Das Treffen mit der Zukunft

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Das Treffen mit der Zukunft.

Bernhard Rentsch: Krawattenzwang
  • Dossier

Wann beginnt die Zukunft? Jetzt sofort? Morgen? In zehn Jahren? In 50 Jahren? In 1000 Jahren? Eine eindeutige Antwort bleibt offen, für jede und jeden ist das eine Frage der Situation, der Perspektive und der persönlichen Haltung.

Kinder leben noch vielmehr im Hier und Jetzt, die Frage nach der Zukunft stellt sich nicht. Mit 11 oder 12 Jahren werden sie aber gezwungen: Auf dem Programm steht der Zukunftstag – gezwungenermassen sind Gedanken und Planungen notwendig. Ein Tag lang muss in die (berufliche) Zukunft geblickt werden. Träume und Realitäten werden konfrontiert. Und manchmal tut sich vielleicht auch ein Türchen auf.

Und da kommen wir Erwachsenen ins Spiel. Wir sollen und können dem Nachwuchs Perspektiven aufzeigen. Seit einigen Jahren organisieren auch wir bei der Bieler Mediengruppe am Zukunftstag ein Programm für interessierte Kinder. Um am Puls der Nachwuchsjournalisten zu sein und um deren wertvolle Inputs aufnehmen zu können, ist die Organisation und Durchführung bei uns Chefsache.

Letzte Woche war es also wieder einmal soweit – auch hier: Man merkt, wie schnell ein Jahr vorübergeht... Mit 14 interessierten, aufgeweckten und sehr lebendigen Radio- und Zeitungsleuten haben wir ein eng getaktetes Tagesprogramm bestritten. Der Höhepunkt: Ein Besuch im Training des EHC Biel mit der Möglichkeit, mit vier Spielern individuelle Interviews zu führen. Alles hat geklappt, und nach der für Journalisten schon fast obligaten Wartezeit, weil der Coach die Einheiten nicht auf die Präsenz von Medienleuten, sondern auf sein eigenes Programm terminiert, war es wie im «richtigen» Leben: Ein Puff und Hektik auf engstem Raum. Aber alle kamen zu ihren Stimmen und Statements – allen hat es Spass gemacht. Und die Umsetzung danach war sehr lehrreich.

Die Kinder haben die Anforderungen an Druck und Stress scheinbar problemlos bewältigt. Es ist eine Generation, die gelernt hat, rasch und unkompliziert zu entscheiden, was in unserem Beruf gefragt ist. Kunststück: Bereits Elfjährige jonglieren gemäss eigenen Aussagen mit täglich bis zu 1000 Meldungen auf dem Smartphone. Die Produktionstechniken (Ton, Video) erlernen sie damit quasi nebenbei und sind bestens gerüstet. Einmal mehr ein spannendes Treffen mit der Zukunft. Wenn das ein Zeichen sein soll, deuten wir es gerne: Medien leben noch lange.


brentsch@bielertagblatt.ch

Twitter: @BernhardRentsch

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