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„Krawattenzwang“

In das Tirol – aua, das ist eine sprachliche Sünde

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: In das Tirol – aua, das ist eine sprachliche Sünde.

Bernhard Rentsch: Krawattenzwang
  • Dossier

Waren Sie schon mal in dem Tirol, sind Sie schon mal in das Tirol gefahren? Aua – hinter diesen Fragen steckt ein grober Fehler, fast einer Sünde gleich. Im Rahmen einer Diskussion im Privaten habe ich nämlich gelernt, dass man das Bundesland im Westen Österreichs zwingend immer sprachlich korrekt zu nennen oder zu schreiben hat. Also: Waren Sie schon mal im Tirol, sind Sie schon mal ins Tirol gefahren? Eigentlich klar und auch nicht falsch, ich reise auch nicht nach das «Holland». Aber dezidiert hat mich noch niemand darauf hingewiesen. Die deutlichen Reaktionen einer Bekannten, wenn bei mir – zugegeben etwas provokativ immer falsch betont – die Aussprache nicht korrekt war, sind deshalb bemerkenswert.

Das Tirol kennen viele von uns als Feriendestination, insbesondere für Wintersport. Die Hauptstadt Innsbruck ist ein Begriff, der Blick auf die Karte zeigt die Nähe zur Schweiz. Bereits der Dialekt, der nahe am Schweizerdeutsch ist, deutet darauf hin. Bekannt ist das Tirol auch, weil die Region nicht nur zu Österreich, sondern Teile davon zu Italien gehören. Da sind wir doch immer wieder erstaunt, wenn zum Beispiel im Skisport Interviews mit italienischen Athletinnen und Athleten quasi in Schweizerdeutsch geführt werden. Wahrscheinlich darf man da nicht sagen, das sei österreichisch. Es wird wohl tirolisch sein – oder ist auch das falsch?

Die erwähnte Bekannte ist stolze Österreicherin, lebt aber seit vielen Jahren in der Schweiz. Es schlagen längst zwei Heimat-Herzen in ihrer Brust. Die Herkunft wird aber weder sprachlich noch vom kulturellen Hintergrund her verleugnet. Sie erzählt gerne von zu Hause, von einer Kindheit und Jugend, die unweit von uns halt doch den einen oder andern Unterschied aufzeigt. Das find ich spannend. Diese Heimatverbundenheit lässt jeweils auch das Umfeld gerne zuhören, lässt einen in frühere Zeiten zurückversetzen oder macht Lust zu einem Ausflug ins benachbarte Ausland. Ich erfahre, wie es einst in einem Tiroler Wirtshaus zu- und herging, welche Weine und Schnäpse konsumiert wurden oder welche Schützenvereine angesagt waren.

So viel zu Heimatliebe. Gleichzeitig die Feststellung, dass sich auch ennet den Grenzen lustvoll und heimatverbunden leben lässt. In der Fremde und doch zu Hause. Das geht vielen so – helfen wir alle mit. Sei es im Tirol oder im Seeland – übrigens beides sprachlich gleich behandelt.


brentsch@bielertagblatt.ch

Twitter: @BernhardRentsch

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