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Nidau

Das Leben der Pfahlbauer ans Licht bringen

Die archäologischen Arbeiten im Rahmen von Agglolac wären die grössten Ausgrabungen, die je im Kanton Bern getätigt wurden. Gestern haben die beteiligten Parteien eine Archäologie-Vereinbarung unterzeichnet.

Jürg Mosimann, Erich Fehr, Sandra Hess und Hans-Ulrich Glarner (von links) im Agglolac-Büro am Barkenhafen. Stefan Leimer
  • Dossier

von Carmen Stalder

Der Himmel ist knallblau, man hört Vögel zwitschern und Kinder im Wasser plantschen. Auf einem Platz findet gerade ein Public Viewing statt, Fans feuern die Schweizer Fussballmannschaft an. Sportler joggen durch den Wald, in einem Lokal geniessen Menschen ein Glas Wein. Doch das alles ist nicht real: Mit einer Virtual Reality-Brille ist es möglich, bereits heute durch Agglolac zu spazieren – obwohl das neue Quartier gemäss Planung erst ab zirka 2026 in Betrieb gehen soll (siehe Infobox).

Die Projektgesellschaft Agglolac hat gestern zu einer Medienkonferenz eingeladen. Auf der Agenda stand nicht nur die virtuelle Begehung der Nidauer Seezone, sondern auch ein Geschäft, das Nidaus Stadtpräsidentin Sandra Hess (FDP) als Meilenstein bezeichnet: Die Unterzeichnung einer Archäologie-Vereinbarung.

Im Boden, auf dem die Grossüberbauung Agglolac geplant ist, ruhen Fundstücke aus der Zeit der Pfahlbauer. Mit archäologischen Grabungen sollen diese konserviert werden. Nidau und Biel werden sich mit 12,5 Millionen Franken an den Kosten beteiligen, gleichviel steuert der Kanton bei. Zusammen mit dem voraussichtlichen Beitrag des Bundes von 3 Millionen Franken stehen dem kantonalen archäologischen Dienst 28 Millionen Franken für die Grabungen zur Verfügung (das BT berichtete).


«Boden ist das beste Archiv»

Gestern haben nun die am Projekt beteiligten Parteien, der Kanton Bern, die Städte Biel und Nidau sowie der Investor Mobimo, eine Vereinbarung unterzeichnet, die alle Fragen rund um die archäologischen Ausgrabungen regelt. Darin ist bis ins Detail festgehalten, wo und wie die Grabungen stattfinden sollen. «Es heisst darin etwa, wie viele Pfähle wir versenken und wie schwer die Gebäude sein dürfen», erklärt Jürg Mosimann von Mobimo.

Gegraben wird allerdings nicht im ganzen Agglolac-Gebiet. «Der Boden ist das beste Archiv», sagt Hans-Ulrich Glarner, Leiter des Amtes für Kultur des Kantons Bern. Es gehe deshalb darum, möglichst viele Relikte im Boden zu belassen und nur jene Schichten zu untersuchen, die durch die spätere Bautätigkeit beschädigt oder zerstört werden könnten.

Bei Regine Stapfer, Leiterin Prähistorische und Unterwasserarchäologie an der Uni Bern, ist die Vorfreude auf die Grabungen gross. Ein Riesending werde das, «die grössten Ausgrabungen, die es im Kanton je gegeben hat». Die Relikte im besagten Gebiet seien durch den Luftverschluss hervorragend erhalten, das hätten die über 60 Sondierungen der letzten Jahre gezeigt. Die ältesten Spuren stammen aus der Zeit von 4300 vor Christus. «Das ist sehr selten», sagt Stapfer, die insbesondere auf alte Keramikscherben hofft.

Um die Dimension des Projekts zu unterstreichen, erwähnt Glarner die Ausgrabungen beim Campus der Berner Fachhochschule, die Anfang Mai gestartet sind. Diese kosten vier Millionen Franken – also nur ein Bruchteil des Betrages, der für Agglolac veranschlagt ist.


Verkauf oder Baurecht?

Für Biel und Nidau bedeutet die Vereinbarung in erster Linie Planungssicherheit. «In der Volksabstimmung über den Agglolac-Infrastrukturkredit werden wir garantieren können, dass unsere Kosten an die archäologischen Ausgrabungen 12,5 Millionen Franken nicht überschreiten werden», sagt Hess.

Derzeit arbeitet die Projektgesellschaft eine alternative Variante zum aktuellen Finanzierungsmodell auf der Basis eines Landverkaufs aus. Dies, weil Vertreter verschiedener Parteien gefordert hatten, dass die Städte ihr Land nicht verkaufen, sondern im Baurecht abgeben sollen. «Wir werden noch in diesem Herbst eine realisierbare Variante präsentieren», verspricht Biels Stadtpräsident Erich Fehr (SP).

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Zeitplan Agglolac
- Sommer 2018: Vorprüfung durch den Kanton Bern
- Ende 2018: Öffentliche Auflage
- Ende 2019: Abstimmungen in Biel und Nidau
- Ab 2020: Architekturwettbewerbe Baufelder, Vorprojekt/Baueingabeprojekt, Baugesuch, Baubewilligungsverfahren
- Ab ca. 2022: Realisation
- Ab ca. 2026: Nutzung/Betrieb

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