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Mafia-Prozess

Bordelle in der Region Biel?

Ein 61-jähriger Italiener mit Wohnsitz im Kanton Bern stand gestern wegen mutmasslicher Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona.

Symbolbild: Keystone
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Der Mann soll in der Schweiz Waffen für die kalabresische Mafia ‘Ndrangheta gekauft haben. Die Anklage wirft ihm zudem weitere Straftaten vor.

Der verheiratete Familienvater, geboren in Kalabrien, beteuerte vor Gericht seine Unschuld. In der Befragung sagte er aus, als Angestellter zu arbeiten. Ein per Video-Konferenz zugeschalteter Zeuge aus Kalabrien sagte jedoch aus, dass der Angeklagte Nacht-Clubs – namentlich Bordelle – in der Region von Biel betrieben habe. Der Zeuge, ein Freund und Landsmann des Angeklagten, wurde nur von hinten gezeigt. Er wurde 2010 festgenommen und zu einer langen Freiheitsstrafe verurteilt, die er derzeit absitzt.

Dem Gerichtspräsidenten erklärte der Zeuge ausführlich das Regelwerk, die Gesetze, die Werte und den Ehrencodex der ‘Ndrangheta. Der Angeklagte sei im Schosse der historischen ‘Ndrangheta-Familien gross geworden, ohne selbst Mitglied zu sein. Genau auf diesen Punkt pochte der Verteidiger des Angeklagten. Der ganze Rest zähle wenig. Mit dem Rest meinte er die Aussagen des Zeugen, wonach der 61-Jährige in der Schweiz illegal Waffen für die ‘Ndrangheta gekauft habe. Diese Waffen habe der Angeklagte zerlegt und in einem Auto versteckt, mit dem er sie zum Teil selbst nach Kalabrien gefahren habe. Aus der Befragung des Zeugen ging weiter hervor, dass der Angeklagte für die Bewachung von Hanffeldern in der Schweiz, namentlich im Kanton Bern, Unterstützung durch die Mafia erhielt.

Weiter soll der 61-Jährige um die Verteilung des Cannabis besorgt gewesen sein. Ihm wird auch Hehlerei vorgeworfen, illegaler Waffenbesitz und Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz. sda

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