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Vingelz

Bloss der Innenausbau fehlt noch

Seit geraumer Zeit sieht es aus, als würde am Neubau am Bergluftweg in Vingelz nicht mehr gearbeitet. Im Bieler Quartier wird gar über einen Baustopp gemunkelt. Das BT ist den Gerüchten auf den Grund gegangen.

Grandioser Ausblick: Der Neubau in Vingelz ist nicht nur von weither zu sehen. Künftigen Bewohnern bietet er Aussicht auf den See, Biel und die Alpen. Copyright Peter Samuel Jaggi / Bieler Tagblatt

von Gabriel Gasser

Ob ennet des Sees oder in Vingelz selbst, der riesige Neubau ist schon von Weitem zu erkennen. Am Ende des Bergluftwegs in Vingelz, eingepfercht zwischen Wald und Weinreben, thront auf der oberen Parzelle nahe dem Waldrand eine würfelförmige Villa mit Unterbau und einem Pavillon zur Rechten.

Auf der unteren Parzelle, an die Reben am Burgunderweg angrenzend, steht ein dreistöckiges, quaderförmiges Sechsfamilienhaus. Architektonisch und ästhetisch machen die Bauten etwas her, aber nicht nur das: Der Neubau sorgt auch für regen Gesprächsstoff. Im einwohnerärmsten und gleichzeitig wohl finanzkräftigsten Quartier der Stadt Biel scheint nämlich niemand so recht zu wissen, wie es um den aufwendigen Neubau steht.

Ins Ausland abgewandert?

Warum die Gebäude immer noch leerstehen, fragen sich Ortskundige, gebaut werde ja schliesslich nicht mehr. Beim Namen genannt werden will in Vingelz niemand. Hört man sich aber ein bisschen genauer um, stellt man fest: Es kursieren etliche Gerüchte. Sogar von einem Baustopp ist die Rede. Dies, weil sich der Bauherr nicht an die Bestimmungen der Baubewilligung gehalten haben soll – mittlerweile soll dieser sogar ins Ausland abgewandert sein.

Baustopp verfügt?

Das BT hat nachgefragt und bringt Licht ins Dunkel: Die Recherchen zeigen, dass die Gerüchte nicht der Wahrheit entsprechen. Gemäss Florence Schmoll, Abteilungsleiterin der Stadtplanung Biel, ist am Bergluftweg 20 und 31 kein Baustopp verfügt worden: «Der Rohbau ist fertig und zurzeit wird der Innenausbau realisiert.» Im Zusammenhang mit dem Rohbau seien der Stadt keine Probleme gemeldet worden, sagte Schmoll weiter. Von der Stadt bewilligt wurde der Neubau vor sechs Jahren. Während des Baubewilligungsverfahrens im Jahre 2010 habe es laut Schmoll drei Einsprachen bezüglich privater Interessen gegeben.

Realisiert wurde das Bauprojekt anschliessend von der Architektur GmbH Hartmann Schüpbach. Das Nidauer Architekturbüro übernahm für den Bauherrn auch die Vorverhandlungen mit der Stadt Biel, die letztlich im ersten Baugesuch im Herbst 2010 mündeten. Für die Bauausführung ist der Architekt Markus Schüpbach zuständig. Auch er bestätigt auf Anfrage, dass es mit dem Neubau zurzeit keine ausserordentlichen Probleme gebe. Der Innenausbau gestalte sich jedoch aufwendig, dadurch verlängere sich die Bauzeit.

Bauherr aus der Region

Warum die Arbeiten im Innern des Gebäudes so aufwendig sind, erklärt der Besitzer des Vingelzer Neubaus schriftlich. «Wir sind derzeit am Innenausbau und an den technischen Installationen, insbesondere der aufwendigen Elektro- und IT-Infrastruktur.» Die gesamte Überbauung werde mit der «modernsten Technik im Bereich der Gebäudeautomation» ausgestattet und werde daher nicht nur «einen Meilenstein in hochwertiger Architektur darstellen», sondern auch im Bereich «Smart Home». Darunter versteht man die «intelligente Vernetzung» von Haushaltsgeräten, Sicherheitsanwendungen und Unterhaltungskomponenten, die automatisierte Abläufe ermöglicht und das Leben in den eigenen vier Wänden vereinfachen soll.

Beim Besitzer beziehungsweise Bauherrn handelt es sich um einen in der Region geborenen und aufgewachsenen Unternehmer, der das BT bat, seinen Namen nicht zu publizieren. Als gelernter Elektroniker hatte er in Biel mehrere Unternehmen im Bereich High-Tech-Elektronik gegründet und 1998 mit seiner Firma CT-Concept Technologie AG den Wirtschaftsförderungspreis der Stadt Biel und den Preis «Technologiestandort Schweiz 98» gewonnen. Die Concept-Firmengruppe verkaufte er später an eine amerikanische Firma. Nun konzentriert er sich auf die Planung und Umsetzung von Smart-Home-Lösungen.

Ab zwei Millionen Franken

Seine heutige Firma heisst denn auch Smart Buildings Systems AG. Sie hat ihren Sitz am Renfer-Park in Biel und ist Besitzerin des Mehrfamilienhauses. Die Villa und der Pavillon gehören dem Bieler Unternehmer privat. Die sechs Wohnungen im dreistöckigem Mehrfamilienhaus sollen ab nächstem Jahr zum Kauf angeboten werden.

Pro Geschoss wurden eine oder zwei Eigentumswohnungen mit Flächen von 175 bis 235 Quadratmetern Wohnraum realisiert. Die Verkaufspreise stehen noch nicht fest, dürften sich jedoch von zweieinhalb Millionen Franken aufwärts bewegen. Die Villa werde er hingegen selbst bewohnen, sagt der Unternehmer. Der Einzug ist noch für dieses Jahr geplant.

«Dummes Zeug»

Die Gerüchteküche rund um den Neubau kennt der Bauherr: «Gerüchte gab es schon immer, ich selber höre da die unglaublichsten Dinge.» Davon beeindrucken lässt er sich aber nicht. Zum Gerücht, dass er ins Ausland abgewandert sei, antwortet er: «Wie auch sonst vieles, ist das dummes Zeug! Ich wohne in Biel, zahle hier meine Steuern, verbringe allerdings im Sommer Zeit in den südlicheren Gefilden.»

In Zukunft will der Besitzer den Dialog mit den Anwohnern verstärken. Nicht zuletzt deshalb habe er die Mitgliedschaft im Vingelzleist beantragt und diese sei auch akzeptiert worden.

Da trifft es sich gut, dass trotz aller Gerüchte in Vingelz keine wirkliche Opposition zu herrschen scheint. Architektonisch kommt der Neubau nämlich gut an. Der sei ja durchaus gelungen, ist von verschiedenen Seiten zu hören.

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Kommentare

lilo

Dieser Bau strahlt für mich; Sterilität, Kälte, Unwohlsein und Unfreiheit aus! Ich würde diese Wohnung nie gegen ein bescheidenes, wohnliches, romantisches zu Hause tauschen. Ich wünsche dem Bewohner dieses Neubaus trotzdem alles Gute und ein freudiges Zuhause sein.


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