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„Krawattenzwang“

Bitte keine Termine am nächsten Mittwoch

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Bitte keine Termine am nächsten Mittwoch.

Bernhard Rentsch: Krawattenzwang
  • Dossier

Wollen wir uns am nächsten Mittwoch treffen? Unmöglich – für beide Seiten. Denn am Mittwoch muss jede und jeder von uns die schönen Kleider bereithalten und abwarten. Vielleicht ist es der ganz grosse Tag.

 

Echt? Ja: «In den Bundesrat gewählt werden kann jede stimmberechtigte Schweizerin und jeder stimmberechtigte Schweizer. Eine vorgängige Kandidatur ist ebenso wenig erforderlich wie eine Mitgliedschaft im Parlament.» So steht das offiziell in der Bundesverfassung. Also auch Sie und ich, ohne dass wir auf einem der sogenannten Tickets der Bundesratsparteien stehen.

Es ist am nächsten Mittwoch also Bundesratswahl. Und, im Ernst: Bundesbern steht aktuell im Zeichen dieser Wahlen, die von der Vereinigten Bundesversammlung, also von National- und Ständerat gemeinsam, vorgenommen werden. Zwar wird in der laufenden Session über sehr viel Aktuelles und Wichtiges diskutiert und gestritten, so richtig «sexy» scheinen aber nur die Hearings – also die eigentlichen Bewerbungsgespräche vor den Bundeshausfraktionen – und die Spekulationen über die Nachfolge von Doris Leuthard und Johann Schneider-Ammann zu sein. Lasst uns das Tagesgeschäft nicht vergessen, und doch: Es ist wichtig, wer das verbleibende Quintett im Bundesrat ergänzt.

Auch wenn die Mitglieder der Landesregierung weitgehend durch Pflichtstoff und durch Terminplanungen ihrer Departemente gesteuert werden, auch wenn innerhalb der (langen) Arbeitstage sehr viel Repräsentation und Kommunikation enthalten ist: Jede Bundesrätin und jeder Bundesrat prägt unser Land auf ihre/seine ganz spezielle Art. Und sei es schon nur durch die Auswahl der engsten Mitarbeitenden. Partei, Herkunft und Umfeld sind mitentscheidend bei Meinungsbildung und Themenvertretung. Dossiersicherheit ist nicht nur eine Frage von Fleiss und Interesse, sondern letztlich auch von Gesinnung. Wer meint und sagt, eine Bundesrätin oder ein Bundesrat habe nichts zu sagen, täuscht sich. Es ist mehr Persönliches im Amt mit drin, als manchmal zugegeben wird. Man kann sich ja schliesslich nicht mit erfolgter Wahl die eigene Person und Vergangenheit abstreifen. Es geht hier nicht um Ratschläge oder um Favorisierungen – davon sind wir weit entfernt! Es geht um das Bewusstsein für alle, dass am nächsten Mittwoch doch 2/7 der Entscheiderinnen oder Entscheider der nächsten Jahre bestimmt werden.


brentsch@bielertagblatt.ch

Twitter: @BernhardRentsch


 

 

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