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Biel

«Biodiversität ist in aller Munde»

Im Podiumsgespräch haben Vertreter der Politik, der Trinkwasserinitiative, der Landwirtschaft und der Agrarchemie über Wege zur Eindämmung des aktuellen Massensterbens diskutiert.

Symbolbild: Pixabay

Am 22. August hat in der Pauluskirche das von der Regionalgruppe Greenpeace Biel organisierte Podiumsgespräch zum Thema Biodiversität stattgefunden. Geladene Gäste waren Regina Ammann, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit Syngenta Schweiz, Franziska Herren, Initiantin der Trinkwasserinitiative, Philippe Schenkel, Campaigner für nachhaltige Landwirtschaft Greenpeace Schweiz, Peter Schwab, Landwirt, und Hans Stöckli, Ständerat des Kantons Bern (SP). Die Moderation hatte Martin Schwab der Greenpeace-Regionalgruppe Biel inne. Im Saal etwa 50 Anwesende, die dem schweizerisch politisch korrekten und etwas unterkühlten Austausch der jeweiligen Standpunkte lauschten, ein Gespräch, das sich langsam erwärmte und schliesslich doch etwas Emotionen durchblicken liess.

«Biodiversität ist in aller Munde», so Martin Schwab, dies spätestens seit dem Bericht des Weltklimarates vom Oktober letzten Jahres, der die Auswirkungen einer Klimaerwärmung um 1.5 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit analysiert hat.

Franziska Herren beklagte, dass ein persönlich vorbildliches Verhalten mit Kauf und Verzehr ausschliesslich biologisch produzierter Nahrung nicht genüge, um giftfreies Trinkwasser zu garantieren, solange mit unseren Steuergeldern die intensive Landwirtschaft mit massivem Einsatz von Pestiziden und Antibiotika in der Massentierhaltung subventioniert werde. Die Initiative verlangt, dass nur noch Landwirtschaftsbetriebe Subventionen erhalten, die ohne Pestizide und vorbeugenden Einsatz von Antibiotika auskommen.

Der Landwirt Peter Schwab schätzte die in der Initiative genannte Übergangsfrist von acht Jahren als sehr kurz ein. Das Problem sei, dass von ihm als Gemüseproduzenten qualitativ perfekte Ware erwartet werde, in genügender Menge und zum richtigen Zeitpunkt. Krumm gewachsene Karotten oder Gemüse mit Insektenfrassspuren könne er nicht verkaufen. Mit seinem Grossvater habe er als Bub noch Kartoffeln aus dem Wasser gezogen, was heute nicht mehr denkbar wäre. Wie er produziere, ob mit oder ohne Pestizide, interessiere dagegen niemanden. Landwirte würden nicht aus Freude Pestizide spritzen und hätten dabei auch immer ein schlechtes Gewissen. Welche Produkte die Bauern der Schweiz jedoch produzierten, bestimme die Gesellschaft, die sie nachfrage, das gelte auch für die Fleischproduktion. Nichtsdestotrotz habe er seinen Pestizideinsatz in den letzten Jahren deutlich reduziert.

Der Greenpeace-Campaigner Philipp Schenkel betonte, dass momentan das erste menschgemachte Massensterben im Gang sei. Zusätzlich zu den bereits verschwundenen Arten seien etwa eine Million Arten vom Aussterben bedroht. Die intensive Landwirtschaft mit ihrem grossen Wasser-, Pestizid- und Mineraldüngerverbrauch spiele dabei eine grosse Rolle. Die hohen Erträge seien nur mit diesen Zusätzen zu erwirtschaften, damit ineffizient und ausserdem mit hohem Ausstoss von Treibhausgasen verbunden. 14,5 Prozent biologisch produzierender Landwirtschaftsbetriebe seien Beweis genug, dass es auch ohne Mineraldünger und Pestizide gehe. Mit traditioneller biologischer Produktion könnten 30 bis 50 Prozent des Treibhausgasausstosses reduziert werden. mt

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