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Biel

Biel soll zweisprachiger werden

Laut Stadtrat Pascal Bord (PRR) setzt sich die Stadt Biel nicht genügend für die Zweisprachigkeit ein.Der Politiker spielt vor allem auf die öffentlichen Plakate und den Empfang in einigen Verwaltungsbetrieben an.

Pascal Bord findet, dass es an «politischem Willen» fehlt, alle öffentlichen Schilder zweisprachig zu machen. Bild: Anne-Camille Vaucher/ a

Didier Nieto/rw

Setzt sich die Stadt Biel wirklich genügend für ihre Zweisprachigkeit ein? Diese Frage, welche die französischsprachige Gemeinschaft regelmässig beschäftigt, steht diesmal im 
Zentrum einer Interpellation, die Pascal Bord (PRR) an der letzten Stadtratssitzung eingereicht hat. «Ich habe da so meine Zweifel», erklärt der Politiker. «42 Prozent der Bieler Bevölkerung und somit fast die Hälfte sind Romands. Diese gelten 
aber weiterhin als Minderheit.» Dabei sollten sie laut ihm den Deutschschweizern gleichgestellt sein.

Fortschritte erforderlich
Pascal Bord muss aber zugeben, dass die Lage der Französischsprachigen nicht «katastrophal» ist. «Trotzdem sind in gewissen Bereichen noch grosse Fortschritte erforderlich», betont er. In seinem Vorstoss erwähnt er insbesondere die Schilder mit Informationen und Werbung, die nicht ausreichend zweisprachig seien. Dasselbe gilt für die Beschriftung in den Geschäften und Restaurants.

Der Politiker weist auch auf einige Lücken innerhalb der Verwaltung hin. Denn diese könne der Bevölkerung nicht bei allen Dienststellen einen zweisprachigen Empfang gewährleisten. Dieser Punkt sei aber nicht der Hauptgegenstand des Vorstosses, sondern werde in einem anderen Postulat behandelt (siehe Zweittext rechts).

Mangelnder Wille
Für Pascal Bord weisen diese 
Lücken in der Zweisprachigkeit auf den «mangelnden Willen» der Stadt hin. «Die Forderungen, welche die öffentlichen Schilder oder die Beschriftung betreffen, wurden Anfang 2000 im Zu-
sammenhang mit den Vorbereitungsarbeiten zum Sonderstatusgesetz erlassen», sagt Bord. 
Dieses Gesetz, das 2006 inkraft getreten ist, zielt darauf ab, 
die Lage der frankophonen Bevölkerung als sprachliche Minderheit zu stärken. «Leider fehlte es aber an politischem Willen, diesen Forderungen nachzukommen.»

Mit seinem Vorstoss möchte Pascal Bord somit «politischen Druck» auf den Gemeinderat ausüben. «Denn wenn man die grösste zweisprachige Schweizer Stadt sein möchte, hat 
man die Verantwortung dafür, dass diese Zweisprachigkeit überall respektiert wird», fügt er hinzu.

Vermehrt sensibilisieren
Konkret erwartet der Politiker von der Stadt, dass diese ihre Sensibilisierungsarbeit bei den Geschäften und Betrieben verstärkt. «Sie könnte eine Charta der Zweisprachigkeit entwerfen, um die Firmen – insbesondere im Verkauf und im Gastgewerbe – dazu anzuregen, in beiden Sprachen zu kommunizieren», sagt er.

Darauf angesprochen, dass diese Arbeit in einem bestimmten Masse bereits vom Forum für die Zweisprachigkeit geleistet werde, erklärt er: «Ja, aber bei allem Respekt, den ich gegenüber dieser Institution hege, denke ich, dass ein Vorgehen der Stadt noch mehr Auswirkungen hätte.»

Was die öffentlichen Plakate anbelangt, ruft Pascal Bord den Gemeinderat dazu auf, den Vertrag mit der Allgemeinen Plakatgesellschaft (APG) zu ändern. Diese ist für die öffentliche Werbung in der Stadt zuständig. Derzeit enthält der Vertrag in Bezug auf die Sprachen keinerlei Verpflichtungen, also auch nicht im Bezug auf die Zweisprachigkeit. «Nun hat der Gemeinderat die Macht, dafür zu sorgen, dass die Zweisprachigkeit besser berücksichtigt wird», sagt Bord.

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Nicht überall zweisprachig
Nach Ansicht des Stadtrats Pascal Bord (PRR) ist die Bieler Verwaltung nicht immer in der Lage, für die Bevölkerung einen zweisprachigen Empfang zu gewährleisten. «Laut einigen Quellen können einige Ämter nicht auf Deutsch und Französisch antworten», erklärt er.

Der Politiker hat deshalb ein Postulat eingereicht. Darin fordert er die Stadt auf, die Qualität des Empfangs ihrer Kontaktstellen zu überprüfen und die notwendigen Massnahmen zu ergreifen, damit ein Empfang in beiden Sprachen gewährleistet werden kann. Dazu muss sie auch die notwendigen finanziellen Mittel bereitstellen. «Die Forderung, dass jeder Angestellte perfekt zweisprachig sein soll, ist eine Utopie. Jeder sollte aber mindestens am Telefon auf Deutsch und Französisch antworten oder sich am Schalter in beiden Sprachen um den Empfang kümmern können», sagt er. Wenn dies nicht der Fall ist, solle ein Kollege beigezogen werden, der die Sprache spricht. Das Label für die Zweisprachigkeit, das die Stadt 2014 erhalten hat, bescheinigt jedenfalls, dass sich die Beamten in ihrer Sprache an die Bevölkerung wenden. «Ich möchte dieses Label auf keinen Fall anzweifeln. Aber es gibt immer Möglichkeiten, sich zu verbessern», stellt Pascal Bord fest. Nun hat der Gemeinderat sechs Monate Zeit, um das Postulat zu beantworten. dni

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