Sie sind hier

Abo

Vorabdruck

«Biel ist Heimat. Biel ist eine Geschichte»

Heute wird das Bieler Jahrbuch 2017 an der Vernissage aus der Taufe gehoben. Auf über 300 Seiten bietet die Publikation einen umfassenden Rückblick auf das letzte Jahr. Spannend sind auch die zahlreichen Meinungsbeiträge von hiesigen Persönlichkeiten. So zum Beispiel der Prolog von Frank A. Meyer: Der Wahl-Berliner versteht es, die guten Seiten Biels hervorzuheben. Oder da wäre der Text von Biels Stadtpräsident Erich Fehr über die Zusammenarbeit mit dem Berner Jura. Das BT publiziert die beiden Texte als exklusiven Vorabdruck.

Frank A. Meyer schreibt, dass die Stadt Biel alles ermöglicht habe, was er heute sei. Und zwar durch ihre Offenheit, durch das Fehlen gesellschaftlicher Hierarchie". zvg/A. Berghäuser

«Biel kann man erzählen»

Frank A. Meyer

Was bedeutet das für mich: einen Text zum Bieler Jahrbuch zu schreiben? Es bedeutet Rückkehr nach Biel, Rückkehr in die eigene Geschichte. Sie scheint auf in meiner Erinnerung: die Spaziergänge an der Hand des Vaters im Ried, die Waldwege, denen er Namen gab, zum Beispiel den Judith-Weg, den er nach meiner Schwester benannte; sie scheint auf in der Erinnerung an die Wohnung an der Reuchenettestrasse, die damals, wenn es geschneit hatte, für Schlittenfahrten reserviert war; sie scheint auf mit dem Strandbad Nidau, vor allem mit dem Weg dorthin, der an der General-Motors-Montagehalle vorbeiführte, wo amerikanische Traumwagen im Schaufenster glänzten, Buick, Cadillac, Chevrolet ...

Biel als Kulisse meines Kinderlebens, die elterliche Wohnung als erste wirtschaftliche Wirklichkeit: Der Vater bei der abendlichen Heimarbeit am Uhrmacher-Etabli – das heute in meiner Berliner Wohnung das Gästebuch trägt; ihm zur Seite die Mutter, ebenfalls beschäftigt mit Heimarbeit; ich als Fünfjähriger dazwischen mit gespitzten Ohren den väterlichen Erzählungen aus Politik und Zeitgeschehen lauschend.

Was ich in dieser Geborgenheit geworden bin, bin ich noch heute.

Was aber hat das mit Biel zu tun? Biel ist für mich, im Blick auf meine Lebensgeschichte, der Ort, der mich gedeihen liess, der mich umfing, beim Kindsein, beim Heranwachsen, beim erwachsen werden, beim Journalist werden, beim Politik machen. Stets bildete Biel den Hintergrund, das Szenenbild, die Bühne. Die Stadt mit ihrer Region hat all dies ermöglicht, ja, sie hat mich ermöglicht – durch ihre Offenheit, durch das Fehlen gesellschaftlicher Hierarchie.

 

Die Stadt der Möglichkeiten
Es war mir möglich, ganz früh schon in der «Seeländer Volkszeitung» zu schreiben, eine Kolumne mit dem ins Gegenteil verkehrten Titel eines Osborne-Stückes: «Blick zurück ohne Zorn»; es war mir möglich, mit Freunden ein journalistisches Unternehmen aufzubauen, das in der ganzen Schweiz berühmt wurde für seine Recherchen und seine Filme, das Büro Cortesi; es war mir möglich, politisch aktiv zu sein, zuerst mit Volksinitiativen zur Rettung des Volkshauses und der General-Motors, beides Bauhaus-Gebäude, später dann, in den 70er-Jahren, mit der Gründung der Freien Bieler Bürger, einer linksliberal beseelten Bewegung, Regierungspartei sogar, die der politischen Kultur der Stadt provokativ-frische Konturen zu geben vermochte.

Namen, Köpfe aus diesem Entwicklungsroman: Michel Walter, mein früher Freund und Meisterdenker, Marcel Schwander, der journalistische Vater, Hans Kern, das politische Vorbild, Arthur Villard, der unermüdliche Friedenskämpfer, Jörg Steiner, der wundersame schöne Dichter.

Unzähliges wäre noch anzumerken, was mir Biel ermöglicht hat. Wohl in keiner anderen Stadt hätte ich eine solch freiheitliche, rebellische und zugleich erfolgreiche Sozialisation erfahren können – ausser vielleicht in Berlin, wo ich heute lebe. Zu Biel passt in der Tat Berlin, die Stadt, in der Hinzugezogene sofort akzeptiert sind – es sei denn, sie langweilen. Genau wie in Biel.

 

Biel im Preussischen Landtag
Eine Rede im Preussischen Landtag vor einigen Jahren eröffnete ich mit dem Satz: «Ich rede jetzt zu Berlin, aber ich beginne mit meiner Heimatstadt Biel.» Dann berichtete ich von meiner Herkunft aus dem schweizerischen Seeland, vom Jura und den libertärsozalistischen Uhrmachern des 19. Jahrhunderts – von Biel, also von der Stadt, die diesen Esprit im 20. Jahrhundert für mich verkörperte. Und nach zehn Minuten sagte ich: «Verehrte Damen und Herren, jetzt rede ich bereits von Berlin, und sie haben den Übergang nicht bemerkt, weil das 99 Mal kleinere Biel so viel freien Geist gemeinsam hat mit der sonderbarsten Metropole Europas – mit Berlin!»

Sogar ein Café von verblüffender Ähnlichkeit findet sich in beiden Städten: in Biel das «Odéon», in Berlin das «Manzini» an der Ludwigkirchstrasse in Wilmersdorf. Zu sehen und zu hören ist dort, was die Stadt ausmacht: Handwerker in der Frühe, Intellektuelle und Künstler am späten Morgen, Geschäftsleute über Mittag, Mütter mit Kindern am Nachmittag, Kino- und Theatergänger am Abend. Mit 15 Jahren erschloss ich mir das «Odéon» als Ort meines kulturellen Wohlbefindens; mit bald 75 Jahren geniesse ich die identische Stimmung im Berliner «Manzini». Ich werde von deutschen Bekannten oft auf die «wunderbare Schweiz» angesprochen – was als Kompliment gedacht ist. Ich reagiere darauf mit der Frage: «Kennen Sie Biel-Bienne, die einzige wirklich zweisprachige Stadt Europas?» Die Erwähnung der Schweiz bringt mich geradezu reflexartig auf meinen Heimatort. Warum das? Ganz einfach: Biel ist Biel ist Biel – und ausserdem liegt es in der Schweiz.

Was heisst in der Schweiz! Im Seeland, am See, am südlichen Hang des Jura: Twann Ligerz und Schernelz, wo ich wohnte, Le Landeron, Erlach, der Jolimont, von dort der Blick auf die St. Petersinsel – eine bis heute verschont gebliebene Schweiz. Verschont von einem neureichen Reichtum, der Zürich und Zug und Schwyz und Lugano und Genf so unsympathisch macht. Ja, mein libertär-sozialistischer Vater steckt in mir – und mit ihm Biel.

 

Eine Geschichte
Wer diese Stadt auf dem Lande – auch das eine Gemeinsamkeit mit Berlin – nicht kennt, hat das Geheimnis der Schweiz nicht entdeckt: Bürgerlichkeit, die Mass hält, wirtschaftliche Kreativität, die der Gesellschaft verbunden bleibt, Uhren-Weltwirtschaft, die weiss, was sie ihren Arbeitnehmern zu verdanken hat, deren selbstbewusste Präzisionskultur im Anarchismus des St. Immer-Tales wurzelt.

Biel ist Heimat. Biel ist eine Geschichte. Biel kann man erzählen.

Info: Frank A. Meyer ist Journalist und publizistischer Berater von Ringier.

* * * * * *

«Neue Epoche der Zusammenarbeit»


Stadtpräsident Erich Fehr macht sich Gedanken über das neue Verhältnis der Stadt Biel mit dem Bernenr Jura, nachdem Moutier für den Kantonswechsel gestimmt hat. Bild: Matthias Käser

Erich Fehr

Noch sind bei den Verwaltungs- und Justizbehörden einige Verfahren im Zusammenhang mit den Gemeindeabstimmungen im Berner Jura im Jahr 2017 pendent. Aber die Assemblée Interjurasienne (AIJ) ist aufgelöst und die von den Kantonen Bern und Jura vereinbarte «Roadmap» zur Klärung der sog. «Jurafrage» ist abgearbeitet. Damit kann die Jurafrage politisch als gelöst betrachtet werden und wir wissen, dass die einzige territoriale Veränderung der Wechsel der Stadt Moutier zum Kanton Jura – voraussichtlich per 2021 – sein wird. Somit ist der Moment gekommen, sich Gedanken zum künftigen Verhältnis zwischen der Stadt Biel und dem Berner Jura zu machen.

 

Der Streitpunkt Moutier belastet das Verhältnis zwischen Biel und dem Berner Jura über Jahrzehnte
Mit der am 1. Januar 1979 erfolgten Gründung des neuen Kantons Jura hätte die Jurafrage eigentlich erledigt sein sollen. Während rund 40 Jahren blieb in Moutier, der grössten Gemeinde im Berner Jura, aber eine latente Unzufriedenheit mit der aktuellen politischen Situation bestehen. Verschärft wurde die Problematik ab den 90er-Jahren, da sich das Stadtpräsidium von Moutier seither ununterbrochen in autonomistischer Hand befindet. Moutier war konstant bestrebt, alles zu verhindern und zu blockieren, was die Zugehörigkeit seiner Stadt und letztlich des ganzen Berner Juras zum Kanton Bern verstärken könnte. Dazu gehören natürlich auch die Beziehungen zwischen der Stadt Biel und dem Berner Jura. Fast jede Regung der Stadt Biel in dieser Materie wurde von den Behörden Moutiers als ungerechtfertigte Einflussnahme und/oder Versuch Biels interpretiert, etwas zu Lasten des Berner Juras an sich zu reissen.

Es versteht sich von selbst, dass es in diesem Klima resp. unter diesen Rahmenbedingungen sehr schwer war, zu einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen Biel und dem Berner Jura zu kommen. So gesehen ist die Geschichte der Conférence des Maires du Jura bernois et du district de Bienne (CMJB) eine wahre Erfolgsgeschichte, denn in diesem Gremium arbeiten die Stadt Biel und die Gemeinden des Berner Juras nun schon seit bald zwei Jahrzehnten erfolgreich und vertrauensvoll zusammen, und eine nächste Entwicklungsstufe steht mit der geplanten Integration der beiden Planungsregionen kurz bevor. Auch im Tourismus konnten Ängste überwunden und Partnerschaften realisiert werden. Ebenfalls ein positives Beispiel sind die beiden Wirtschaftskammern (WIBS und CEP), welche sehr gut kooperieren.

Ein wichtiger Beitrag zur Entspannung war auch, dass die Stadt Biel keinen Sitz in der AIJ erhielt. Zwar strebte der damalige Bieler Stadtpräsident Mitte der 90er-Jahre genau dieses Ziel an, symbolisch war es aber wichtig, dass die Stadt Biel nicht Mitglied der AIJ wurde, denn sie ist zwar dem Berner Jura in mancher Hinsicht eng verbunden, aber sie gehört territorial betrachtet zum Seeland. Diese Tatsache mögen viele Leute bedauern, insbesondere auch die Romands, aber sie zu respektieren und darauf aufbauend geeignete Formen der Zusammenarbeit zu finden bedeutet auch Ängste – ob begründet oder unbegründet – seitens des Berner Juras abzubauen. In der Folge konnte über das Sonderstatutsgesetz mit dem CJB und CAF eine viel pragmatischere und dennoch effiziente institutionelle Lösung gefunden werden, welche zugleich auch berücksichtigt, dass der Berner Jura eine territoriale Einheit darstellt, während die französischsprachigen Bielerinnen und Bieler einen Teil der Bevölkerung unserer Stadt bilden. Es ist wichtig, dieser unterschiedlichen Ausgangslage auch bei der künftigen Ausgestaltung des Verhältnisses zwischen der Stadt Biel und dem Berner Jura angemessen Rechnung zu tragen.

 

Die Verschiebung der Amtsstellen in Moutier als erste Herausforderung
Eine erste Belastungsprobe für ein neues, entspannteres Verhältnis zwischen der Stadt Biel und dem Berner Jura steht bereits an, noch bevor wirklich neue partnerschaftliche Grundlagen für die Zukunft geschaffen werden konnten. Der Autor ist überzeugt, dass es falsch wäre, wenn die Stadt Biel zum jetzigen Zeitpunkt Ansprüche auf Arbeitsplätze der bernischen Kantonsverwaltung erheben würde, welche sich heute in Moutier befinden und die deshalb verschoben werden müssen. Es würde zwar sicher im einen oder anderen Fachgebiet Sinn machen, die Angebote für den Berner Jura, die Stadt Biel und das Seeland mit Blick auf die sog. «kritische Grösse» zusammenzulegen, und auch die Zweisprachigkeit der Dienstleistungen könnte so mutmasslich verbessert werden; gerade auch für die frankophonen Bielerinnen und Bieler. Aus staatspolitischer Sicht verbietet sich aber ein solcher Ansatz im jetzigen Zeitpunkt, da der Berner Jura bereits den Abgang Moutiers zu verdauen hat und ihm in diesem Umfeld ein Verlust von kantonalen Arbeitsplätzen nicht zugemutet werden kann.

Umgekehrt wäre es für die Stadt Biel aber auch völlig inakzeptabel, wenn der Kanton auf die Idee kommen sollte, Angebote für die Bielerinnen und Bieler, welche heute vor Ort erbracht werden, in den Berner Jura zu verlegen, weil sonst von der Grösse her deren Funktionsfähigkeit nicht gewährleistet werden kann. So wenig wie der Berner Jura bereit ist auf bestimmte Angebote vor Ort zu Gunsten Biels zu verzichten, kann ein solcher Verzicht im Umkehrschluss den Bielerinnen und Bielern, mutmasslich den Romands, zugemutet werden. Hier muss der Kanton kreativere Ansätze suchen.

Eine besondere Herausforderung stellen die Bildungsangebote auf Sekundarstufe II und in der Berufsbildung dar, welche für den Berner Jura und die frankophonen Bielerinnen und Bieler oftmals nur gemeinsam angeboten werden können, da sonst schlicht und einfach keine vernünftigen Teilnehmerzahlen erreicht werden. Für die Bieler Romands wäre es inakzeptabel, wenn der Kanton diese Angebote nun einfach alle im Berner Jura konzentrieren würde, um den dortigen Verlustängsten entgegen zu treten. Damit sich die frankophonen Bielerinnen und Bieler in ihrer Stadt als vollwertiger Teil der Gesellschaft fühlen können, müssen auch hier solche Angebote bereitgestellt werden. Der Kanton muss also dafür sorgen, dass diese Angebote ausgewogen auf Biel und den Berner Jura verteilt werden, wobei heute in Moutier angesiedelte Angebote dieser Art nicht einfach als Besitzstand des Berner Juras betrachtet werden können, sondern in die Gesamtmasse für eine ausgewogene Verteilung einzubeziehen sind.

 

Umrisse eines neuen Verhältnisses zwischen Biel und dem Berner Jura / gemeinsame Ziele und Interessen
Ein Nachteil der Region Biel-Seeland-Berner Jura ist zweifelsohne, dass sie sich oftmals aufgrund von heftig bewirtschafteten Partikularinteressen selber schwächt. Dabei wäre es im Rahmen der innerkantonalenVerteilkämpfe absolut unerlässlich, dass man im Berner Rathaus geschlossen auftritt und für die Interessen der zweisprachigen resp. frankophonen Kantonsteile eintritt. Hier haben die Berner Oberländer unserer Region sicher etwas voraus, und nicht grundlos kursiert seit Jahrzehnten die Anekdote, wonach die Grossratsmitglieder aus dem Oberland auf der Zugfahrt nach Bern ab Münsingen alle internen Streitereien beenden und die Reihen schliessen würden.

Damit dies möglich wird, müssen sich gewisse Mentalitäten ändern. Seitens der Stadt Biel müsste die französischsprachige Bevölkerung akzeptieren, dass gewisse Angebote für die Romands – insbesondere im Bildungsbereich und hier besonders bei der Berufsbildung – mangels genügender Anzahl Absolventinnen und Absolventen nur im Berner Jura oder in Biel, nicht aber an beiden Standorten angeboten werden können. Umgekehrt muss der Berner Jura längerfristig auch akzeptieren, dass bestimmte Dienstleistungen der kantonalen Verwaltung qualitativ besser und kostengünstiger in grösseren und durchgängig zweisprachigen Einheiten erbracht werden können, welche tendenziell in der Agglomeration angesiedelt sind. Dabei darf nicht unbeachtet bleiben, auch wenn es nicht immer gerne gehört wird, dass der Perimeter des ehemaligen Amtsbezirks La Neuveville mit Blick auf die funktionalen Räume viel näher bei der Stadt Biel liegt als beim restlichen Berner Jura. Die laufende und sich beschleunigende Digitalisierung dürfte dazu führen, dass die Frage der «kritischen Grösse» von Verwaltungseinheiten zunehmend mehr Beachtung finden wird.

Können hier keine ausgeglichenen und pragmatischen Lösungen gefunden und das historisch tiefe Misstrauen – oder sollte man besser sagen» «Gärtlidenken» – überwunden werden, wird sich der nördliche Kantonsteil und damit zwangsläufig die französischsprachige Minderheit weiterhin selber schwächen. Man kann dies dann zwar laut und regelmässig beklagen, aber eigentlich könnte die Geschichte heute auch eine andere, konstruktivere und auch mit mehr Befriedigung verbundene Wendung nehmen. Dabei geht es nicht nur um die im vorliegenden Text behandelten, konkreten und heute aktuellen Themen. Es geht ganz generell darum, dass der nördliche Kantonsteil gestärkt werden muss; ob dann eine Unternehmung oder eine Dienststelle in die Stadt Biel oder in den Berner Jura kommt ist sekundär, denn es sind gute Verkehrsinfrastrukturen vorhanden. Und man kann heute problemlos in der Agglomeration Biel arbeiten und im Berner Jura wohnen – und natürlich auch umgekehrt. Sollten, ja müssten wir das nicht versuchen?

Der Autor ist der Meinung, dass wir diese Chance unbedingt packen müssen. Doch wer kann uns dabei helfen? Einerseits sollte die neue Gemeindeorganisation im Berner Jura, welche per 2019 gebildet werden soll, namens «Jura bernois.Bienne» (Jb.B) eine dazu bestens geeignete Plattform sein. Diese wird angesichts vergleichbarer Strukturen auch mit ihrem Pendant auf deutschsprachiger Seite, dem Verein seeland. biel/bienne, auf Augenhöhe verkehren können, was bisher leider nur beschränkt möglich war. Eine weitere Schlüsselrolle kommt den beiden auf dem bernischen Sonderstatutsgesetz basierenden CJB und CAF zu. Der Erste vertritt zwar eine territoriale Einheit und der Zweite eine Sprachgruppe, aber aufgrund ihrer teilweisen Parallelität entscheidet die Haltung dieser beiden Räte sehr stark darüber, ob Biel und der Berner Jura aufeinander zugehen oder sich nur misstrauisch beobachten.

Aus Sicht der Stadt Biel ist aber auch wichtig, dass sie ihre Gesamtinteressen einbringen kann. Sie kann sich nicht alleine durch den CAF vertreten lassen, denn die Herausforderung besteht darin, dass einerseits die französischsprachige Bevölkerung in Biel und im Berner Jura im Rahmen des Möglichen die gleichen Leistungen erhalten kann, ohne dass andererseits in Biel eine Ungleichbehandlung der französischsprachigen und der deutschsprachigen Bevölkerung resultiert. Dies verbietet Lösungen, welche den Romands Sonderbehandlungen zukommen lassen, die im Berner Jura an die Territorialität geknüpft sind, denn das Sonderstatutsgesetz sieht für die Welschbielerinnen und -bieler nur Spielräume vor, welche auf der Sprache beruhen. Ein tripartites Vorgehen mit Vertretungen der Stadt Biel, des Berner Juras (Jb.B und CJB) und des CAF ist deshalb zwingend, um erfolgreich zu sein. Gleich nach der Gründung von Jb.B muss dies der nächste Schritt sein. Dabei kann völlig offenbleiben, ob und wenn ja welche institutionellen Anpassungen dazu notwendig sind. Vielleicht genügt bereits pragmatisches und solidarisches Handeln im Einzelfall und im Wissen um die Chancen des gemeinsamen Weges resp. der Risiken einer Spaltung.

Gemeinsam sind wir stärker!

Info: Erich Fehr ist Stadtpräsident von Biel.

Nachrichten zu Biel »