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Kommentar

Bevölkerung unnötig überrumpelt


Nachrichtenchef Theo Martin

Grossveranstaltungen ab 1000 Personen zu verbieten ist ein harter, aber richtiger Entscheid. Die Umsetzung jedoch überzeugt nicht. Der Bundesrat ist daran nicht unschuldig, fehlt doch ein stringentes Kommunikationskonzept. Die Landesregierung hat die Bevölkerung überrumpelt und verwirrt.

Das Coronovirus hat das Leben in der Schweiz innert einer Woche drastisch verändert. In den letzten Tagen hat sich abgezeichnet, dass vermehrtes Händewaschen nicht ausreichen wird. Zu sehr klafften Beruhigungspillen aus dem Bundeshaus und Massnahmen der Kantone auseinander. Weil der Bund bisher nie Klartext geredet hat, läuft die Sache nun trotz guter Sachpolitik aus dem Ruder.

Besonders die Kommunikationspannen sind unverständlich. Warum erscheint die Informationskampagne bisher nur in Titeln der Zürcher Medienhäuser, nicht aber in regionalen Zeitungen wie «Bieler Tagblatt», «Freiburger Nachrichten» oder «Walliser Bote»? So sind ganze Regionen ausgeschlossen. Für Grossveranstaltungen mag jetzt zwar dank dem Bundesrat alles klar sein, die Kantone aber sorgen für Verwirrung: Aargauer Veranstalter brauchen ab 150 Personen eine Bewilligung, in Zürich sind bis anfangs Woche kleinere Veranstaltungen erlaubt und in Bern ist alles unklar. Jeder Veranstalter muss sich selber um die Bewilligung kümmern – gegen Abend hat der Kanton die Massnahmen nochmals drastisch verschärft und viele kleine Veranstaltungen faktisch verboten.

Was gestern passiert ist, führt sowieso dazu, dass viele den noch stattfindenden Anlässen fernbleiben und Restaurants weniger frequentiert werden. Das alles führt zu einem grossen wirtschaftlichen Schaden, vielleicht sogar zu einer Rezession. Dabei geht vergessen, dass der gestrige Entscheid die Krise nicht beendet. Wenn es nicht gelingt das Virus zu bremsen und eine Pandemie zu verhindern, wird es noch viel härtere Massnahmen brauchen. 
tmartin@bielertagblatt.ch

Theo Martin

Leiter Newsdesk

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