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Biel

«Ayurvedisches Essen hilft dabei, sich gut zu fühlen»

Angela Herrmann bietet in ihrer Praxis in Biel ayurvedische Massagen, Beratungen und Kochkurse an. Zuhause im Berner Jura steht sie täglich drei Stunden am Herd. Im Frühling hilft ihre frische Küche, die Trägheit des Winters loszuwerden.

Die Küche von Angela Herrmann beherbergt unzählige Gewürze. Sie machen die ayurvedische Küche erst zu dem, was sie ist: fördernd für das körperliche Wohlbefinden. Bild: Carmen Stalder

Carmen Stalder


Es riecht nach Zimt und Kardamom, nach Zwiebeln und Rosmarin. Die Küche ist erfüllt von verschiedenen Düften, die sich zu einem appetitlichen Gemisch vermengen. Auf der Herdplatte köcheln die Linsen, es gart der Brokkoli und es dampft der Gewürzreis.

Dazwischen Angela Herrmann: Sie schneidet und schält, sie mörsert und rührt, sie mixt und würzt. Dem Würzen fällt dabei eine besondere Bedeutung zu. Als Ayurveda-Köchin setzt Herrmann die Gewürze nicht nur ein, um ein schmackhaftes Gericht zuzubereiten, sondern auch, um eine positive Wirkung für die Gesundheit zu erzielen.

So ist etwa Kardamom entspannend und verdauungsfördernd, Kurkuma wirkt antiseptisch und antibakteriell, Ingwer fördert die Durchblutung, Zimt wärmt und Sternanis hilft bei Magenkrämpfen. «Ayurvedisches Essen schmeckt nicht nur köstlich, es hilft auch dabei, sich gut zu fühlen», sagt Herrmann.


Beraterin statt Kauffrau

Die 35-Jährige ist in Indien geboren und später in Biel aufgewachsen. Durch ihr Interesse für alles, was sich um Indien dreht – Filme, Musik, Feste – ist sie vor einigen Jahren auf die traditionelle indische Heilkunst des Ayurveda gestossen. «Das Thema hat mich sofort reingezogen und ich habe unzählige Bücher verschlungen», sagt Herrmann. Ayurveda ist eine jahrtausendealte Heilkunde und Philosophie. Das Ziel ist körperliche, geistige und emotionale Gesundheit jedes Einzelnen, eine harmonische Gesellschaft und sorgfältiger Umgang mit unserer Umwelt.

2015 absolvierte Herrmann an der Heilpraktikerschule in Luzern die Ausbildung zur Ayurveda-Massage-Praktikerin – parallel zu ihrem Beruf als kaufmännische Angestellte. Es folgten eine Ausbildung zur Ayurveda-Ernährungs- und Gesundheitsberaterin und aktuell zur Ayurveda-Köchin. Ihren alten Beruf hat sie mittlerweile aufgegeben, um in ihrer Praxis in Biel ayurvedische Massagen, Ernährungsberatungen, Coachings und Kochkurse anzubieten.

Regeln gibt es in der ayurvedischen Küche nicht. So isst zwar Herrmann fast kein Fleisch, verboten wäre es aber nicht. Vielmehr stützt sich die Ernährungslehre auf Empfehlungen. Dazu gehören etwa die Hauptmahlzeit mittags einzunehmen, wenn die Verdauung am stärksten funktioniert; frische, lokale und der Jahreszeit angepasste Lebensmittel zu essen; und die sechs ayurvedischen Geschmacksrichtungen süss, sauer, salzig, scharf, bitter und herb in jeder Mahlzeit zu sich zu nehmen.


Randensud und Apfelsaft

Nun steht Angela Herrmann in ihrer Küche in Cortébert und bereitet ihr Mittagessen zu. Seit letztem Herbst wohnt sie bei ihrem Freund im Berner Jura. Hat sie einen Termin in Biel, setzt sie sich auf ihr Velo und legt die Stunde Weg radelnd zurück. Sie mag es, die Kombination von leben auf dem Land und arbeiten in der Stadt.

Auf dem Herd brutzelt, dampft und zischt es. Es scheint ihr keine Probleme zu bereiten, gleichzeitig alle Pfannen zu überwachen, eine Rande zu schälen und aufzuzählen, was sie heute alles auftischt. Zur Appetitanregung ein warmer Drink aus Randensud, Apfelsaft, Mangopüree und Gewürzen. Warm deshalb, weil «Ayurveda nicht viel von kalten Getränken hält».

Danach folgen ein Daal aus Linsen und Mungobohnen, das mit verdauungsanregenden Gewürzen wie Thymian, Oregano und Rosmarin gewürzt ist; ein «Reis der Götter», der nach Pfeffer, Zimt und Nelken duftet; ein Aprikosen-Minz-Chutney, das gleichzeitig süss, sauer und scharf ist; ein Löwenzahnsalat mit Blättern aus dem eigenen Garten, Brokkoli, ein Randencarpaccio mit roten Zwiebeln und Granatapfelkernen und zum Dessert ein Chiapudding mit Feigenmus und frischem Ingwer. Ein Festmahl? Nein, ganz gewöhnlicher Alltag, denn jeden Tag steht Herrmann drei Stunden in der Küche, um für sich und ihren Partner zu kochen.


Neustart im Frühling

Jetzt im Frühling geht es Herrmann darum, die Nahrungsmenge zu reduzieren und die Schwere des Winters loszuwerden. «Die Natur hat es vorgesehen, dass wir im Frühling weniger Nahrung zu uns nehmen sollten.» Im Zentrum stehe dabei nicht das Abnehmen, sondern das Entschlacken des Körpers.

Ihr ist wichtig, dass ihre Mahlzeiten immer frisch zubereitet sind. Für eine ganze Woche vorzukochen kommt nicht infrage, Fertigprodukte zu verwenden noch viel weniger. Die Lehre des Ayurveda kommt zwar aus Indien, das Essen muss aber nicht unbedingt indisch sein. Und so mag Herrmann auch die italienische Küche sehr gerne – eine Vorliebe, die sie wohl von ihrem italienischstämmigen Vater geerbt hat.

Etwas kompliziert wird es für sie, wenn sie mit Freunden auswärts isst oder in den Ferien ist. Sie will möglichst wenig Ausnahmen von ihren Essgewohnheiten machen und sowieso schmeckt ihr das Essen in den meisten Restaurants nicht so gut, wie wenn sie es sich selbst zubereitet. In den Ferien mietet sie deshalb meist Appartements mit eigener Küche – um das frische Gemüse von den Märkten nach ihrem Geschmack zu kochen.


Egal ob es heilt – es schmeckt

Mittlerweile ist Angela Herrmann dabei, die verschiedenen Gerichte aufzutischen. «Ein schön angerichteter Teller macht mehr Freude», sagt sie und legt ein paar frisch gepflückte Minzblätter auf das Dessert. Danach beginnt der Schmaus. Ein Löffel Daal, eine Gabel Reis, ein Stück Brokkoli, dazu einen Bissen Chutney. Jede Komponente besticht durch ihre Gewürze und Kräuter. Das positive Gefühl, das beim Essen von leckeren Speisen aufkommt, macht sich breit. Auch nach kräftigem Zulangen stellt sich kein unangenehmes Völlegefühl ein.

Es gibt nicht wenige Kritiker, welche die heilende Wirkung von Ayurveda anzweifeln. Doch egal ob man an die indische Lebensphilosophie glaubt oder nicht – ein gutes Essen wird kaum jemand ausschlagen.

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Info: Wer von Angela Herrmanns Ayurveda-Küche probieren möchte, trifft sie am nächsten First Friday am Stand von «Chez Mamie» an. Infos zu ihren Kochkursen und weiteren ayurvedischen Angeboten unter https://www.theayurvedaway.ch/

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