Sie sind hier

Abo

Längholztunnel

Aus dem Berg und dann nach Hause

Vortriebspolier Josef Kloiber macht mit seiner Mannschaft am Samstag beim Längholztunnel den Durchstich. Wenige Tage später geht er in den Ruhestand. Es war nach 40 Jahren Tunnels seine letzte grosse Baustelle.

  • 1/2 Vortriebspolier Josef Kloiber beendet in zwei Wochen März seine Tunnelkarriere. Bilder: Janosch Szabo
  • 2/2 Mit dieser Mannschaft macht Kloiber am Samstagmittag den letzten Durchstich am A5-Ostast.
zurück

Audiobeitrag

A5-Umfahrung: Zwischenbilanz vor dem Längholz-Tunneldurchstich. Beitrag von Canal 3

Loading Video...

JANOSCH SZABO


«Drei Worte reichen», meint Josef Kloiber: «Alles ist vorbei». Er grinst unter buschigem Schnauz. Dann kommen die Männer seiner Vortriebsmannschaft, umringen ihn. Kloiber macht knappe Worte, mustert die Arbeiter, die Hände in den Taschen seines Overalls, zuckt mit den Schultern, knickst in die Knie. Ein klares Zeichen. Auf gehts in den Tunnel mit dem Tunnelzug. Der Vortriebspolier steigt als Letzter ein. Es ist eine seiner letzten Fahrten in den Berg überhaupt. Am Samstag werden er und seine Leute im Brüggmoos die Tunnelwand durchbrechen und ans Tageslicht steigen. Dann folgt noch eine Woche Nachtschicht. Dann der Abschied. Kloiber tritt in den Ruhestand. Er freut sich. Aufs Zurücklehnen. Auf ein schönes Leben ohne Stress. Auf Freizeit und Urlaub. «40 Jahre sind genug, sonst gibt es kein Ende.»

Start in Wien, Ziel in Biel

Und dann reichen drei Worte plötzlich doch nicht mehr aus. In einem Containerraum auf der Tunnelbohrmaschine, wo ein Elektroofen bullert, erzählt er von seinem Leben als Tunnelarbeiter. Es begann 1972 auf der Baustelle der U-Bahn in Wien. 7,60 Meter mass das Schneidrad dort. Kloiber war als gelernter Schlosser und nach dem Dienst im Bundesheer gerade arbeitslos durch einen Kollegen zu besagtem Tunnelprojekt gekommen, als «kleiner Hilfsarbeiter», wie er sagt und lacht. Später wurde er Vorarbeiter, 1986 dann Vortriebspolier. Baustelle folgte auf Baustelle, mal in Deutschland, mal in Österreich.

Und nun zum Abschluss der Karriere das dreijährige Engagement in der Schweiz, der A5-Ostast am Rande Biels. Eine Premiere für Kloiber und obendrein ein Einsatz mit einer Tunnelbohrmaschine nie erlebten Ausmasses. Er musste sie erst einmal eingehend kennen lernen. Begleitpersonal vom Hersteller und Elektriker halfen ihm dabei.

Der letzte Durchstich

Mittlerweile macht «Sepp», wie ihn die Kollegen nennen, seine Kontrollgänge auf dem 110 Meter langen Stahlmonster als wäre es sein Daheim. Er wirkt äusserst gelassen. Selbst auf das grosse Finale angesprochen, antwortet Kloiber: «Reine Routine. Das haben wir schon oft gemacht.» Und doch wird es für ihn ein spezieller Moment sein, der letzte Durchstich seiner Karriere und der mächtigste dazu. Vom Applaus der geladenen Gäste, der Kollegen und weiterer Interessierter aus der Baugrube wird er sich ruhig eine Scheibe abschneiden dürfen.

Spannender allerdings war für Josef Kloiber die Verschiebung der Tunnelbohrmaschine über die Offenstrecke in Orpund. «Das war neu. Da hatten wir keine Erfahrung. Da mussten wir einfach Schritt für Schritt machen.» Eine Herausforderung eben – so wie auch die sehr anspruchsvolle und wechselnde Geologie unter Tage.

Kloiber war der Mann, der koordinierte, Arbeiten zuwies, der reagierte, wenn Probleme auftauchten, und Anweisungen gab, hinaustelefonierte, um Hilfe zu holen, oder selber an die Hand nahm, was nicht mehr funktionierte. Er habe hier wirklich seine Erfahrung einbringen können, sagt er. Die Zusammenarbeit mit den Vorgesetzten sei sehr angenehm gewesen, die mit der Mannschaft auch. «Wie eine Familie ist das. Die hier erlebte Kameradschaft wird hängen bleiben.»

Und was er sonst mitnimmt? Ein Souvenir aus der Region vielleicht? Einen Wein? Kloiber winkt ab. Vom Wein hier habe er wohl getrunken, aber Wein gebe es auch zu Hause in der Steiermark, nahe Graz. Dort wohnt er mit seiner Frau. Die Kinder sind schon ausgeflogen. Enkel gibt es keine. Schade eigentlich, jetzt habe er dann ja Zeit, meint Kloiber. «Vielleicht haben andere welche?» Er grinst unter buschigem Schnauz. Das Förderband läuft an. Der Chef geht auf Kontrollgang.

Countdown bis zum Durchstich
• Jetzt sind es noch zehn Meter bis ins Brüggmoos.

• Gestern Abend montierten die Tunnelarbeiter in der zweiten Röhre des Längholztunnels Ring Nummer 1153 .

• Ein Ring besteht aus je sieben zusammengefügten Betonelementen (Tübbinge) und ist zwei Meter breit.

• Nun wird noch bis auf 1,20 Meter ans Portal herangefahren. Am Samstag gegen 12 Uhr erfolgt der Durchstich.

Nachrichten zu Biel »