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Biel

Agglolac-Abstimmung erneut verschoben

Die Volksabstimmungen in Biel und Nidau zum Projekt Agglolac finden frühestens Ende 2018 statt. Damit hinkt das «Jahrhundertwerk» dem ursprünglichen Zeitplan bereits um zwei Jahre hinterher. Die Verantwortlichen nehmen das gelassen.

Es dauert noch mindestens vier Jahre bis zum Baubeginn von Agglolac. Bild: zvg
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Carmen Stalder


Der Entscheid, ob das Projekt Agglolac gemäss dem bestehenden Konzept realisiert wird, fällt nicht vor Ende 2018. Das teilte die Projektgesellschaft Agglolac gestern mit. Die Volksabstimmungen in Nidau und Biel könnten frühestens auf diesen Termin angesetzt werden. «Der Planungsprozess dauert länger, als wir ursprünglich gedacht haben», sagt Sandra Hess (FDP), Stadtpräsidentin von Nidau.

Drei Bereiche der Planung müssten noch vertieft werden. So bestehen offene Fragen zur Mobilität, zur Infrastruktur und zur Nutzungsdichte respektive zum Ortsbild. Darunter fällt etwa das umstrittene Hochhaus. «Die Denkmalpflege hat ihr Bedenken geäussert, dass das Hochhaus das Stadtbild von Nidau mit seinem Schloss konkurrenziere», sagt der Bieler Stadtpräsident Erich Fehr (SP). Seitens der Projektgesellschaft teile man diese Meinung zwar nicht. Man versuche nun, im Dialog eine Lösung zu finden.

Zusätzliche Abklärungen sind ausserdem beim Thema Verkehr gefragt. «Wir haben bereits heute ein starkes Verkehrsaufkommen, das noch weiter zunehmen wird. Wir brauchen deshalb ein Konzept, das nicht nur den Perimeter von Agglolac berücksichtigt», so Fehr. Ein weiterer Aspekt, der vertieft werden müsse, ist die Nutzungsdichte. Die geplante Dichte zu reduzieren erachtet Fehr nicht als sinnvoll. «Die Dichte ist zwar hoch, aber vertretbar.»

Diese Punkte hatten schon in der öffentlichen Mitwirkung von 2015 am meisten zu reden gegeben. Dass es zu der Verzögerung kommt, habe allerdings nichts mit den kritischen Stimmen in der Mitwirkung zu tun, sagt Hess.


Mehr Lebensqualität als Ziel

Für die Nidauer Stadtpräsidentin ist die Verzögerung von rund zwei Jahren gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan weder eine Überraschung noch eine Enttäuschung. «Es ist normal, dass eine Quartierentwicklung dieser Grössenordnung grosse Herausforderungen mit sich bringt. Wir haben immer gesagt, dass wir uns die nötige Zeit nehmen werden, um gute Lösungen zu finden», sagt Hess.

Fehr pflichtet ihr bei: «Trotz einzelner Hürden, die wir noch nehmen müssen, stehen die Ampeln weiterhin klar auf Grün.» Die beiden Städte wollten an den ursprünglich definierten Zielen festhalten. «Unsere Vision ist und bleibt die eines städtischen Quartiers, das der ganzen Bevölkerung einen Mehrwert an Lebensqualität bietet und unsere Region noch attraktiver macht. Wir kommen der Umsetzung dieser Vision Schritt für Schritt näher», so Fehr.


Kritik an Verantwortliche

Victor Sauter, Nidauer SVP-Stadtrat und Mitglied der Agglolac-Kommission, zeigt sich kritischer: «Das Agglolac-Projekt ist eine verworrene Sache und wird sich ganz sicher noch mehr verzögern», sagt er. Dem widerspricht Sandra Hess. Unüberwindbare Hindernisse seien keine auszumachen und die Planung sei insgesamt auf Kurs.

Sauter hingegen befürchtet, dass noch mehrere grosse Probleme auf die Planer zukommen, so etwa beim Verkehr oder in der Schulplanung. Gemäss dem Schlussbericht Schulraumplanung Nidau sind durch Agglolac bis zu 250 zusätzliche Schüler zu erwarten. Da werde man ein ganz neues Schulhaus bauen müssen, sagt Sauter. «Langsam sollten die Verantwortlichen mit der ganzen Wahrheit herauskommen, derzeit wird mehr unter dem Deckel gehalten als nötig.»

Max Wiher, Bieler GLP-Stadtrat und Mitglied von Publilac, sieht der Verzögerung gelassen entgegen. «Das ist völlig normal bei so grossen Projekten.» So bleibe seiner überparteilichen Initiative, die sich für ein öffentliches attraktives Seeufer einsetzt, mehr Zeit, um das weitere Vorgehen zu planen.

Die Städte Nidau und Biel sowie ihr privater Partner Mobimo arbeiten seit 2012 am Projekt einer Stadterweiterung an den See. Nachdem sich die Bevölkerung im Herbst 2015 zur Planung hatte äussern können, wird die baurechtliche Grundordnung von Nidau derzeit angepasst.

Nach ihrer Vorprüfung durch den Kanton erfolgt voraussichtlich vor Ende Jahr die öffentliche Auflage der Pläne und Reglemente. Nach einer allfälligen Bereinigung gelangen sie in Nidau zur Abstimmung. Gleichzeitig werden die Stimmberechtigten von Nidau und Biel über die Abgabe ihrer Grundstücke an den Investor Mobimo und über den Kredit zur Erstellung der öffentlichen Infrastrukturen abstimmen.

Kommentare

ligerius47

Nicht schon wieder ein Schnellschuss Hr. Fehr. Macht jetzt endlich endlich einmal ein Projekt das vollständig ausgearbeitet ist. Dazu gehören auch die damit verbundenen Verkehrsfragen. Visionen Hr. Fehr genügen nicht.


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