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„Krawattenzwang“

Ach, liebe Schnitzelbänkler

Im persönlichen Blog berichtet Bernhard Rentsch, publizistischer Leiter der Gesamtredaktion und Chefredaktor „Bieler Tagblatt“ wöchentlich über Erlebnisse im privaten wie im beruflichen/gesellschaftlichen Leben – dies immer mit einem Augenzwinkern. Heute: Ach, liebe Schnitzelbänkler.

Krawattenzwang: Bernhard Rentsch
  • Dossier

Am Mittwochabend übernahmen sie die Macht, während vier Tagen regierten die Narren: Die Bieler Fasnacht, wie immer eingeklemmt zwischen den närrischen Tagen in Luzern und in Basel, gehört der Vergangenheit an. Meine Bilanz: Gut – viel besser, als auch schon.

Zugegeben, ich bin kein Fasnächtler. Noch nie habe ich mich verkleidet ins Getümmel gestürzt, noch nie war ich aktiv am Umzug mit dabei und die Aktivitäten der Guggen kenne ich nur als Konsument. Ich habe aber durchaus Sympathien. Früher gehörten die närrischen Tagen zum Ausgangs-Pflichtprogramm, das des Öfteren bis in die frühen Morgenstunden dauerte.

Die Fasnacht entwickelte sich in den letzten Jahren stark weiter und passte das Programm den Wünschen und Bedürfnissen an. Sonntagabend und Wochentage wurde tabu – da fehlen zu Viele, die Fasnachtstage mit Ferienabwesenheiten am Arbeitsplatz kompensieren. Also konzentriert man sich auf ein verlängertes Wochenende.

Eingeläutet wird dies am Mittwoch durch den Charivari, den Sternmarsch der Guggenmusiken in der Altstadt. Das zählt für mich seit jeher zu einem Höhepunkt, auch wenn man in diesem Jahr wegen des etwas gar garstigen Wetters gar nicht rühmen konnte.

Und dann der Schnitzelbankabend vom Donnerstag: Ach, liebe Schnitzelbänkler, möchte man dazu sagen. Vor Jahren war’s ein gefeierter Anlass mit tollen und humorvollen Auftritten. Dann kam meines Erachtens eine Durststrecke. Die Verse waren zwar bissig, häufig aber auch grenzwertig: Sich auf Kosten von Randgruppen und sozial schwierigen Situationen lustig zu machen, finde ich nicht sehr gelungen. Die Auftritte waren mir einen Moment lang zu rassistisch. Dabei gibt es doch in Biel wahrlich genug andere Sujets und Themen, die man aufs Korn nehmen darf. Noch mehr als ein oranges Haus oder ein umstrittener US-Präsident.

Entsprechend wenig optimistisch war ich am letzten Donnerstag im Kongresshaus mit dabei. Und siehe da: Ich wurde positiv überrascht. Die Verse waren zum Grossteil gut getextet und gut vorgetragen, die Themenauswahl breit, bissig und lustig. Ausreisser gab’s, aber die waren die Ausnahme. Was uns zum Beispiel die „Seegrundwühler“ boten, war beste Unterhaltung. Gratulation. Weiter so. Es ist nicht ganz einfach, die richtigen Themen zu wählen, das nötige Versmass zu finden und in einer überraschenden Pointe aufzulösen. Nachwuchs ist gesucht. Nur zu, ich freue mich.


brentsch@bielertagblatt.ch
Twitter: @BernhardRentsch

 

Kommentare

mordillo

Langweiliges Bashing auf Trump? Lustig dass man so einem nicht den Spiegel vorhalten soll! Trump ist das gefunden fressen für jeden Bänkler, die Themen sind unendlich. Mauerbau, Lügen, Twitter, und und und. Gestern haben die Basler Bänggler diese Vielfalt gut gezeigt. Neben all den anderen Themen. Und was toll war in Basel: ausnahmslos jeder Schnitzelbank hatte ein ganz aktuelles Thema im Repertoire, dieses Jahr natürlich der Sturz von Blocher von letzter Woche. Zurück zu den Bieler Bänk: Seegrundwühler top, Dörfligeischter wie immer "eine Bank"! Hoffentlich finden sich genug Bänkler die diese schöne und wichtige Tradition der Fasnacht weiterführen.


wilsch28

...werte Bieler & Bielerinnen, bitte schaut euch nur einmal (1 x), wenn schon toujours kopieren... das Basler Charivari, die Basler "Original" Schnitzelbänke gut an, diese sind in Kostüme, Effekte, Lied, Verse und Reimen definitiv so nicht zu kopieren. - Kreiert doch bitte, bitte ...eine ganz authentische Bieler Fasnacht, BITTE! - Wahrhaftig: an Seeländischen Themen fehlt es nicht und noch was: ICI C'EST BILINGUE, ALLEZ LES WELSCH, nicht? Jede Bieler Strasse ist 2 sprachig, nur die Bieler Fasnacht nicht...


Gulliver

Die Schnitzelbänke halten euch Medien und den Politikern den Spiegel vor die Augen! In Biel gibt es halt andere Themen als das langweilige bashing auf Trump. Das orange Haus zum Beispiel und die Stadt im allgemeinen. Unglaublich was aus dieser Stadt geworden ist. Das denke ich jetzt einmal mehr wieder, nachdem ich 5 Tage dort gewohnt habe!


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