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Athen/Rom

Ärzte ohne Grenzen fordern radikales Umdenken in Flüchtlingspolitik

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) fordert von der EU ein radikales Umdenken in der Flüchtlingspolitik. Die Organisation prangert die Lebensumstände von Flüchtlingen in griechischen Lagern an.

(sda) "Vier Jahre nach dem Flüchtlingspakt leben auf den griechischen Inseln 35'000 Menschen im völligen Chaos und ohne jegliche Würde", sagte der internationale Präsident der Organisation, Christos Christou, am Freitag in Athen. Die Situation dort sei vergleichbar mit den schlimmsten Camps weltweit. Die Lager müssten sofort geschlossen und die Menschen aufs europäische Festland gebracht werden, forderte er im Anschluss an einen Besuch auf den Inseln Lesbos und Samos.

Mit Humanität, die sich die EU auf die Fahnen geschrieben habe, habe das nichts mehr zu tun, sagte Christou. Folteropfer, psychisch kranke Menschen und Kinder würden nicht ausreichend versorgt. Flüchtlinge lebten zum Teil bereits seit zwei Jahren unter Plastikplanen. "Den Menschen dort wird nicht nur nicht geholfen, sondern ihre Verfassung verschlechtert sich dort noch zusätzlich", sagte Christou.

Der Arzt kritisierte auch die Pläne der griechischen Regierung, auf den Inseln geschlossene Zentren zu errichten. "Daraus werden über kurz oder lang Gefängnisse werden." Auch die Massnahme, Tausende Migranten auf das griechische Festland zu bringen, werde die Lage nicht massgeblich verbessern. "Dort gibt es ebenfalls keine ausreichenden, angemessenen Unterkünfte."

Das Rettungsschiff "Ocean Viking" ist unterdessen nach der Bergung von mehr als 200 Flüchtlingen auf der Suche nach einem sicheren Hafen. Zugleich meldete die Organisation SOS Méditerranée am Freitagmittag zwei medizinische Notfälle: eine mit Zwillingen schwangere Frau und einen Mann mit Schusswunden. Diese beiden müssten sofort an Land gebracht werden, schrieb SOS Méditerranée auf Twitter.

Das Schiff, das von SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen betrieben wird, hatte bei drei Rettungen zwischen Dienstag und Donnerstag insgesamt 215 Menschen an Bord genommen. "Die Ocean Viking nimmt nun Kurs nach Norden, um bei europäischen Seefahrtsbehörden die Zuweisung eines sicheren Ortes anzufordern, an dem die Geretteten an Land gehen können", hiess es in einer Pressemitteilung. Zuvor hätten die libyschen Behörden Tripolis als sicheren Hafen angegeben. Nach dem Völkerrecht könne Libyen aber nicht als sicherer Ort gelten.

Derzeit ist auch das spanische Rettungsschiff "Open Arms" im Mittelmeer unterwegs. Es hatte am Donnerstag 73 Migranten an Bord genommen. Die Überfahrt ist für Bootsflüchtlinge um diese Jahreszeit wegen Stürmen und Kälte besonders gefährlich.

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