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«Grande» ist in Lugano vor allem die Nervosität

Lugano, als einer der Mitfavoriten in die Meisterschaft gestartet, fristet ein 
unrühmliches Dasein unter dem Strich. Doch Zeichen der Besserung deuten sich an.

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dm. Seit Wochen herrscht im Tessin der eishockeytechnische Ausnahmezustand: Während im Sopraceneri Ambri brilliert, ist im Sottocenerei das einstige «Grande Lugano» längst nicht mehr «grande» und krebst unter dem Strich. Verkehrte Welt, könnte man meinen. Nein, in Ambri spielt eine Einheit, in Lugano eine zusammengewürfelte Truppe von Individualisten. Die einen haben das Herz am richtigen Fleck, die anderen nicht. Die einen haben einen Trainer (Luca Cereda), der mitreisst und zusammenschweisst, die anderen einen Systemfreak (Greg Ireland), der den Stars das Verleiden gelehrt hat. Und so kommt es, dass einer der Mitfavoriten auf den Meistertitel, Lugano, unter dem Strich vegetiert und seit Wochen vergebens nach den Gründen für den Niedergang sucht. Die üblichen Durchhalteparolen sind an der Tagesordnung, der Trainer steht zur Diskussion, doch passiert ist – mit Ausnahme von zwei Siegen in Folge – noch nicht viel. Oder doch: Das renommierte Tessiner Eishockeyportal «heshootshescores» fasst die letzten Tage in einer Art und Weise zusammen, die Hoffnung auf Besserung signalisiert: Lugano habe in Bern sehr gut gespielt, besser als je zuvor im Jahr 2019, aber mögliche Punkte vergeben. Die beiden Siege gegen die ebenfalls darbenden Lakers und Gottéron hingegen habe eine Mannschaft eingefahren, die zwar besser als zuletzt gespielt habe, dennoch ihr Potential längst nicht richtig habe abrufen können. Was nichts anderes heissen will, als dass sich Lugano – in Sachen spielerischer Substanz, Disziplin und Einsatzwille – auf dem Weg zur Besserung befindet.

Kann sein, denn Stürmer Alessio Bertaggia, eigentlich kein Lautsprecher und mit 10 Punkten in der internen Skorerliste nur auf Rang 15, hatte Zeichen der Besserung ausgemacht: «Die Playoffs haben in den beiden verlorenen Spielen gegen die ZSC Lions begonnen. Die Zeit der Ausreden ist vorbei, wir haben die Qualität, wir müssen nur an uns glauben.» Eine nicht unübliche Kampfansage vor der Niederlage in Bern. Bertaggia lieferte auch gleich noch ein Rezept oben drauf, wie man in den entscheidenden Partien um Sein oder Nicht-Sein Erfolg haben könnte: Man habe gegen Gottéron trotz einem Rückstand den Kopf nicht verloren und das Spiel drehen können – das sei doppelt positiv zu werten. «Wichtig ist nicht, was bereits passiert ist, sondern was noch passieren kann.» Man müsse nach vorne schauen und Negatives ausblenden, meinte Bertaggia.

Soweit zur Theorie, aber wie steht es in der Praxis? Eigentlich müsste Lugano, bei dem seit dieser Saison der Ex-Bieler Benoît Jecker im Team figuriert, vom Talent her ja zu den besten Teams der Liga gehören. Aber was lehrt uns die Eishockeygeschichte? Talent allein genügt eben nicht, da sind andere Erfolgsfaktoren ebenso wichtig und unerlässlich – siehe Ambri.