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Filmkritik

"The Second Best Exotic Marigold Hotel": Wohlig

John Maddens Werk ist wie ein Altweibersommer – nicht mehr so prickelnd wie Vergangenes, sondern sanft und dafür gemacht, sich einfach nur zurückzulehnen.

Wohlgefühl in der Kolonie: Hochkarätige Schauspieler, ein «Lebensabend-Hotel» und wenig Fokus machen das «Second Best Exotic Marigold Hotel» aus.

von Nadine A. Brügger

In einem Cabriolet brausen Rentnerin Muriel Donnelly (Maggie Smith), tief im Herzen lieb, und der unverwüstliche Strahlemann / Hoteleigentümer Sonny Kapoor (Dev Patel) über die Route 66 in den Sonnenuntergang.

Doch, Moment, was machen wir in den USA? Warum sind wir nicht in Indien? Was ist aus dem baufälligen Hotel in Jaipur geworden, in dem eine Handvoll britischer Rentner – gespielt von den Besten über 60 – einen ungestörten Lebensabend verbringen wollte?

Keine Sorge: Was eine passable Schlussszene für viele Hollywood-Filme wäre, ist der Beginn des «Second Best Exotic Marigold Hotel». Die Handlung von John Maddens Fortsetzung des grossen Erfolgs «The Best Exotic Marigold Hotel» plätschert ohne nennenswerte Stromschnellen dahin: Morgen für Morgen werden die Gäste zum Appell gerufen – nicht, dass einer der Rentner den ganzen Tag tot im Zimmer liegt – und gehen danach ihrem sorglosen indischen Alltag nach. Doch die Sorgen rücken bald nach und das gleich doppelt: Sonnys grosse indische Hochzeit steht an, Tanzstunden, gut betuchter Rivale und viel Bollywood inklusive. Zudem hegt der junge Inder Expansionsgelüste, denn das Marigold Hotel ist dank zwei Neuzugängen endlich proppenvoll. Sonny träumt von einer Altershotelkette, die weit über die Grenzen Indiens hinausreicht. Irgendwann – denn aktuell bereitet ihm schon der Kauf einer zweiten Immobilie reichlich Schwierigkeiten, weshalb er zusammen mit Co-Managerin Muriel nach amerikanischen Investoren sucht. Mit dem Konzept «Warum hier sterben, wenn man da auch dort tun kann?» und einigen flotten Sprüchen will er die Welt westlicher Rentner für immer – oder zumindest bis zum allerletzten Check-out – erobern.

Damit ist Sonny nicht allein, denn erobern will im ewigen Sommer Indiens ein jeder: Douglas (Bill Nighy) ungelenk wie der Jungspund, der er einst war, die verwitwete Evelyn (Judi Dench), die wiederum als professionelle Einkäuferin den indischen Stoffmarkt. Schwerenöter Norman (Ronald Pickup) seine noch nicht monogam lebende Partnerin Carol (Diana Hardcastle), die äusserst potente Madge (Celia Imrie) gleich mehrere reiche indische Junggesellen, Sonny den charmanten neuen Hotelgast Guy Chambers (Richard Gere), den er für einen Hoteltester hält – und dieser wiederum aussgerechnet Sonnys Mutter, Mrs. Kapoor.

Wie der Titel bereits verkündet, geht es hier nicht mehr um das beste, sondern um das zweitbeste Marigold Hotel: Madden versuchte gar nicht erst, etwas Neues zu bieten, sich selber zu übertreffen und der Welt zu beweisen, das Fortsetzungen nicht immer Abklatsche sein müssen. «Never Change a Winning Team», muss er sich gesagt haben – und wenn doch, dann füge höchstens Richard Gere hinzu. Während das Original Themen wie Älterwerden und Loslassen, verpasste und zweite Chancen zwar charmant, aber dennoch eindringlich thematisierte, ist die Fortsetzung in erster Linie auf Unterhaltung aus. Zwar spielen vor allem die Dialoge mit unerbittlichem Schalk die Rentner-Karte aus, doch mehr als eine Vorlage für Komik und ein klein wenig Rührseligkeit ist die Vergänglichkeit hier nicht mehr. Was aber nicht heisst, dass man dem angenehmen Filmgeplätscher nicht ganz gerne 1001 Minuten zusehen würde. Denn gut tut es.

Info:In den Kinos Belgua und Rex 1/2, Biel;auch in Grenchen.

BEURTEILUNG BT-FILMKRITIKER

- Nadine A. Brügger: *** (von 5 Sternen)

Stichwörter: Filmkritik

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