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Figurentheater

Mäuse werden zu Philosophen

In Studen wird mit dem Figurentheater «Lueg use, Martin» Kleinkunst für Kinder und Erwachsene geboten. Eine einfache Geschichte – aber mit viel Tiefgang.

Auf der Bühne werden sie lebendig:Die Figuren für das Theater «Lueg use, Martin». Bild: zvg

mt/egs. Eine kleine Bühne, dezente Beleuchtung und Puppen-figuren mit Knopfaugen: mehr braucht es nicht, um die Zuschauer für eine Weile lang aus der vorweihnächtlichen Hektik herauszureissen und innehalten zu lassen. Denn in Studen gibt es mit der berndeutschen Geschichte «Lueg use, Martin» ab Sonntag berührende Kleinkunst für Erwachsene und Kinder ab fünf Jahren zu sehen. Die Handlung ist einfach, angeschnitten werden aber die grossen Themen: Hass und Versöhnung, Hilfsbereitschaft und Menschenliebe, unersättliches und zufriedenes Leben.
Tolstoi mal anders
Am Anfang war es lediglich ein Traum. Entstanden ist daraus ein fast einstündiges Werk. Die Kinderanimatorin und Erwachsenenbildnerin Brigitte Gerber aus Studen erfüllte sich dieses Jahr den Wunsch nach einem eigenen Figurentheater. Die Geschichte für die Umsetzung war schnell gefunden: «Wo die Liebe ist, da ist auch Gott», geschrieben von Leo Tolstoi. Das mag überraschen, denn der russische Schriftsteller ist eher für grosse Roman-Wälzer («Krieg und Frieden», «Anna Karenina») als denn für Kurzerzählungen bekannt. Überdies galt Tolstoi als Anarchist und wurde 1901 von der orthodoxen Kirche exkommuniziert. Gleichzeitig hatte Tolstoi zeitlebens einen tiefen Glauben an das Wirken Gottes in der Welt, religiöse Fragen und Themen wie Nächstenliebe standen für ihn im Zentrum. Im Wesen von Schuster Martin, dem Protagonisten in der Erzählung, dringt diese Haltung immer wieder durch.
Über das Fressen hinaus
«Die Geschichte hat mich schon als kleines Kind fasziniert», sagt Brigitte Gerber, die seit 15 Jahren in der Deutschschweiz als Puppenspielerin auftritt. Auch, weil die Erzählung ein anderes Gesicht von Tolstoi zeige. Deshalb sei es ihr auch wichtig gewesen, das Stück möglichst unverändert umzusetzen, so Gerber weiter.
Im von Gerber adaptierten Stück gibt der mittellose Schuhmacher Martin fast unbemerkt viel Wärme und Liebe an seine Mitmenschen weiter. Diese Begegnungen ergänzte Gerber mit einem Nebenschauplatz. Mäuse wuseln in der Schuhmacher-Werkstatt umher und mischen die Szene auf. Maus Melchior bekommt Besuch von seinem Bruder Balthasar. Natürlich geht es den Nagern vor allem ums Fressen, aber nicht nur. Martin und sein Verhalten werden zum Thema und werfen bei den Tieren, die zur Sprache finden, Fragen auf: über Reichtum und Zufriedenheit beispielsweise.
Die Premiere Mitte November liess zahlreiche berührte Besucherinnen und Besucher zurück. Wohl auch, weil die alte Erzählung rund um menschliche Wärme in kalten und krisendominierten Zeiten wie diesen nichts von ihrer Aktualität eingebüsst hat.
Aufführungen in Studen
«Lueg use, Martin» wird in der verbleibenden Adventszeit mehrmals im Begegnungszentrum H2, Hurnimattweg 2, in Studen aufgeführt (siehe Infobox). Neben den normalen Vorstellungen gibt es als besonderen Leckerbissen am Samstag, 17. Dezember, den Advents Benefiz Verwöhnabend, bei dem die Besucher auch kulinarisch auf ihre Rechnung kommen: Das Figurentheater wird im Wechsel mit einem 5-Gang-Menü serviert.

Vorstellungen
• So, 11. Dezember, 11 Uhr
• Sa, 17. Dezember, 19 Uhr, mit Advents Benefiz Verwöhn-abend (nur für Erwachsene)
So, 18. Dezember, 15 Uhr
Mi, 21. Dezember, 14 Uhr
• Eintritt: CHF 12.– (Erwach-sene) / CHF 8.– (Kinder)
• Verwöhnabend: CHF 80.–, inkl. 5-Gang-Menü und sämtliche Getränke
• Ort: Begegnungszentrum H2, Hurnimattweg 2
• Dauer: rund eine Stunde
• Alter: ab fünf Jahren     (mt)
LINK: www.happy-kids.ch/index.php/Aktuell

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