Was für eine Wundertüte!
Was hat doch diese Band nicht alles schon gemacht in den 20 Jahren
ihres Bestehens. Wunderbare Seventies-Soundtracks für Filme
geschrieben, die gar nie gedreht worden sind. Oder sie ist zusammen mit
den Jazzrock-Avantgardisten Jaga Jazzist in den «Fishtank» gestiegen
und hat grenzgängerisch gejammt.
(tg) Und nun also das 15. Studioalbum mit dem leicht bizarren Namen «Heavy Metal Fruit». Doch wer nun von Motorpsycho plumpen 80er-Heavy-Metal erwartet, liegt gänzlich falsch. In mehr als 60 Minuten Spielzeit bringen die Norweger gerade mal sechs Stücke unter, und die haben es in sich. Immer wieder verabschieden sich die Musiker von herkömmlichen Songstrukturen in ausufernde Solo- und Noisepassagen, um dann umso effektvoller wieder in klarer strukturierte, gitarrenlastige Strophen oder Refrains einzumünden. So etwa im Eröffnungsstück «Starhammer»: Zuerst passiert mal eine Weile lang gar nichts, von Ferne kündet sich eine Gitarre an, die wieder verstummt, um schliesslich ganz leise zu klimpern. Es folgt bombastisch das Thema und dann trocken der riffgeprägte «Grundteil» des Stücks mit mehrstimmigem Gesang. Im Mittelteil aber gehen Motorpsycho auf die Reise, improvisieren, sind dem Jazzrock deutlich näher denn dem Heavy Metal, kreieren Stimmungen, tanzender Sternennebel, explodierende Sonnen, Spacerock, wie man das auch nennen will. Ein Song des Namens «X-3 (Knuckleheads in Space) / the Getaway Special» tönt dann schon, wie er heisst, und «W.B.A.T.» startet vom Freejazz direkt zum stampfenden Rock durch. Einfach faszinierend.
Info: Motorpsycho: «Heavy Metal Fruit» (Stickman/Irascible)