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Nette Überraschungen
Shooterfans haben es mit der PSP nicht leicht. Die Einschränkungen der Hardware durch den fehlenden zweiten Analogstick wiegen schwer. Bewegungen der Spielfigur und Kamera wären gerne separat steuerbar. Den Blick nicht nur nach links und rechts, sondern auch nach oben und unten lenken zu können bleibt ein stets unerfüllter Wunsch. Dass es doch irgendwie geht, diesen Limitierungen zu trotzen, beweisen bereits zum dritten Mal die US Navy SEALS.
Die eigentliche Überraschung ist Wraith, der Anführer eines neu formierten Vierertrupps und die spielbare Figur. Seine Haut ist dunkler als man es beim Anführer einer solchen Spezialeinheit erwarten würde. Unerkannt muss der Squad nämlich in das fiktive Korvatien eindringen. Im noch jungen Staat, einst Republik der Sowjetunion, treiben ein Ex-KGB Agent und die KRA, eine Milizarmee mit dem unehrenhaften Ziel, die demokratischen Führung des Landes zu stürzen, ihr Unwesen. Eine unbekannte Menge einer biologischen Massenvernichtungswaffe macht den Konflikt auch für westliche Mächte relevant.
Was in der Anlage nach amerikanischem Patriotismus riecht, wird im Spiel überraschend subtil umgesetzt. Wohl geht es ums Töten, um Terror und die Bedrohung durch die russische Führung. Rassistische Sprüche und proamerikanische Propaganda bleiben erfreulicherweise aber aussen vor. Die kernigen Dialoge der Männer zeigen vor allem eines: Sie wollen alle möglichst schnell und möglichst heil wieder nach Hause.
Baggypants oder weisse Weste
Weitläufige Innen- und Aussenareale wechseln sich ab. Das Wetter variiert von Einsatz zu Einsatz. Besonders die Missionen unter Schneefall sind sehr atmosphärisch umgesetzt. Erinnerungswürdig bleiben beispielsweise die Szenen in der verlassenen Skistation. Skihütten und Bahninfrastruktur vermitteln ein fast schon surreales Ambiente. Immer passend zu den äusseren Gegebenheiten und dem Einsatzplan ist auch die eigene Truppe eingekleidet. Vom legeren Strassenstil bis zur weissen Gebirgsjägerausrüstung sind die Männer stets neu herausgeputzt.
Die Waffenauswahl wird ebenfalls vom Spiel getroffen, sie kann aber nach eigenen Vorlieben nachträglich verändert werden. In der Regel findet man auch in der Standardauswahl das passende Gerät oder stösst während der Mission auf die notwendigen Mittel wie Granaten oder Raketenwerfer samt Munition. Der Klang der einzelnen Geräte ist gut, die Rückmeldung bei Treffern oder ein Rückstoss bei Schussabgabe aber leider kaum vorhanden.
Spielzeuge für Technikverrückte
Der Waffenauswahl sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Diverse Visiere, Schalldämpfer und Laserpointer sind auf die unzähligen Handfeuerwaffen montierbar. Man kann die Magazinkapazität erhöhen oder die Präzision verbessern. Wer will, kann gar unter den Hauptlauf einen zweiten schrauben und die Frequenz erhöhen. Eine Spielwiese für alle Hobbybastler.
Die Zoomvisiere sind eine echte Hilfe. Sie machen aus praktisch jedem Sturmgewehr eine Sniperwaffe. In dunklen Innenräumen kommt zudem ein Nachtsichtgerät zum Einsatz. Um in bestimmten Nebenaufträgen die nötigen Informationen festhalten zu können, darf man jederzeit auf einen Feldstecher mit Fotofunktion zählen. Blend- und andere Granaten helfen bei taktischen Manövern, wenn beispielsweise der Trupp Gegner flankieren soll. Raketenwerfer holen Hubschrauber vom Himmel oder zerlegen gepanzerte Fahrzeuge.
Es wird wirklich viel geboten. Nur Fahrzeuge selber steuern liegt leider nicht drin. Sämtliche Fortbewegungen per Heli, Boot oder Jeep finden in kleinen Zwischensequenzen statt. Wenn man wieder selber mittun kann, stehen Wraith und seine drei Männer immer auf festem Boden.
Fazit: Variantenreich, aber zu kurz
„SOCOM: Fireteam Bravo 3“ bietet eine spannende und abwechslungsreiche Kampagne. Die Geschichte um die biologischen Massenvernichtungswaffen bietet zwar nur Standardware, ist jedoch stimmig in Szene gesetzt. Die Entwickler reizen die grafischen Möglichkeiten der PSP voll aus. Das Spiel sieht einfach gut aus. Je nach Vorliebe des Spielers ist eine actionlastigere oder taktischere Vorgehensweise möglich, um seine Ziele zu erreichen.
Auch für PSP-Verhältnisse ist der Titel für Einzelspieler zu schnell zu Ende. Darüber trösten auch die danach freigeschalteten Benutzermissionen und die unterschiedlichen Mehrspielervarianten nicht hinweg.
Die Einschränkungen der Konsole mit ihrem leidlich präzisen einzelnen Stick hat Auswirkungen auf den Schwierigkeitsgrad. Die an sich sehr gute und hilfreiche Zielerfassung mit der rechten Schultertaste macht Treffer praktisch im Schlaf möglich. Profis wird das stören. Sie werden sich mit den über 50 verschiedenen, umbaubaren Waffen trösten und natürlich vor allem online miteinander messen müssen.
Positiv aufgefallen:
- Toll inszenierte Missionsbriefings
- Wenig Hurrapatriotismus
- Ein Farbiger ist der spielbare Squadleader
- Riesige Waffenauswahl
- Handliche Zielhilfe
- Einstellbare Benutzermissionen
- Gute Steuerungsbelegung
- Sehr gute Sprecher
Negativ aufgefallen:
- Wenig originelle Story
- Nur beschränkte Übersicht durch den einzelnen Stick möglich
- Keinerlei Leben in den verschiedenen Arealen
- Zielhilfe senkt den Schwierigkeitsgrad enorm
- Keine Fahrzeugmissionen
Spielspass 7.5 von 10 Punkten
Erhältlich für PSP
Freigegeben ab 16 Jahren
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