Die Geschichte des persischen Prinzen ist auf Konsole eine Erfolgsstory ohnegleichen. Seit 1989 erfreut er Fans weltweit mit seinen Künsten und war auch für Titel mit Lara Croft immer wieder offensichtliche Inspiration. Natürlich gab es in der Vergangenheit auch die eine oder andere Pleite, aber Totgesagte leben bekanntlich länger.
Als 2008 der letzte Prince of Persia-Gametitel mit grandioser Cel-Shadinggrafik aber zu niedrigem Anspruch und Schwierigkeitsgrad erschien, glaubte man die Serie bereits am Ende. Das Redesign hat ihr nun aber gut getan. Glücklicherweise konnte sich Hersteller Ubisoft für „PoP: Die vergessene Zeit“ eine direkte Umsetzung des kürzlich erschienen ersten Prince of Persia-Films verkneifen.
Stattdessen spielt die Handlung von „Die vergessene Zeit“ zwischen „The sands of time“ und „Warrior within“, Teil eins und zwei der erfolgreichen Prinzentrilogie von 2003 bis 2005. Neben der Zeit beherrscht der Prinz nun auch die Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft.
Familienangelegenheiten
Malik, der Bruder des Prinzen, steht unter Druck. Sein Königreich wird von brutalen Kriegern belagert. Um sie zu besiegen, beschliesst er die mächtige Sandarmee zu entfesseln. Auch auf den eindringlichen Rat des Prinzen lässt er sich nicht davon abbringen. Die Konsequenzen sind fatal. Der dabei befreite Dschinn namens Ratash wendet sich mit der Sandarmee nach den Belagerern gegen die Bevölkerung und lässt sie zu Steinsäulen erstarren. Malik gerät immer mehr in den Strudel des Bösen und unter Einfluss der schwarzen Magie von Ratash. Nachdem dieser ganz Besitz von ihm ergriffen hat, sieht sich der Prinz vor eine schwierige und schmerzhafte Entscheidung gestellt.
In sehr gut gemachten Zwischensequenzen wird die Geschichte erzählt. Der Prinz erhält Rat einer guten Dschinn, die leider von einer unsympathischen Sprecherin ihre deutsche Stimme geliehen bekam. Immer wieder schöpft der Spieler die Hoffnung Malik möge sich besinnen und die eine Hälfte eines magischen Medaillons mit der zweiten an der Brust des Prinzen zu vereinen um die Macht der Sandarmee zu brechen. Von dieser einzigen Möglichkeit getrieben, wagt man sich dabei tiefer und tiefer in Maliks Königreich hinein.
Multitasking vonnöten
Eine typische Passage sieht etwa so aus. Mutig läuft man mit dem Prinzen eine Wand entlang, springt im richtigen Moment davon ab, gefriert eine nahe liegende Wassersäule, hangelt sich zur nächsten, springt ohne Verschnaufpause an einen Vorsprung und weicht dabei einer fiesen Falle aus. Die Zeit an gefrorenem Wasser ist stets begrenzt, so dass zwischendurch Hektik aufkommt. Fällt man trotzdem in die Tiefe, gibt man einen Energiestein her und dreht das Rad der Zeit zurück. In den meisten Fällen kommt man damit durch, an einigen Stellen nützt aber alles Zurückspulen nichts und man landet beim letzten automatischen Speicherpunkt.
Neben atemberaubenden Palastkulissen und Wasserspeiern erobert der Prinz neuerdings auch die Lüfte. Dazu katapultiert man sich an etwas angeschlagene Raubvögel. Da deren Federkleid arg zerzaust ist, eilt dieser Lufttransport umso mehr, will man nicht die Tiefen der Umgebung kennen lernen. Insgesamt sind die Möglichkeiten und das akrobatische Repertoire des Prinzen aber grosses Kino. Immer wenn man meint, dies wäre jetzt dann alles gewesen, lernt man wieder eine neue Fähigkeit.
Auf einer Art Mosaikboden schaltet man nach und nach Fertigkeiten oder Verstärkungen frei. Zu Beginn noch in seinen Entscheidungen eingeschränkt, eröffnet das System dem Spieler einige taktische Möglichkeiten. Neben den Siegen über die zahlreichen Feinde findet man an versteckten Stellen Sarkophage, die helfen das Punktekonto schneller zu füllen.
Fazit: Der Prinz ist zurück
Mäkeln und reklamieren kann man immer, in den diversen Internetspieleforen wird dies auch ausgiebig getan. Trotzdem muss man den Entwicklern attestieren einen guten PoP-Titel abgeliefert zu haben. Akrobatik und exotische Palastschauplätze bietet das Spiel zur Genüge. Bis auf den hässlichen Prinzen ist die Spielegrafik sehr gelungen. Man wähnt sich tatsächlich stellenweise im Orient. Die Steuerung ist zwar gewohnt komplex ausgefallen aber durchdacht. Würde die Kamera nicht die eine oder andere Einlage in schwindelnder Höhe verbocken, wäre auch das Sturzpotenzial noch geringer.
Insgesamt hat der Schwierigkeitsgrad gegenüber dem Vorgänger stark zugelegt, bis auf wenige Situationen sollte das Spiel aber für die anvisierte spielegewohnte Altersgruppe zu schaffen sein. Enttäuschend fallen die meisten Kämpfe aus. Nicht nur die immer gleichen Gegner trüben das Bild, auch die Bosskämpfe sind weder genügend abwechslungsreich noch herausfordernd.
Der stark kritisierte aktuelle Kopierschutz von Ubisoft für den PC, schaffte es glücklicherweise noch nicht auf die Konsolen. Das implementierte Communityportal „uPlay“ ist aber wahrscheinlich dessen nerviger Anfang. Waren früher freispielbare Inhalte einfach am Schluss des Spiels verfügbar, schaltet man sie heute erst mit einem Ubisoft-Konto frei. Gerne wüsste man, welche Daten die Konsole dabei übermittelt, dauert die Verbindung doch eine gefühlte Ewigkeit. Auf jeden Fall eine unschöne Entwicklung, die unter anderen Herstellern bereits Nachahmer findet.
Positiv aufgefallen:
- Abwechslungsreiche Akrobatikeinlagen
- Mörderisch gute Fallen
- Knüpft sinnvoll an die erfolgreiche Trilogie an
- Durchdachte Tastenbelegung des Controllers
- Gute Zwischensequenzen
- Teils grandiose Kulissen in den Palästen
- Wenige, aber schöne Rätsel
- Toller Soundtrack
Negativ aufgefallen:
- Überflüssiges „uPlay“ von Ubisoft
- Für Anfänger teils sehr schwierige Passagen
- Durch die Geschichte bedingte (Menschen)Leere in den Levels
- Bosskämpfe sind viel zu banal
- Trickreiche Kamerapositionen
- Durchwachsene Sprecher
- Kein Mehrspielermodus
- Schwache Extras
Spielspass 8.0 von 10 Punkten
Erhältlich für PC, Xbox 360 und PS3 (getestet)
Freigegeben ab 16 Jahren
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