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Game-Review

«Need for Speed: The Run»: Kurzer Trip

Über 50 teils edelste Karossen der weltbesten Hersteller und eine verrückt rasante Fahrt quer durch die Vereinigten Staaten. Die Affiche tönt vorerst spannend. Entwickelt wurde der fürs Weihnachtsgeschäft fast schon obligate EA-Racer jedoch nicht vom Team des hochgelobten Vorgängers. Qualitative Vorbehalte waren im Vorfeld darum berechtigt.

Im Geschwindigkeitsrausch

TEST VON JEAN-CLAUDE ZÜRCHER

Ein Rennen von der Golden Gate Bridge zum Empire State Building, im Jackpot die Siegprämie von 25 Millionen. Müsste Storyprotagonist Jack mit einem Sieg nicht seine Spielschulden tilgen, wäre die Situation für ihn eigentlich perfekt. Fahren nämlich kann er. Sehr gut sogar. Zwischen seinem Ziel, dem Pott in New York und dem Ende der aktuellen Sorgen stehen 249 Konkurrenten, einige tausend Meilen, unberechenbare Naturgewalten und die NfS-typische, diesmal fast schon zu effiziente Polizei.

Fehlende Tuningmöglichkeiten
„Battlefield 3“ zeigt aktuell auf Konsolen und PC im Shooterbereich, wo der Grafikhammer hängt. Man war darum gespannt, wie sich die Power der Engine für einen Renntitel eignet. Die Antwort fällt leider recht enttäuschend aus. Stadtabschnitte und insbesondere die Landschaften des mittleren Westens kommen super herüber. Hier wird richtig was fürs Auge geboten. Leider hat man wegen dem beständig hohen Renntempo keine Zeit das Ganze zu würdigen. Die verschiedene Fahrzeuge wirken in Bewegung auch noch ziemlich nett. Im Stillstand ist „NfS: The Run“ dagegen zum Heulen. Auch viel ältere Need for Speed sehen da wesentlich besser aus. Enttäuschend fallen auch die Modifikationen aus. Pro Modell gibt es nur relativ wenige Farben und Lacke, Spoilerummantelung als eine Art Rennsetup in jeweils drei vordefinierten Varianten. Am Fahrwerk oder felgenseitig lässt sich gar nichts ändern. Tuner und Tüftler werden also nicht bedient.

Wenig zu tun
In 1 gegen 1, Zeitaufholer-Checkpointrennen, im Sprint gegen mehrere Gegner, im Modus „Überleben“ gegen Sandstürme oder ähnliches und „Dominanz“, wo man mehrere Gegner nacheinander einholen, überholen und dominieren muss, geht es einmal quer durch die USA. Das klingt zuerst einmal nach viel Abwechslung. Diese bietet das Spiel auch. Das Hauptproblem von „NfS: The Run“ ist aber dessen Umfang. Der Storymodus des momentan besten Spielers dauerte bloss 1 Stunde 43 Minuten!
Dass der gemeine Spieler wegen des mitunter heftigen Schwierigkeitsgrades  ein, zwei Stunden dazu rechnen muss, macht die Sache dabei nicht besser. Fakt ist, das Gerüst ist echt mager. Die nach den einzelnen Etappen jeweils freigeschalteten fünf Challenges, bei denen man um verschieden wertvolle Medaillen kämpft, reissen es auch nicht mehr heraus. Auch der Multiplayer, wenn er denn funktioniert, ist nicht übertrieben variantenreich. Hier wurden viele Chancen vergeben.
Damit die Story leidlich funktionieren kann, wenden die Entwickler einen einfachen Trick an. Die einzelnen Etappen sind in mehrere kurze Events mit klarem Ziel unterteilt: Jeweils 1 bis 8 Ränge sind gut zu machen. Man kann dabei so schnell unterwegs sein wie man will, weiter vorne landet man nie. Zu den Gegner gesellen sich stellenweise Naturgewalten wie Lawinen oder eindrückliche Sandstürme. Auch die Polizei ist natürlich wieder von der Partie. Diesmal gefühlt mächtiger als früher. Ein Losrangeln mit dem Fahrzeug ist nicht mehr möglich. Man wird deshalb sehr schnell festgenommen.

Psychedelische Effekte im Multiplayer
überhaupt keine Freude bereitete im Test der Multiplayer. Die Mitspielersuche gestaltete sich mehrfach zur Geduldsprobe. Ständig sprangen welche ab, die Rennen konnten minutenlang nicht gestartet werden. Tonabbrüche und verrückteste Grafikstörungen folgten. Stellenweise sah man nur noch ineinandergeschobene graue und schwarze Ebenen, welche an den PS2-Kultklassiker „Killer7“ gemahnten. Für lustige youtube-Videos vielleicht ganz witzig, zum Spielen jedoch gänzlich uncool. Mehrere Rennen wurden so nur mit Hilfe der noch sauber funktionierenden Minimap erledigt.
Die verschiedenen Spielmodi muss man sich nach und nach erspielen. Selbsterstellte Rennen mit eigenen Regeln sind leider nicht möglich. Alles in allem sehr enttäuschend, trotz wiederum integriertem Autolog, dem Freundekonkurrenzsystem. Neue Freunde waren jedenfalls nicht aufzutreiben. Gerade für Spieler ohne gutgefüllte Freundesliste eine von EA vergebene Chance. Auch herunterladbare Geister als Konkurrenten gibt es nicht.

Fazit: Im langen Schatten eines fast perfekten Vorgängers
Der mächtige Konzern EA  befindet sich in einer komfortablen Position, was die Auswahl an hauseigenen Entwicklerteams angeht. An der Need for Speed-Reihe werkeln aktuell drei Firmen. Dazu kommen die Shooterspezialisten der schwedischen DICE, die das Grafikgerüst für „The Run“ beisteuerten. Die Tatsache, dass seine beiden Vorgänger „Shift2“ und „Hot Pursuit“ so viel besser waren und die Grafikengine scheinbar im Renngenre (noch) nicht funktioniert, brechen ihm nun aber das Genick.
Wäre „The Run“ zu Beginn des aktuellen Konsolenzyklusses erschienen und würde die Hauptstory mehr als die mickrigen 2 Stunden dauern, wenn man die vielen nötigen Fehlversuche ausser acht lässt, es wäre durchaus ein Hitkandidat. Die übermächtige und mittlerweile riesige Konkurrenz reicht es so aber automatisch ins Mittelfeld durch. Hinzu kommen die Verbindungsprobleme im Test auf der PS3, wo neben ewigen Ladezeiten bei der Mitspielersuche auch Tonausfälle und massivste Grafikprobleme ein Spielen verunmöglichten.

Was bleibt ist so ein bloss durchschnittlicher Racer mit vielen Déjà-vues bei den Fahrzeugen und einigen guten Ideen. Die nervigen Quicktime-Events mit ihrer pingeligen Abfrage hat man dagegen schnell wieder vergessen. Die öde Story sowieso.

Positiv aufgefallen:

  • „Race across America“ als grossartige Grundidee
  • Abwechslungsreiche, schön gestaltete Landschaften
  • Deutlich voneinander abweichendes Fahrverhalten der Autos
  • Naturereignisse als zusätzliches Fahrhindernis
  • Keine Driftrennen
  • Schwierige Nachtfahrten, tolles Speedgefühl


Negativ aufgefallen:

  • Sehr bescheidener Singleplayer-Umfang
  • Traurig hässliche Autos in der Garagenvorschau
  • Kein Tuning, keine beeinflussbaren Modifikationen
  • Die potente Grafikengine scheint nicht fürs Genre zu taugen
  • Kurz neben der Piste wird man bereits zurückgesetzt
  • Stark schwankender Schwierigkeitsgrad
  • Viele Probleme im Multiplayer
  • Für EA-Verhältnisse schwacher Soundtrack


Spielspass 6.0 von 10 Punkten

Freigegeben ab 16 Jahren
Erhältlich für PC, Playstation 3 (getestet), Xbox360, Nintendo Wii und 3DS

 

Stichwörter: Need for Speed, Game, Racer

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