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«Heavy Rain»: Wenn ein Videospiel Emotionen weckt

Ein interaktiver Thriller geht erzähltechnisch neue Wege und präsentiert eine Geschichte, die ungewöhnlich fesselt und Emotionen beim Spieler weckt.

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«Heavy Rain»: Wenn ein Videospiel Emotionen weckt (Video)
TEST VON SIMON DICK

Die Geschichte beginnt mit einer Bilderbuch-Szene: Ein junger Familienvater, der als Stararchitekt in einem perfekt gestalteten Haus lebt, spielt im Garten mit seinen beiden Söhnen, während die Mutter das Abendessen zubereitet. Es folgt ein harmloser Besuch in einem Einkaufszentrum, in dem es zu einem tragischen Unfall kommt: Einer der beiden Söhne wird vor dem Gebäude unbeaufsichtigt von einem Auto tödlich verletzt. Schnitt. Jahre später erleben wir wie der gebrochene Familienvater in einem heruntergekommenen Haus lebt. Mittlerweile von seiner Frau getrennt, versucht er seinen deprimierten Sohn glücklich zu machen. Das schreckliche Ereignis hat die Familie völlig zerrissen.

Wer ist der Mörder?
Es kommt noch schlimmer: Bei einem Ausflug im Park mit seinem Sohn erleidet der Vater einen Zusammenbruch und taucht urplötzlich an einem fremden Ort wieder auf, ohne sich an die letzen Stunden zu erinnern. Sein Sohn ist verschwunden und es stellt sich die Frage, ob der Origami-Killer, ein Serientäter, der Kleinkinder entführt und in Regenwasser ertränkt, wieder zugeschlagen hat. Parallel werden drei weitere Geschichten erzählt, die sich nacheinander in einander verweben: Als Privatdetektiv, FBI-Agent und aufstrebende Journalistin versucht der Spieler das Geheimnis der verschwundenen Kinder zu lüften. Es beginnt eine Achterbahn der Gefühle und kniffliges Rätselraten bis man schliesslich herausgefunden hat, wer der Übeltäter ist und mit offenem Mund den Abspann verfolgt.

Den Gedanken folgen
Mit fotorealistischer Grafik und unglaublich dichtem Soundtrack wird die Story in über 50 einzelnen Kapiteln erzählt, die vielmehr an einen Kinothriller erinnern, würde der Spieler nicht öfters dazu aufgefordert ins Geschehen einzugreifen. Die Interaktivität besteht aus zwei Ebenen: Auf der ersten steuert man die Figur in einem vorgegebenem Setting, hört sich ihre Gedanken an und lässt sie mit der Umgebung in Kontakt treten. So schlendert man Adventure-mässig im Haus herum, öffnet Türe und Schränke, macht sich etwas zu Essen oder kümmert sich um Nachforschungen.

Unzählige Ausgangsmöglichkeiten
Danach folgen in der Regel die emotionalen Zwischensequenzen, welche jedoch aktive Teilnahme der Spieler erfordern. Dies bedeutet, dass man bei sogenannten Quick-Time-Events vorgegebene Tasten schnell drücken muss oder mit den Analogsticks bestimmte Bewegungen nachahmen sollte. Auch die Wireless-Funktion kommt öfters zum Zuge, indem man den Controller schüttelt oder in eine bestimmte Richtung bewegt. Dabei gibt es unzählige Ausgangsmöglichkeiten bei diesen Szenerien, welche den Ablauf der nachfolgenden Geschichte neu definieren können. Denn befolgt man die Abfolge nicht, gibt es kein klassisches Game Over, sondern eine alternative Möglichkeit die Handlung fortzusetzen. Dadurch wird die Illusion einer freien Interaktivität kreiert, die aber erzähltechnisch ihre Grenzen besitzt.

Unglaubliche Technik
Die gefühlvollen Gesichtsausdrücke, die geschmeidigen Animationen und die detaillierten Hintergrundschauplätze sehen fantastisch aus und bieten eine neue Referenz. Über 60 Schauspieler wurden mit dem Motion-Capture-Verfahren gefilmt und danach digital bearbeitet. Das Resultat lässt sich sehen und präsentiert einen fast perfekten Fotorealismus. Durch die mehr als gelungene Wiedergabe von Gestik und Mimik wachsen einem die Charaktere schnell ans Herz und wecken Emotionen beim Spieler.

Problem: Steuerung
Die Bedienung wird die Game-Gemeinde spalten: Auf der ersten interaktiven Ebene kann man zwar die Figur in einem begrenzen Areal frei bewegen, doch ist hier die Interaktivität mit der Umgebung zu begrenzt. Da werden sich viele fragen, warum man jetzt nicht Objekt A bewegen oder mit Objekt B in Kontakt treten kann. Zudem leidet die direkte Steuerung der Figuren an Ungenauigkeit. Vor allem der Privatdetektiv steuert sich träge und bewegt sich oft nicht in die angegebene Richtung. Die Bedienung in den Zwischensequenzen sprich die Quick-Time-Events werden vielen Gamern, die damit nichts anfangen können, auf die Nerven gehen. Wer sich aber daran gewöhnt hat, erlebt eine geschmeidige Gameerfahrung, da man mit dieser aktiven Steuerung noch intensiver ins Geschehen hinein gezogen wird.

Fazit: Hass oder Liebe?
«Heavy Rain» wird die Gamergemeinde spalten. Während Grafik, Sound und Storytelling die meisten überzeugen wird, kann die Steuerung einige Spieler verärgern. Bei vielen wird die hektische Quicktime-Steuerung zu Frustmomenten führen. Die anderen werden sich mit dieser Zwischensequenz-Steuerung schnell anfreunden und sich dem Sog hingeben. Auf jeden Fall sollten Kritiker einige Kapitel Probe spielen, um die ungewöhnliche Atmosphäre dieses interaktiven und äusserst spannenden Thrillers zu erleben, denn so einen intensiven Titel hat es im digitalen Unterhaltungsbereich noch nicht gegeben.

Positiv aufgefallen:
- Unglaublich, detaillierte Grafik
- Dichte Atmosphäre und spannende Geschichte für Erwachsene
- Charaktere wecken mit Mimik und Gestik Emotionen beim Spieler
- Starker Soundtrack mit Ohrwurmgarantie
- Grenzen zwischen Film und Videospiel verschmelzen
- Ungewöhnliche Steuerung
- Hoher Wiederspielwert
- Spannendes Finale, das überrascht

Negativ aufgefallen:
- Einige Charaktere steuern sich träge
- Quicktime-Events werden nicht nur Freunde finden
- Für manche zu wenig Videospiel, zu viel Film

Spielspass: 9 von 10 Punkten

Erhältlich für Playstation 3
Freigegeben ab 18 Jahren


Wettbewerb:

Das Bieler Tagblatt verlost drei Exemplare von "Heavy Rain". Wer ein Spiel gewinnen möchte, schickt eine Email mit dem Betreff „Heavy Rain“ an internet@bielertagblatt.ch.

Name, Vorname und genaue Postanschrift nicht vergessen. Einsendeschluss ist am Donnerstag, 4. März 2010. Die Gewinner werden hier auf der Webseite bekannt gegeben.

Viel Glück!

Stichwörter: Gamekritik

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