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«Dark Souls» Das Spiel der tausend Tode

Der inoffizielle Vorgänger «Demons Souls» mauserte sich innert Kürze vom Geheimtipp zum Kultspiel. Die verzückte Fangemeinde feiert nun bereits auch «Dark Souls» als spielerische Offenbarung. Leider bleibt aber erneut wegen dem horrenden Schwierigkeitsgrad ein Grossteil der Spieler auf der Strecke.

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TEST VON JEAN-CLAUDE ZÜRCHER

Die Fähigkeit zur Selbsteinsicht zumindest lässt die japanische Entwicklertruppe von „Dark Souls“ nicht vermissen. „Bereite dich darauf vor zu sterben“, lautet der Name der Homepage zu ihrem Titel übersetzt. „Ihr seid gestorben“ ist denn auch die durchaus freundlich formulierte Floskel, die man selbst als durchschnittlich begabter Gamer während den dutzenden möglichen Spielstunden ungezählte Male zu sehen kriegt.
Auf den ersten Blick bieten die neu hinzu gekommenen (Speicher-)Leuchtfeuer gegen die frustrierend vielen verlorenen Spielminuten beim Ableben im spirituellen Vorgänger „Demons Souls“ Abhilfe. Neustart oder Rast am Leuchtfeuer – alles paletti. Oder eben auch nicht. Wohl füllen sich Gesundheit und Heiltränke wieder auf.

Die als typische Spielwährung gesammelten Seelen gehen jedoch vorerst verloren und sämtliche Gegner, auch die bereits besiegten, erleben ihre Wiederauferstehung. Um die lästigerweise abhanden gekommenen Seelen wieder zu erlangen, erhält man genau eine einzige Chance. Stirbt man beim Versuch, sind sie für immer verloren. Zum Glück behält man wenigstens die Waffen, egal wie oft man draufgeht. Ein irgendwie aber nur schwacher Trost.
 
Aller Anfang bleibt schwer
Nach dem Festlegen von Klasse, Geschlecht und diversen Körpermerkmalen erfolgt der Spieleinstieg brutalst. Bereits in den ersten Minuten steht man noch ohne brauchbare Waffe vor einem Bossgegner – und stirbt natürlich umgehend. Beim fünften Versuch stellt man fest, dass man durch eine kleine Tür entkommen kann. Erst einige Zeit und Tode später, erhält man die Gelegenheit, selber etwas aufgelevelt und geübter, dem früh begegneten Gegner das Licht auszublasen.

Das äusserst spärliche Tutorial in Form von Texttafeln sollte man unbedingt gelesen, Abrollen, Blocken und den Wechsel von einhändig auf zweihändig geführter Waffe verinnerlicht haben. Auch die Aufschaltfunktion auf einen Gegner zur Zielhilfe sollte man besser beherrschen, um wenigstens die vom Spiel gewährte geringe Chance auf Erfolg zu haben. Insgesamt ist gerade das Kampfsystem aber richtig toll, man wünscht es geradezu in einem einfacheren Spiel mit einer interessanten Story wiederzufinden. So vergisst man aber oft ob dem ganzen Frust, wie gut alles im Idealfall reagiert und funktioniert. Fans des Spiels sehen darin eine nötige steile Lernkurve und begeben sich freudig auf den Weg zur Perfektion, alle anderen pfeffern den Controller in die Ecke.

Lösungen und Hilfen
Für einmal ist das Nachschauen in einer Komplettlösung keine Schande. Das Spektrum an Möglichkeiten ist so breit, dass nicht nur Neulinge sich zeitweise überfordert fühlen können. Welcher Boss braucht nun welche Strategie? Verbaue ich mir durch den Ausbau dieser oder jener Fähigkeit oder die Wahl einer Waffe die Chance auf ein Weiterkommen sehr viel später im Spiel? Die Chancen zu Versagen sind in „Dark Souls“ auf praktisch jeder Ebene gegeben.

Diese Ausgangslage kann aber natürlich gerade zu Experimenten reizen. Wann kann man in einem Action-RPG schon als schwer gerüsteter Ritter Zauber sprechen? Die Grenzen zwischen den Rassen und Klassen in „Dark Souls“ sind viel weniger rigide, als sonst in Rollenspielen üblich. Viele Stellen der Spielwelt sind bereits früh begehbar. Auch wenn man die dortigen Gegner zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht schlagen kann, könnte sich ein Besuch trotzdem lohnen. Items oder Seelen könnten durchaus nützlich sein. Spieler, die sich nicht gerne in Schläuchen gegängelt fühlen, finden hier gerade auch aus solchen Gründen ihre Offenbarung.

Eigenwillige Onlinefunktionen
Wer mit seiner Konsole online geht, muss sich bei Warnungen, die andere Spieler in der Welt von „Dark Souls“ hinterlassen haben immer entscheiden, ob er ihnen Glauben schenkt. Oft sind sie aber nützlich. So kann es vorkommen, dass sogar die einzige Stelle markiert ist, an der die Spielfigur beispielsweise den Feueratem eines Drachen überlebt. Blutspuren weisen zudem darauf hin, wenn andere Spieler an der Stelle umgekommen sind. Man kann sich in der Geistform sogar zeigen lassen was genau geschah. Um online in Spiele von anderen einsteigen zu können, muss man zuerst die menschliche Form erlangen. Danach kann man bei besonders haarigen Stellen zu zweit agieren. Trotz dieser Möglichkeiten sinkt der gefühlte Schwierigkeitsgrad aber nicht merklich. „Dark Souls“ bleibt schier unbezwingbar.

Fazit: Ist der Gegner zu stark, bist du zu schwach....
Der Umgang mit und die Erlebnisse in „Dark Souls“ haben etwas Schizophrenes an sich. Einerseits herrscht in der Spielwelt eine wahnsinnig intensive, düstere Atmosphäre. Die sehr bedacht eingesetzte Musik und die dauernde Bedrohung durch irgendwelche Gegner tun zusammen mit der sauberen Grafik und den phantasievoll designten, gigantischen Bossen ihr Übriges. Andererseits ist der Titel so frustrierend schwierig zu meistern, geht so viel Lebens- und Freizeit beim Spielen drauf, dass man sich mehr als einmal fragt, weshalb man sich das antut. So fällt es denn auch schwer, trotz der unbestrittenen Qualitäten dieses speziellen Rollenspiels dafür eine Kaufempfehlung auszusprechen.

Das sehr eigenwillige Spielprinzip von zähem Erlernen und freiem Erforschen der Spielwelt ist nur von Könnern mit entsprechend grossem Zeitbudget goutierbar. Diese werden sich aber wie schon bei „Demons Souls“ in ihrem Spielerego bestärkt fühlen und die sauer verdienten Fortschritte und kleinen Belohnungen im Spiel umso mehr geniessen. Zudem dürfen sie sich einem recht elitären Zirkel zurechnen.
Blosse Angeber können selbstverständlich auch die Kollegen mit diesem Titel im Regal beeindrucken. Die grosse Mehrheit macht aber um „Dark Souls“ am besten einen grossen Bogen.

Positiv aufgefallen:
- Dauerndes Gefühl der Verlassenheit
- Kolossale Bosse
- Leuchtfeuer zum Sichern des Spielstandes
- Sehr feinfühlig reagierendes Kampfsystem
- Weniger Beschränkungen beim Ausbau der Figur als bei der Konkurrenz
- Saubere Texturen, grosse Weitsicht
- sehr gute englische Sprecher (dt. Untertitel) und tolle Musik

Negativ aufgefallen:
- Keine Möglichkeit, um in Ruhe das Kampfsystem zu erlernen
- Spieleinstieg für Neulinge eine Riesenhürde
- Gegner sind nach dem Speichern alle wieder da
- Viel zu viel Trial-and-error, mit Schwerpunkt auf „error“=Tod
- Kein Einstellen des Schwierigkeitsgrades möglich
- Wenig Storyhandlung, blasse eigene Spielfigur
- Orientierung muss ohne Karte erfolgen

Spielspass 7.0 von 10 Punkten

Freigegeben ab 16 Jahren
Erhältlich für Playstation 3 (getestet), Xbox360
 
Stichwörter: Game-Review

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