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«Batman: Arkham City»: Eine Stadt voller Psychopathen

Der Flattermann ist zurück und bekommt es mit illustren Schurken zu tun, die den dunklen Ritter auf Trab halten. Wird die Fortsetzung den hohen Erwartungen gerecht?  

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TEST VON SIMON DICK

«Arkham Asylum» war ein Riesenhit und lieferte eine Videospielumsetzung, die dem Comichelden Batman endlich gerecht wurde. Eine düstere Welt mit vielen Geheimnissen sorgte für intensiven Spielspass für mehrere Stunden vor dem Bildschirm. Genial: Die Macher Rocksteady waren von ihrem Erstlingswerk so sehr überzeugt, dass sie gleich selber einen Hinweis einer möglichen Fortsetzung im Game platzierten. Denn das Projekt «Arkham City» stand bereits damals in den Startlöchern, zumindest in der fiktiven Geschichte.

Chaos und doppelte Identität
Um die vielen Psychopathen in Gotham City einzusperren reicht die Anstalt nicht mehr aus. Also hat man sich dazu entschlossen gleich einen ganzen Stadtteil für die Schurken zur Verfügung zu stellen, in dem sie sich austoben können. Der Stadtteil, der mit einer riesigen Mauer von der Umwelt abgeschottet wurde, versinkt jedoch zunehmend im Chaos. Verschiedene Gangs bekämpfen sich ununterbrochen. Jeder will die Herrschaft erlangen. Kommt hinzu, dass Projektleiter Dr. Hugo Strange herausgefunden hat, wer sich hinter der Batman-Maske verbirgt. Doch damit nicht genug, denn der Kriminelle hat noch ganz andere Pläne mit Batman alias Bruce Wayne. Mehr soll an dieser Stelle von der spannenden Geschichte nicht verraten werden.

Ein Milliardär auf Abwegen
Überraschung gleich zu Beginn: Nicht etwa in der Rolle des dunklen Ritters macht man seine ersten Bewegungen in der virtuellen Welt, sondern Milliardär Bruce Wayne höchstpersönlich darf gesteuert werden. Denn dieser wurde kurzerhand in das Stadtteil verfrachtet, weil er öffentlich gegen den unmenschlichen Bezirk demonstriert hatte. So muss man sich zuerst als  Wayne freikämpfen und in Handschellen die erste Gegnerwelle überstehen, bevor der treue Buttler Alfred dafür sorgt, dass seine Batman-Ausrüstung zu ihm geflogen kommt. Danach kann die Jagd nach den Schurken beginnen.

Frei wie ein Vogel
Schon zu Beginn verfügt der dunkle Ritter über die Gegenstände, die er seit Ende des letzten Titels unter seinem Cape versteckt hatte. So lässt es sich gleich von Anfang an über die Dächer der Stadt gleiten oder in Sekundenbruchteile hohe Häuserschluchten mittels Gadgets hinauf gleiten. Auch der Detektiv-Modus ist wieder vorhanden, mit dem der Flattermann so einige knackige Rätsel lösen darf. So kann Batman Gegner in der unmittelbaren Umgebung wahrnehmen und sich auf den Zweikampf vorbereiten. Das ausgefeilte Kampfsystem wurde ebenfalls übernommen und um ein paar Aktivitäten ergänzt.

Mit Herz und Verstand
Für eine dichte Atmosphäre sorgt auch Batmans Richtmikrofon, mit dem er unzählige Verbrecher-Dialoge in der Stadt mithören kann. Dadurch erhält man nicht nur Informationen über das Arkham-Projekt, sondern bekommt auch Einblicke in die psychische Welt der Gangster. Mit gewonnenen Erfahrungspunkten lassen sich die Gadgets auch immer wieder aufleveln. Batman kann sich aber nicht nur auf seine Muskelkraft verlassen, sondern muss sich auch immer mit Herz und Verstand vorantasten, um die Aufgaben zu meistern. Denn der dunkle Ritter ist verletzlich. Eine Kugel genügt, um den Superhelden ins Jenseits zu befördern, es sei denn man sorgt für einen besseren Schutzpanzer.

Heimliche Schurken-Helden
Es ist erstaunlich, welche Dichte der Titel bereits nach wenigen Spielminuten aufbaut. So trifft man in den ersten Minuten auf allseits bekannte Schurken aus dem Batman-Universum, die mal freundlich gesinnt sind oder dem Superhelden eine ganze Armada von Gegnern auf den Hals hetzen. Two-Face, Joker, der Pinguin oder der übermächtige Bane sind nur ein paar Psychopathen, die den Weg in der ersten Spielstunde kreuzen. Es entstehen auch immer wieder unheilige Allianzen zwischen Batman und bekannten Schurken, denen man aber nie trauen sollte. Während einige Schurken den Part des klassischen Psychopathen übernehmen, lassen andere Einblicke in ihre Seelen gewähren. Da entwickelt man fast schon Mitleid mit einigen gefallenen Gestalten. Die Schurken sind denn auch die heimlichen Helden im Videospiel und nehmen eine grosse Präsenz ein. Ein Merkmal, das im Batman-Universum nichts ungewöhnliches ist.

Es warten viele Geheimnisse
Die Stadt ist riesig. Fast fünf Mal so gross erstreckt sich das Terrain im Vergleich zum Vorgänger. Da gibt es allerhand zu tun und zu entdecken. Abseits vom Handlungsstrang kann man sich diversen Nebenmissionen widmen und die Stadt frei erkunden. Das lohnt sich allemal, denn es warten viele Geheimnisse, Insidergags und Anspielungen auf das Batman-Universum, die sonst im Handlungsstrang der Hauptgeschichte versteckt bleiben. In dieser düsteren Stadt kann sich der Batman-Fan noch mehr austoben als beim Vorgänger.

Audiovisuelle Highlights
Optisch haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet. Die detaillierte Stadt ist ein Augenschmaus. An jeder Ecke, in jedem Hinterhof oder auf jedem Dach gibt es etwas zu entdecken, das den Batman-Fans gefallen wird. Der Titel läuft flüssig und auch wenn mehrere Gegner auf den Flattermann einprügeln, bleibt die Bildrate stabil. Famos sind auch die Zwischensequenzen, welche die Geschichte um Irrungen und Wirrungen in der düsteren Welt vorantreiben. Hat man als Spieler das Gefühl, dass eine aktuelle Cutscene nicht mehr getoppt werden kann, wird man schnell eines Besseren belehrt. Ein Höhepunkt jagt den nächsten. Auch die musikalische Untermalung ist eine Wucht, die mit düsteren Tönen und perfekter Soundcodierung für einen perfekten Hörgenuss sorgt. Und die deutsche Synchronisation ist einer der besten, die einem Videospiel jemals verpasst wurde, auch wenn sie nicht immer völlig lippensynchron ist.

Etwas kurze Hauptgeschichte
Der Umfang ist riesig. Will man die Hauptgeschichte mit allen Nebenmissionen gesehen und gespielt haben, kann das Spiel ca. 35 Stunden verbuchen. Folgt man jedoch nur der Hauptmission, sieht man leider schon nach ca. 8 Stunden den Abspann. Schade, denn von der faszinierenden und spannenden Geschichte hätte man gerne noch mehr gesehen. Auch der Schwierigkeitsgrad scheint des Öfteren zu einfach zu sein. Profis werden auch bei knackigen Bossgegnern keine grossen Probleme haben.

Fazit: Ein indiskutabler Pflichtkauf
«Arkham City» ist eine Wucht. Der Titel hat es geschafft, alle positiven Aspekte des Erstlings nochmals zu toppen. Mehr Schurken, mehr Freiheit, mehr Gimmicks, mehr Story und mehr Batman lassen das Herz eines jeden Fans höher schlagen. Wer den Vorgänger «Arkham Asylum» nicht kennt, sollte ihn vorher durchspielen, um in den Genuss von Insiderinfos zu kommen und Einblicke in Storygeheimnisse zu erhalten. Auch wer nicht viel mit dem Flattermann anfangen kann, aber auf gute Action-Adventures steht, muss hier zugreifen. Sonst verpasst man eines der besten Spiele des Jahres.

Positiv aufgefallen:
- Unglaublich düstere Welt
- Perfekte Batman-Atmosphäre
- Atemberaubende Grafik und detailliertes Setting
- Bekannte und weniger bekannte Schurken aus dem Batman-Universum
- Toller Bombast-Soundtrack
- Spannende Nebenmissionen
- Technisch einwandfrei
- Catwoman ist spielbar, muss aber zuerst mit Code heruntergeladen werden
- Knackige Riddler-Herausforderungen
- Riesiger Umfang
- Fast perfektes Kampfsystem
- Viele Batman-Gadgets
- Nach dem Spiel warten zahlreiche Herausforderungen

Negativ aufgefallen:
- Etwas kurze Hauptstory
- Für Profis zu einfach
- Deutsche Lippensynchronisation nicht immer vorhanden  
 
Spielspass: 9.5 von 10 Punkten

Erhältlich für Playstation 3 (getestet), Xbox 360 und PC
Freigegeben ab 16 Jahren

 
Stichwörter: Game-Review

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