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So verdient man mit YouTube Geld

Das beliebte Videoportal feiert seinen zehnten Geburtstag und hat so einige Internet-Stars hervorgebracht. Um richtig erfolgreich zu werden, braucht es aber viel mehr als nur Glück.

Julia Graf ist einer der wenigen Stars in der Schweiz und begeistert viele Fans mit ihren Schminktipps, Bild: youtube/screenshot

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von Simon Dick

Als 2005 die Videoplattform YouTube das Licht der digitalen Welt erblickte, wurde es belächelt. Eine Internetseite, die nur Videos zeigt, kann nicht funktionieren, waren sich viele Kritiker einig. Doch das Potential wurde unterschätzt. Die Plattform wuchs gewaltig und zahlreiche Selbstdarsteller an. 2006 hat Google die noch junge Plattform bereits aufgekauft.


Unterhaltung und Infos
Anfangs war YouTube eine reine Unterhaltungsplattform, die qualitativ schlechte Videos zeigte und selbstverliebten Menschen eine Plattform bot. Mittlerweile ist aus dem kindlichen Kanal, wo witzige Katzenvideos zu dominieren scheinen, ein professionelles Unternehmen geworden. Der reine Unterhaltungsfaktor steht zwar immer noch im Zentrum, doch die Inhalte könnten heute nicht unterschiedlicher sein: YouTube ist ein grosser Informationskanal geworden, auf dem nicht nur politische Parteien und Meinungsmacher vertreten sind, sondern auch gewöhnliche Menschen Erklärungen zu Produkten abgeben und sich zu jedem Thema äussern dürfen. Vermehrt wird der Kanal aber auch für Propaganda-Zwecken missbraucht.


Fast keine Konkurrenz
YouTube ist auch das neue Musikfernsehen geworden und hat MTV und VIVA hinter sich gelassen. Denn bei YouTube muss der Zuschauer nicht auf ein Musikvideo warten, sondern kann selber bestimmen, zu welcher Zeit er sich was ansehen möchte. Kurz: Auf YouTube findet man einfach alles. Das Portal ist beinahe konkurrenzlos auf dem Markt. Zwar gibt es Nebenbuhler wie «Clipfish» oder «MyVideo», doch die Nutzerzahlen lassen sich so gut wie gar nicht mit dem Riesen vergleichen. Grösster Konkurrent bleibt das soziale Netzwerk Facebook, wo immer mehr Videos hochgeladen werden, Tendenz stark steigend.


Erfolgreich Geld verdienen
Seit 2007 kann man mit YouTube auch Geld verdienen: Damit die Kasse beim User klingelt, bedarf es aber ein paar wichtiger Voraussetzungen. Es gibt vier grosse Themenbereiche, bei denen es am wahrscheinlichsten ist, dass man mit seinen Inhalten Geld verdient: Video- und Computerspiele, Schönheits-Produkte, Comedy und Musik sind die Hauptkategorien, die online am meisten Beachtung finden.


Im Gaming-Bereich kommentieren Profispieler auf unterhaltsame Weise Spielszenen und stellen die Videos ins Netz, während im Bereich Schönheit junge Frauen Schminktipps abgeben und neue Kosmetik-Produkte vorführen. Im Comedy-Bereich drehen Privatpersonen eigene witzige aber höchst professionelle Videos, während im Musik-Bereich junge Bands und Solokünstler um Aufmerksamkeit buhlen.

Bendrit Bajra erreicht mit seinen witzigen Videos zahlreiche Fans in der Schweiz, Quelle: youtube/Bendrito 


Das wichtigste sind die Fans
Am besten entscheidet man sich für eines der Themengebiete, wo man sich professionell auskennt und etwas zu sagen hat. Hat man die ersten Videos online gestellt, muss eine Fanbasis, eine grosse Community, erstellt werden. Denn man kann nur erfolgreich sein, wenn man auch genügend Fans hat, die sich die Videos regelmässig ansehen und im Internet weiter teilen. Hat man einen User sogar dazu gebracht ein Abonnent des eigenen Kanals zu werden, ist ein erster Erfolg verbucht.

Julia Graf gibt aussergewöhnliche Schminktipps, Quelle: youtube/Julia Graf


Auf Wünsche eingehen
Um seine Fans und Abonnenten bei der Stange zu halten, sollte mindestens ein neues Video pro Woche hochgeladen werden. Die Beiträge sollten nicht  länger als 15 Minuten dauern und möglichst professionell gemacht sein.  Auch die Interaktion mit den Fans sollte regelmässig und ernsthaft betrieben werden. Auf die Wünsche der Zuschauer sollte man eingehen und jede noch so kleine Frage höflich beantworten.


YouTube meldet sich
Hat man eine beachtliche Anzahl an Abonnenten und viele Klicks, meldet sich YouTube in der Regel automatisch beim Kanal-Inhaber und macht ihm ein Angebot. Wie viele Abonnenten es genau braucht und wie viel man danach pro Klick verdient, darüber schweigt YouTube seit Jahren. Welche Werbung dann im Videobeitrag geschaltet wird, bestimmt ebenfalls YouTube.


Hat man keine Geduld, um auf YouTube zu warten, kann man auch selber aktiv werden. Die sogenannte «Monetarisierung», um auf seine Videos aufmerksam zu machen, kann von jedem einzelnen selber gestartet werden. Vor der Aktivierung, die bei den persönlichen Einstellungen gestartet wird, muss man die langen Regeln genau durchlesen und akzeptieren. Hat man seine Monetarisierung für die ausgesuchten Videos gestartet, bedeutet das aber noch lange nicht, dass sie auch wirklich Geld einbringen.


Einem Netzwerk beitreten
Um das Ganze zusätzlich zu forcieren, kann man auch an einem Partnerprogramm teilnehmen, um seine Reichweite und seine Erfolgschancen zu vergrössern. Bedingungen sind hier aber regelmässige Videos, die hochgeladen werden und über 1000 User, die das Video konsumieren. Auch das sogenannte «Multi-Channel-Network» kann weiterhelfen. Das ist ein Netzwerk von grossen YouTube-Kanälen, die mithelfen Werbung zu schalten und Geld zu verdienen. Aber auch hier muss man erst eine gewisse Reichweite auf YouTube haben und sich bewusst sein, dass dies ebenfalls kein Garant für einen finanziellen Erfolg ist.

YouTube in Zahlen
• 2014 wurden pro Minute über 300 Stunden Videos hochgeladen.
• Im Jahr 2013 waren es nur 100 Stunden pro Minute.
• Pro Tag wurden im Jahr 2014 im Durchschnitt bis zu 4 Milliarden Videos hochgeladen.
• Der erfolgreichste YouTubler ist der Schwede «PewDiePie».
• Der 26-jährige hat mit seinem Lets-Play-Kanal über 34 Millionen Abonnenten.
• Er veröffentlicht regelmässig Videos, in denen er Videospiele spielt und diese unterhaltsam kommentiert.

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