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"Ich würde nie das Gesicht meiner Tochter zeigen"

Viele Eltern stellen wahllos Fotos ihrer Kinder auf Facebook. Susanne M. aus Bern kann mit diesem Trend nicht viel anfangen und hat uns ihr besonderes Konzept erklärt.

Das Gesicht des Kindes ist nie zu sehen, Bild: zvg

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BT-Online: Liebe Frau M.* Viele Eltern posten regelmässig auf Facebook und in anderen sozialen Medien Fotos ihrer Kinder. Warum nur?
Susanne M.: Was andere Eltern dazu bewegt, kann ich nicht beurteilen. Bei mir ist es so, dass viele meiner Familienangehörigen im Ausland leben und wir uns über Facebook vernetzt haben. Ich wollte meine Verwandten einfach an unserem abwechslungsreichen und heiteren Alltag teilhaben lassen.
 
Bei Ihren Fotos ist das Gesicht Ihres Kindes nie ersichtlich. Mit Absicht?
Ich war am Anfang strikt gegen das Publizieren von Fotos meiner Tochter. Aber dieses „Konzept“ hat sich per Zufall ergeben. Das erste Bild, das ich geteilt habe, zeigt, wie sie inmitten einer Kindergruppe im Wasser spielt. Ich wollte sie die ganze Zeit mit dem Gesicht zu mir fotografieren, aber sie hat sich immer von mir abgewendet. Und als ich dann dieses Foto gesehen habe, dachte ich mir, dass das eines ist, welches ich auf Facebook stellen könnte, da man ihr Gesicht nicht sieht. Was als Zufall angefangen hat, ist nun Teil meines Fotokonzeptes geworden.

Haben Sie denn besonders Angst vor Missbrauch oder wollen Sie einfach die Privatsphäre Ihres Kindes schützen?
Sowohl als auch. Wir wissen alle, dass die Bilder, die man im Internet veröffentlicht, sich irgendwo herumtreiben und nicht mehr gelöscht werden können. Zudem weiss meine Tochter ja nicht, was ich mit ihren Fotos mache – und ich als Vormund bin dafür verantwortlich, dass die publizierten Fotos vernünftig und geschützt sind. Mit meinem Fotokonzept kann ich so die Privatsphäre meines Kindes gewährleisten.
Ausserdem geht es mir bei den Fotos nicht primär um mein Kind, sondern vielmehr um den Moment, den wir gerade gemeinsam erleben. Der Familie und dem engeren Freundeskreis schicke ich dann meistens noch detaillierte Bilder per E-Mail.

Zeigen Sie die Fotos anschliessend auch Ihrem Kind? Wie reagiert es darauf?
Sie lacht. Sie weiss, dass sie das ist auf dem Foto und kommentiert, was sie auf dem Foto gemacht hat oder was passiert ist.

Wann darf Ihr Kind selber entscheiden, ob Fotos von ihr auf Facebook erscheinen?
Sobald sie versteht, was Facebook ist, wie man dieses Medium richtig und sicher braucht und sich der Tragweite bewusst ist.
 
Was raten Sie Eltern, die regelmässig Bilder ihrer Kinder online stellen? Auf was sollten Eltern besonders achten?
An erster Stelle muss der Schutz des Kindes stehen, also keine Bilder, wo die Kinder nackt oder leicht bekleidet sind. Was danach ist, ist jedem frei gestellt. Ich persönlich würde nie das Gesicht meiner Tochter zeigen, auch das gehört – auch schon rechtlich – zur schützenden Privatsphäre meines Kindes. Es gibt sicher auch Eltern, die gar keine Fotos veröffentlichen würden. Aber jeder macht, wie es für ihn stimmt. Mit meiner Variante schaffe ich so den Spagat zwischen Fotos veröffentlichen und die Privatsphäre meines Kindes schützen.

*Name der Redaktion bekannt

Interview: Simon Dick

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