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Die Poesie des Stoizismus

«Mood Music» nennt es die «New York Times». The National: kathedral, majestätitisch, erhaben. «High Violet» ist das dritte Album nach dem Szenedurchbruch «Alligator» (2005) und dem verhalteneren, nicht minder grossartigen «Boxer» (2007).

Bild: zvg
(lin) Was dort schon gross war, ist hier noch grösser: Diese sich zögernd aufbauenden Hymnen, die im Introspektivischen verweilen. Diese vertrackten Drumbeats, die die Songs trotzdem zusammenhalten (Mitklopfen braucht Übung). Diese Texte voller unbestimmter, assoziativer Bilder. Dieser lethargische, angesoffene Bariton von Sänger und Stoiker Matt Beringer.

«High Violet» ist Rockmusik mit Geheimnis. Die ersten Worte des Albums, ein kafkaesk rätselhaftes Bild: «It’s a terrible love and I’m walking with spiders». Der Song beginnt verhalten und endet in einem Feedback-Chaos fast SonicYouth-schen Ausmasses. Und doch will man bloss die Augen schliessen. Gedankenverloren hin und her wogen zu dieser Elegie. So auch zu «Afraid of Everyone», einem inhaltlich erschütternden Lied: «Venom radio and venom television / I’m afraid of everyone, I’m afraid of everyone / with my kid on my shoulders I try / not to hurt anybody I like». Wäre die Formulierung nicht abgedroschen – «vertonte Midlife-Krise» wäre der Begriff.

Dann ist da noch «Bloodbuzz Ohio» – die Symbiose all dessen, was diese Band kann. Das Piano tief, die Gitarren verhallt, das Schlagzeug rastlos und kompliziert stampfend. Der Song wird grösser, dann riesig – bis zum Trompeten-Finale. Und über allem thront Matt Beringer. Eine Mann gewordene Aura, die singt: «I was carried to Ohio in a swarm of bees». Was für ein Bild.

Die Kunst von The National: Beklemmung und Befreiung – Hand in Hand, gleichzeitig.

INFO: The National: «High Violet» (4AD)
Stichwörter: CD-Tipp

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