
«High Violet» ist Rockmusik mit Geheimnis. Die ersten Worte des Albums, ein kafkaesk rätselhaftes Bild: «It’s a terrible love and I’m walking with spiders». Der Song beginnt verhalten und endet in einem Feedback-Chaos fast SonicYouth-schen Ausmasses. Und doch will man bloss die Augen schliessen. Gedankenverloren hin und her wogen zu dieser Elegie. So auch zu «Afraid of Everyone», einem inhaltlich erschütternden Lied: «Venom radio and venom television / I’m afraid of everyone, I’m afraid of everyone / with my kid on my shoulders I try / not to hurt anybody I like». Wäre die Formulierung nicht abgedroschen – «vertonte Midlife-Krise» wäre der Begriff.
Dann ist da noch «Bloodbuzz Ohio» – die Symbiose all dessen, was diese Band kann. Das Piano tief, die Gitarren verhallt, das Schlagzeug rastlos und kompliziert stampfend. Der Song wird grösser, dann riesig – bis zum Trompeten-Finale. Und über allem thront Matt Beringer. Eine Mann gewordene Aura, die singt: «I was carried to Ohio in a swarm of bees». Was für ein Bild.
Die Kunst von The National: Beklemmung und Befreiung – Hand in Hand, gleichzeitig.
INFO: The National: «High Violet» (4AD)
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